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Usedom Kesselhaus wird für Schweizer zur Opernbühne
Vorpommern Usedom Kesselhaus wird für Schweizer zur Opernbühne
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00:00 30.08.2018
Das Konzert findet noch exklusiv für die Bordgäste statt. 2019 soll es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. FOTOS (6): HENRIK NITZSCHE
Peenemünde

Klassik trifft auf Geschichte: Zweimal im Jahr wird die Turbinenhalle des ehemaligen Kraftwerkes von Musik erfüllt. Die Peenemünder Konzerte in der imposanten Halle mit ihren roten Backsteinen gehören längst zum festen Bestandteil des Usedomer Musikfestivals. „Der weltberühmte Dirigent Kurt Masur war hier“, sagt Burkhard von Puttkamer, Bariton aus Berlin.

Neues Konzertprojekt im Peenemünder Museum / Klassik trifft auf dunkles Kapitel deutscher Geschichte / 2019 sind 16 Konzerte geplant

Er steht in schwarzem Frack und weißer Fliege vor der riesigen Rakete A 4 auf dem Gelände des Historisch-Technischen Museums (HTM) Peenemünde und erzählt über „Mondsehnsucht“ und die „furchtbare Geschichte“ von Peenemünde. Seine Zuhörer sind Schweizer, Gäste des Kreuzfahrtschiffes „Excellence Coral“, das im Peenemünder Hafen angelegt hat.

Die Besucher gehören zu einem neuen Konzertprojekt vom HTM, dem Schweizer Reisebüro Mittelthurgau und dem Berliner Kulturlabel „Zwischenakt“. Die Konzertcollage heißt „Fluchtgeschwindigkeiten“. Die Künstler Burkhard von Puttkamer und Alina Pronina am Klavier präsentieren im Kesselhaus Lieder von Franz Schubert, Robert Schumann, Hanns Eisler und Konstancija Brundzaite. Der Einbau von Texten und Stimmen von historischen Persönlichkeiten der Peenemünder Geschichte, wie Walter Dornberger (Kommandeur Heeresversuchsanstalt Peenemünde) und Wernher von Braun (Raketeningenieur) in das Konzert sowie der vorherige Rundgang durch die Ausstellung des Museums soll den Gästen aus der Schweiz einen neuen Blickwinkel aus dem Heute in die Vergangenheit geben.

Puttkamer steht für besondere Konzerte an besonderen Orten. Da wird eine Schleuse zum Open-Air-Konzertsaal, ein Bergwerk zum Aufführungsort und jetzt das Kesselhaus zur Opernbühne. „Die Akustik hier ist sehr gut“, sagt Puttkamer, der quasi die „Excellence Coral“ in den Inselnorden geholt hat. „Auf den Reisen zwischen Berlin und Stralsund haben wir nach neuen Konzertorten gesucht. Peenemünde ist dafür prädestiniert. Wir können doch nicht an dieser Geschichte vorbeifahren“, so der Künstler.

Von der Geschichte um die Raketenentwicklung der Nazis wusste Marianne Hofstetter aus Luzern noch nichts. „Der Bau ist schon beeindruckend“, sagt die 71-Jährige und zeigt auf das Kraftwerk. Sie sei ein Klassikfan und freue sich auf das Konzert, das exklusiv für die Gäste an Bord stattfindet. „Vier Konzerte gibt es noch in diesem Jahr, 16 im kommenden“, blickt Burkhard von Puttkamer voraus.

„Unser Ziel ist es, den einen oder anderen Abend auch mal öffentlich zu machen. 300 bis 400 Gäste bekommen wir locker ins Kesselhaus.“

Hier, wo eine 37 mal zwölf Meter große Leinwandmalerei dominiert, die vom Maler Gregorio Iglesias Mayo aus Spanien und dem Druckgrafiker Prof. Miguel A. Aragon aus Mexico/USA stammt. Christian Lerch steht im Kesselhaus und schaut beeindruckt nach oben. Der 75-Jährige aus Aarau ist das erste Mal in Peenemünde. „Die Geschichte war mir schon präsent. Wernher von Braun kennt jeder. Wenn man das von der technischen Seite betrachtet, war das faszinierend, was hier gebaut wurde“, so der einstige Mathematiker.

Gar den „Atem verschlagen“ habe es Ruth Baumann aus Hinterkappelen bei Bern, als sie mit dem Schiff in den Hafen eingelaufen war und das riesige Industriedenkmal sah. „Das ist nicht nur ein Denkmal sondern auch ein Mahnmal. Ich finde es gut, dass es das Museum gibt und so die Erinnerung bleibt“, sagt die ehemalige Bundesbeamtin einer Schweizer Telefongesellschaft. Zum Abschied und als Dankeschön gab sie Gastgeber Kai Hampel vom HTM ein kleines süßes Geschenk – Toblerone, die wohl bekannteste Schweizer Schokolade.

Um von der Schwere der Thematik wieder in das Heute zu kommen, laden Puttkamer und Alina Pronina im Anschluss an das Konzert zu einem zweiten Teil in den Salon des Schiffes ein. Bei einem Sektempfang gibt es ein heiteres Chansonprogramm mit Liedern der 20er Jahre.

Schweizer führen

Die Zahl der ausländischen Gäste auf der Insel Usedom steigt von Jahr zu Jahr. Wie Karina Schulz von der Usedom Tourismus GmbH informiert, sind die Übernachtungen der Gäste aus der Schweiz in den vergangenen acht Jahren enorm gestiegen. Wurden im Jahr 2009 noch 9418 Übernachtungen gezählt, so waren es 2012 bereits 27 360. Im vergangenen Jahr waren es immerhin noch

23 224 Übernachtungen.

Einen Anstieg gibt es auch bei Urlaubern aus Österreich. Die Übernachtungen stiegen von 3394 im Jahr 2009 auf 10468 im Jahr 2017.

Auslandsgäste 2017:

Schweiz (23 224 Übernachtungen), Österreich (10 468), Tschechien (5022), Polen (4424), Niederlande (4259), Schweden (3258), Dänemark (2721), England (1148), Frankreich (1046) und Norwegen (980)

Henrik Nitzsche

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