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Usedom Jeder zehnte Neuntklässler konsumiert Cannabis
Vorpommern Usedom Jeder zehnte Neuntklässler konsumiert Cannabis
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00:05 25.04.2017

Cannabis, Ecstasy, Spice, Crack oder Kräutermischungen mit unkalkulierbarer Wirkung: Der Drogenkonsum in unserer Region nimmt insbesondere bei Heranwachsenden besorgniserregende Ausmaße an. Laut einer Schülerbefragung im Landkreis Vorpommern-Greifswald, initiiert von der Regionalstelle für Suchtvorbeugung und Konfliktbewältigung (RSK), haben 17,2 Prozent der befragten Neuntklässler schon einmal in ihrem Leben Cannabis konsumiert. Jeder zehnte Schüler (9,2 Prozent) gab an, auch in den letzten 30 Tagen vor der Befragung gekifft zu haben. „Dieses Ergebnis liegt deutlich über dem Landesdurchschnitt von 6,2 Prozent und auch leicht über dem Bundesdurchschnitt von 8,1 Prozent“, verdeutlicht RSK-Koordinatorin Janina Becker und macht einen erhöhten Präventionsbedarf aus. Zumal regelmäßiger Konsum „zu einer verminderten Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnisverlust, Lethargie, Realitätsverlust und Depressionen führen kann“, warnt Becker.

Auch wenn die Befragung der über 550 Neuntklässler aus allen Schularten bereits im September 2015 stattfand, hat sie offenbar nichts an ihrer Aktualität eingebüßt. Im Gegenteil. Beratungsstellen in Vorpommern-Greifswald registrieren einen erhöhten Kommunikationsbedarf von Schülern, Eltern und Lehrern. „Im vorigen Jahr betreuten wir 51 Jugendliche unter 18 Jahren, im Jahr davor 52. Das war vor zehn Jahren bei weitem noch nicht der Fall“, sagt Kathrin Elsner, Leiterin der Fachambulanz für Alkohol- und Drogenkranke in Greifswald. Allerdings registriere sie – anders als im Nachbarkreis Vorpommern-Rügen – kein sinkendes Einstiegsalter. „Häufig sind es die 13- bis 15-Jährigen, die mit dem Kiffen beginnen, selten konsumieren schon Elf- oder Zwölfjährige Cannabis“, sagt sie.

Ein halbes Gramm Cannabis für fünf Euro

Fakt sei: Je früher der Konsum beginnt, desto größer die Gefahr, in eine Abhängigkeit zu geraten. Viele Eltern, so Elsner, halten einen Drogenkonsum ihrer Kinder für völlig abwegig, weil er angeblich zu teuer sei. „Doch das ist ein Irrtum. Zum Kiffen braucht es nicht viel, ein halbes Gramm gibt es schon für fünf Euro. Selbst für Achtklässler ist es relativ leicht, an einen Joint zu gelangen“, weiß Kathrin Elsner. Aus ihrer Beratungstätigkeit weiß sie, dass die Motive für einen Drogeneinstieg sehr vielfältig sind. „Ein zwölfjähriges Mädchen etwa nannte als Grund, dass sie dann weniger isst.“ Andere argumentierten mit dem Gruppenzwang, dem Leistungsdruck in der Schule oder dem Alkoholproblem der Eltern ... Die erste Reaktion der Erwachsenen, so Elsner, sei oft nicht hilfreich.

Drogen in Grund und Boden zu stampfen, bringe nichts. „Selbst in der Prävention geht man davon ab, abschreckende Beispiele auf Plakaten zu drucken“, sagt die 40-Jährige. Viel wichtiger sei es, über die Drogen ins Gespräch zu kommen und damit den eigentlichen Nöten nachzuspüren. „Denn meistens sind Cannabis oder auch Alkohol nur Nebenschauplätze. In Wirklichkeit geht es um ganz andere, massive Probleme“, sagt Kathrin Elsner.

Die Suchttherapeutin weiß aus unzähligen Präventionsveranstaltungen in Schulen, dass viele Jugendliche gern mal einen Stoff ausprobieren würden, der Halluzinationen auslöst oder entspannt. „Oder sie wünschten sich eine Substanz, mit der sie sich besser konzentrieren können und die Eltern stolz auf ihre Leistungen sind“, plaudert Kathrin Elsner aus dem Nähkästchen. Ein deutliches Alarmzeichen, das offenbar auch in den Schulen registriert werde. Elsner: „Schulsozialarbeiter und Direktoren sind heutzutage hellhöriger, thematisieren den Drogenkonsum häufiger als früher. Die Nachfrage nach Beratung ist sehr groß“, sagt die Erziehungswissenschaftlerin, die 2016 allein 84 Präventionsveranstaltungen in Schulen bestritt – vornehmlich in Regionalschulen, Gymnasien und Berufsschulen. Die ihrer Kollegen nicht gezählt.

Prävention muss im Kindergarten beginnen

Janina Becker von der Regionalstelle für Suchtvorbeugung und Konfliktbewältigung betont indes, dass die Prävention in Zukunft schon viel früher beginnen müsse, „um mehr Kinder und Jugendliche vom Erstkonsum fernzuhalten beziehungsweise das Einstiegsalter hinauszuzögern“. Dies ist eine Konsequenz aus der Schülerbefragung von 2015. Allerdings ermögliche die personelle Ausstattung der RSK es nicht, „alle Kindergärten und Grundschulen im Kreis aufzusuchen“. Zwar gebe es ein paar Kooperationen, an denen die von der RSK ausgebildeten studentischen Präventionsfachkräfte arbeiten. „Und wenn Nachfragen kommen, bedienen wir diese auch“, versichert Dr. Becker. Doch in der Perspektive werde es eine Herausforderung sein, auch bei den Jüngeren flächendeckende Präventionsangebote zu installieren.

Petra Hase

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