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Usedom „Irgendwas mit Hotel“ — oder Uniform
Vorpommern Usedom „Irgendwas mit Hotel“ — oder Uniform
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04:15 12.04.2013
Willi Hollatz (15) aus �ckeritz k�nnte sich f�r den Beruf des Polizisten begeistern. Er schl�pfte gestern in die Schutzkleidung der Beamten, die bis zu 25 Kilogramm wiegen kann. Quelle: Irene Burow

Sie wollen Polizist oder Programmierer werden. Oder studieren. Fragt man die Schüler, wissen sie ziemlich genau, womit sie später Geld verdienen wollen. Die Berufsberater, die gestern zur Jobmesse in die Ahlbecker Pommernhalle kamen, waren jedoch schnell sprachlos: „Es ist beängstigend, was wir gehört haben“, sagt Anja Schliemann von der Kreishandwerkerschaft Vorpommern-Greifswald. „Die meisten wissen gar nicht, was hinter den Berufsbezeichnungen steckt.“ Sie wollen „irgendwas mit Hotel“ werden oder glauben, dass sie als Fleischer selbst die Kühe töten müssen. „Sie verstehen nicht, dass man als Innenarchitekt besser erst eine Tischlerlehre macht. Oder erst das Schneidern lernen sollte, bevor man Modedesigner werden kann.“

Die Generation, die zu Fachkräften ausgebildet werden soll, wachse zu behütet auf, bemängelt Kai Kruse von der Kfz-Innung Ostvorpommern. Wünsche würden von Eltern zu einfach erfüllt und der Umgang mit Geld nicht richtig vermittelt werden. Vor allem Schüler der zehnten Klassen zeigten kaum Interesse an der eigenen Zukunft. Es ist der Jahrgang, in dem sich Schüler entscheiden müssen: Ausbildung oder Abitur. „Im Zweifel gibt‘s ja noch Hartz IV“, beschreibt Kai Kruse den Tenor. Die Ursache dafür sehen beide auch in der fehlenden Wertvermittlung im Elternhaus und der Gesellschaft. „Eine solide Ausbildung wird einfach nicht genug gewürdigt“, meint er.

Sichtbar werde das zum Beispiel, wenn die Abschlusszeugnisse überreicht werden. „Die Familien nehmen das nicht mehr als ganz besonderen Termin wahr, auf den man stolz sein kann. Das war früher anders“, sagt Anja Schliemann. „Dabei wird damit ein so wichtiger Lebensabschnitt beendet. Die Gesellen können von zu Hause ausziehen und ins Leben starten. Weiter lernen. Und sollten sie doch mal zurückfallen, haben sie immer was in der Hand, womit sie Geld verdienen können.“

Statt handwerklichen Berufen stehen gut klingende Jobs, wie Modedesigner, Eventmanager oder Medienkaufmann ganz oben auf der Wunschliste, weiß Stephan Drews. Er ist Berufsberater bei der Agentur für Arbeit in Greifswald. „Dafür gibt es aber die wenigsten Stellen“, sagt er. In Schulklassen, hat er festgestellt, gebe es oft einen Schwerpunkt in einem bestimmten Bereich. „Berufswünsche werden einfach von den anderen geklaut.“ In dem Alter können die Schüler im Grunde nur „im Nebel stochern“ und sich möglichst viele Informationen holen. „Es hilft, Bekannte und Verwandte zu fragen was sie machen, wie sie dazu gekommen sind und was ihnen daran gefällt.“ Praktika seien immens wichtig, um die Realität kennenzulernen. Verzweifelte Schüler, die zu ihm kommen, kann er beruhigen. „Nicht einmal die Hälfte der Schüler wird den Beruf machen, den er sich in dem Alter vorgestellt hat“, sagt Stephan Drews.

Lehrlingswart Kai Kruse sieht auch Betriebe in der Pflicht, nicht nur das gelbe vom Ei zu erwarten, also fertig ausgebildete Fachkräfte. Er weiß, es wird immer schwieriger, es kostet Geld. Aber „wenn unser Nachwuchs weg ist, was ist dann hier in 20 Jahren noch?“ Die Berufsschulen in Greifswald und Wolgast müssten unbedingt gehalten werden. Sonst ziehe es die Schüler in große Städte, wie Hamburg und Berlin. Dort lernen sie dann den ersten festen Freund kennen und bleiben. „In zehn Jahren wird keiner von denen sagen: Hallo Koserow! Ihr habt auf mich gewartet — da bin ich!“, betont Anja Schliemann.

Wenn unser Nachwuchs weg ist, was ist dann hier in 20 Jahren noch?“Kai Kruse, Kfz-Innung Ostvorpommern

Irene Burow

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☎ 03 83 4/77 78 77 und ..8 - 12 Uhr u.

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