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Usedom Isegrimm ist längst hier heimisch
Vorpommern Usedom Isegrimm ist längst hier heimisch
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00:01 09.10.2018
Ende September spazierte dieser junge Elchbulle durch Ückeritz. Er war zuvor auch in Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin unterwegs. Quelle: Foto: J. Wolff
Pinnow/Katzow

Gibt es nahe der Insel Usedom größere Wolfsvorkommen oder war es doch nur ein Einzelfall? Nach dem Unfall am Sonnabendfrüh gegen 9 Uhr auf der B 110 bei Pinnow, bei dem eine Wölfin in ein Auto gelaufen und dabei getötet worden war (die OZ berichtete), gibt es in der Region viele Diskussionen.

Wölfe in der Region zwischen Greifswald, Wolgast und Anklam schon seit Jahren gesichtet

„Es gibt hier mehr Wölfe, als bisher gesichtet wurden.“ Das sagt der ehemalige Leiter des Forstamtes Neu Pudagla, Norbert Sündermann (68). Der Forstdirektor i.R. sieht auch die Wölfin, die durch den Zusammenstoß mit dem Auto gestorben ist, als Beweis. „Bei Wölfen wie auch beim Elch ziehen vorwiegend die männlichen Jungtiere gerne umher, erkunden neues Terrain. So ein Wolf legt in einer Nacht schon mal locker 70 Kilometer zurück“, weiß der erfahrene Forstmann und Jäger. Wenn der junge Wolf dann ein Gebiet ausgemacht habe, in dem es sich gut leben lässt, sprich in dem es genügend Nahrung wie Reh-, Rot- und Schwarzwild sowie Ruhe gibt, hole er auch eine Wölfin nach. „Die leben niemals allein hier“, betont Norbert Sündermann. Die Anwesenheit des Weibchens sieht er als Indiz für eine Rudelbildung. „Dank der idealen Lebensbedingungen mit genügend Futter geht die Populationsentwicklung sehr schnell“, erläutert er.

Bei der Wölfin vom Sonnabend vermutet er, dass das gut genährte Tier von um die 60 Kilo Gewicht aufgeschreckt wurde und sie deshalb zu dieser für einen Wolf völlig ungewöhnlichen Tageszeit die vielbefahrene Bundesstraße überqueren wollte. „Der Wolf ist nachtaktiv und tagsüber eigentlich nicht zu sehen“, erläutert er. Aus diesem Grund glaubt er auch nicht, dass Autofahrer oder gar Radfahrer auf dem parallel zur B 110 verlaufenden Radweg jetzt befürchten müssen, dass immerzu Wölfe die Fahrbahn queren. Die Lebensbedingungen dort mit großen Brüchen – also größeren Moor- und Sumpfgebieten – und sandigen Stellen seien zwar für den Wolf ideal. „Aber diese Tiere sind auch sehr klug. Sie lernen schnell, wann sie ohne Gefahr die Straße überqueren können“, so Sündermann.

Der pensionierte Forstdirektor sieht sich nicht das erste Mal mit Wölfen konfrontiert. „Im vergangenen Jahr wurde im Januar im Raum Peenemünde eine Wolfsfährte gesichert. Die sind schneller auf einer Insel, als mancher denkt. Wölfe sind exzellente Schwimmer. Meinen allerersten Wolf allerdings habe ich 1974 in Fürstenwalde begutachtet“, betont Sündermann.

Der jahrzehntelange Forstamtsleiter ist sich sicher, dass die Zahl der Wölfe in unserer Region weiter zunehmen werde, zumal sie neben dem Wild im Wald auch immer öfter Schafe und Kälber auf Weiden als Futter antreffen würden. „Deutschland gehört bis heute zum natürlichen Lebensraum des Wolfes. Gebiete wie der Anklamer Stadtbruch, die Ueckermünder Heide und Wälder rund um Murchin bieten diesem Raubtier gute Lebensbedingungen“, sagt er.

Wölfe wurden auch schon mehrfach im Wolgaster und Greifswalder Umland gesichtet. So gab es Übergriffe von Wölfen auf Rinder, Kälber und Schafe auf der Insel Koos, bei Wackerow, bei Kemnitz und bei Katzow. Landwirt Dr. Jens Holzhausen aus Netzeband hat eindeutige Wolfsaufnahmen auf Wildkameras. „Wölfe kann man hier seit ungefähr drei Jahren regelmäßig sehen. Meine Frau und ich haben mehrfach mal einen, mal zwei gesehen – sowohl auf offenen Flächen als auch im Wald. Auf meinen Weiden wurden Schafe und auch Kälber angegangen. Ich bin da aber kein Einzelfall“, sagt er.

Panikmache vor dem Wolf hält der ehemalige Forstamtsleiter Sündermann dennoch für unangebracht, auch wenn der Wolf mittlerweile politisch hoch angebunden ist. „Der Mensch ist keine Beute für den Wolf, sondern sein natürlicher Feind, vor dem er wegläuft. Man kann zwar nicht ausschließen, dass er im Ernstfall Menschen anfällt, aber das normale Beuteverhalten dieses Tieres ist ein anderes. Und wenn ein Wolf nicht gerade auf offener Straße überrollt wird, werden die meisten Menschen hierzulande ein solches Tier auch nicht von Angesicht zu Angesicht sehen“, betont Norbert Sündermann.

Cornelia Meerkatz

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