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Usedom Käserei in Welzin steht vor dem Aus
Vorpommern Usedom Käserei in Welzin steht vor dem Aus
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00:12 10.04.2018
Steffen Schultze zeigt auf das marode Dach.
Welzin

Eine Novität der Insel Usedom liegt nicht gleich auf dem Weg – man muss sich schon ein wenig auskennen, um die Käserei von Steffen Schultze in Welzin bei Stolpe zu finden. Keine Hinweisschilder – beispielsweise an der B 110 – , sondern nur kleine, unscheinbare Holztäfelchen weisen die Richtung zu dem alten Bauerngehöft aus dem 12. Jahrhundert. Hier hat der gebürtige Schwarzwälder vor 15 Jahren ein großes Experiment gewagt und die Inselkäserei gegründet.

Vor 15 Jahren gründete der Schwarzwälder die Inselkäserei. Nun müssen die Gebäude saniert werden. Quelle: Fotos: Rainer L. Hein

Doch jetzt steht er vor dem Ruin, denn für seine „Attraktion“ auf der Insel gibt es keine nötig gebrauchten Fördergelder. „Obwohl das Anwesen unter Denkmalschutz steht, lässt man mich bei der Sanierung des Gebäudekomplexes im Stich.“ Für Steffen Schultze ist dieses Anwesen ein Fass ohne Boden geworden, denn mindestens eine halbe Million Euro werden für eine Restaurierung benötigt.

In den letzten Jahren konnte der 42-Jährige nur die nötigsten Reparaturarbeiten durchführen. So bei dem WC der Probierstube. „Hier kam schon das Dach herunter und es drohte die baupolizeiliche Schließung.“ Also musste er handeln. Überhaupt ist das Jahrhunderte alte Anwesen in einem erbärmlichen Zustand. Wohnhaus, Scheunen und ehemalige Stallanlagen sind inzwischen eine stete Gefahrenquelle. Einzig den Bereich der Käserei sowie der Probierstube sind von Steffen Schultze so hergerichtet, dass Kunden und Gäste nicht in Gefahr geraten.

Eigentlich hatte alles positiv angefangen, als der Schwarzwälder 2003 auf die Insel kam. Er kaufte in Welzin den damals schon recht maroden Hof und legte los. Die Banken gaben Kredit, Fördergelder von Land und Bund wurden bewilligt. Insgesamt rund eine halbe Million Euro. „Das reichte für den Start“, erinnert sich Schultze, und es lief gut an. Ein schwerer Verkehrsunfall warf dann den Existenzgründer für zwei Jahre aus der Bahn – langer Klinikaufenthalt und Reha. „Dann ging alles quasi von vorne los“, so der Käser.

Sein Handwerk erlernte er in der Schweiz, wollte dann in seiner Heimat oder dem Elsass eine Existenz gründen – doch dort scheiterte es am Geld. „Die Grundstückspreise waren zu hoch und es verschlug mich nach Welzin.“ Das Land Mecklenburg-Vorpommern gab den ersten Zuschuss, um den riesigen Bottich (aus dem Jahre 1934) für die Käserei zu finanzieren. Und: Hier auf Usedom fand er einen Bauern, der ihm die nötige Bio-Milch verkaufte. „Das war nicht einfach, denn in Deutschland haben die meisten Milchbauern mit Genossenschaften Verträge.“

Die Käserei von Steffen Schultze (täglich geöffnet) bietet vielerlei Käsespezialitäten. Aber damit nicht genug, denn in Welzin können die Inselbesucher hautnah die Produktion beobachten. Durch die Scheiben seines Ladenlokals kann man sehen, wie der Käser den Kupferkessel anheizt und die Käsemasse zubereitet.

Diese Besonderheit der Sonneninsel könnte bald der Vergangenheit angehören, denn Unterstützung für Steffen Schultze – Fehlanzeige. „Ich befinde mich im Teufelskreis. Für eine Bewilligung von Fördergeldern zur Sanierung muss ich Gutachten vorlegen. Die kann ich nicht bezahlen.“ Seiner Meinung nach könnte der Denkmalschutz an dieser Stelle eingreifen und ihm bei den Gutachten unterstützen.

„Lieber lässt man die Anlage verfallen“, ärgert sich Schultze.

Selbst bei kleinen Dingen werde ihm die Unterstützung versagt, klagt er. So habe man ihm untersagt, Hinweisschilder an der B 110 zu installieren. Auch sei der Zuweg zur Inselkäserei katastrophal: „Da könnte die Gemeinde wenigstens die unzähligen Schlaglöcher schließen.“ Steffen Schultze will dennoch nicht aufgeben. „Die Käserei ist einmalig. Zahllose Berichte im Fernsehen beweisen das. Hier auf der Insel werde ich aber allein gelassen“, klagt er.

Viele Urlauber – aber auch Einheimische – hoffen, dass dieser Anziehungspunkt auf der Insel gerettet wird. „Hier schmeckt Käse noch nach Käse“, lacht Kunde Martin Jung (54) aus Essen, der bei unserem Besuch gerade seinen Käse kaufte. Er gehört zu denen, die sich gerne den „Jungen Usedomer“, „Zigotter“ oder „Usedom Alt mit Knoblauch“ mitnehmen.

Rainer L. Hein

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