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Usedom Jammert Usedom auf hohem Niveau?
Vorpommern Usedom Jammert Usedom auf hohem Niveau?
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00:07 11.05.2018
Leute glücklich zu machen, ist unsere AufgabeJenny Meyer, Pier 14
Heringsdorf

Rückläufige Gästezahlen im Jahr 2017 und ein hinter den Erwartungen liegender Vorbuchungsstand für den Sommer 2018 treiben den Touristikern der Insel Sorgenfalten auf die Stirn. Dazu kommt die fehlende Akzeptanz in der Bevölkerung für Hotel- und Ferienwohnungs-Neubauten, den Verkehr und die im Tourismus gezahlten Löhne, wie die Masterarbeit des Geografie-Studenten Matthias Pens aus Wolgast offenlegt.

Nach einem Rekordjahr wie 2016 sind gewisse Rückgänge nicht unnormalHarald Machur, Tourismusverband MV

Allerlei Zündstoff also für eine kontroverse Diskussion beim 9. Touristiker-Talk im Steigenberger Grandhotel and Spa Heringsdorf, der unter dem Thema „Sand im Getriebe? Qualität auf Usedom“

stand. Wobei gleich eingangs Harald Machur vom Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern einschränkte: „Das ist Jammern auf hohem Niveau. Nach einem Rekordjahr wie 2016 sind gewisse Rückgänge nicht unnormal.“

Der Leiter Qualität und Nachhaltigkeit beim Landestourismusverband stellte die Ergebnisse einer Erhebung der „Trust You“ GmbH vor, auf deren Grundlage der Qualitätsaward Tourismus an die Region Fischland-Darß-Zingst verliehen wurde. Usedom kam bei diesem Ranking auf Platz 2, Rügen auf den 4. Rang. Bundesweit sieht es erst richtig ernüchternd aus. Da hinken die beiden Ferieninseln beim Anteil an klassifizierten Hotels mit Rang 48 (Usedom) und 67 (Rügen) unter 132 Regionen den eigenen Ansprüchen weit hinterher. Besser sieht es bei klassifizierten Ferienwohnungen aus. Da steht Rügen auf Platz 8 und Usedom auf 17. Dagegen stehen Usedom (45. Rang) und Rügen (68.) nach der Anzahl zertifizierter Tourist-Infos nur im Mittelfeld.

Machur zufolge helfen die Qualitätsmanagement-Instrumente tatsächlich „die Qualität zu verbessern, durch Hinterfragen und Bewertung.“ Weiter sagte er: „Wir wollen mit dem Award Aufmerksamkeit auf uns richten. Er soll einen gewissen Handlungsdruck aufbauen, etwas zu tun und sich zu verbessern.“ Als Beispiel für nötigen Handlungsbedarf nannte Machur den Fahrradtourismus. Hier sei das Land von Platz 1 auf 7 abgerutscht, „da wir bei der Infrastruktur hinterherhinken.“ Eine wichtige Rolle spielten auch Bewertungen auf Online-Portalen und das Beschwerdemanagement. „Wenn wir auf Bewertung antworten, ist das ein wichtiges Marketinginstrument", findet Machur.

Der Kaiserbäder-Kurdirektor Thomas Heilmann betonte, dass die Qualität beim derzeit in Bearbeitung befindlichen Tourismuskonzept der Gemeinde eine wichtige Rolle spielt. Das Konzept werde am 8. Juni in der Gemeindevertretung vorgestellt. „Es wird eine Gemeinschaftsaufgabe sein“, so Heilmann, der selbst eine lange Liste der Unzufriedenheit aufgestellt hat, die größer sei als seine Liste der Zufriedenheit.

Eine These der Veranstaltung war auch, das Profil zu schärfen. Wer dies erfolgreich tut, ist das Seebad Karlshagen. „Karlshagen sagt, wir sind ein familienfreundliches und sportliches Seebad. Jeder fünfte Gast ist hier ein Kind“, erläuterte Christina Hoba vom Eigenbetrieb der Gemeinde im Inselnorden. „Gelebte Qualität ist das, was entscheidet“, so die Marketing-Expertin. Das fange beim Geduldswartekeks in der Tourist-Info an, gehe über das Duft-Marketing weiter bis hin zum spontanen Bastelangebot bei schlechtem Wetter und ende bei der Kinderkurdirektorin, die seit 2013 ein Alleinstellungsmerkmal des Familienseebades ist.

In die gleiche Richtung „Profil schärfen“ argumentierte Jenny Meyer vom erfolgreichen Konzept-Store Pier 14. Das Strandcasino in Heringsdorf sei ein Qualitäts-Leuchtturm und gleich im ersten Jahr mehrfach ausgezeichnet worden. „Leute glücklich zu machen, ist unsere Aufgabe. Dinge verkaufen, das kann jeder. Die Kunst ist es, den Gast so zu begeistern, dass er wiederkommt. Das funktioniert, da es auf der persönlichen Ebene gelebt wird“, schwärmte die Marketing-Chefin des Unternehmens.

In der morgigen Ausgabe gehen wir auf die Studie „Akzeptanz des Tourismus auf der Insel Usedom“ von Matthias Pens ein, die den zweiten Teil des Touristiker-Talks einnahm.

´dietmar Pühler

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