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Usedom Kirschbäume säumen die Bundesstraße

Kiefern- und Fichtenbestände im Usedomer Wald waren in die Jahre gekommen

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„„Ich stelle es mir schön vor, wenn man im Frühling an einem weißblühenden Riegel vorbeifährt.“Dirk Nass, Stadtförster Usedom

Usedom. Die Kiefern- und Fichtenbestände an der B 110 sind 80 bis 100 Jahre alt. Sie sind zum Teil von Baumschwamm und Rotfäule befallen. Deshalb hat der Usedomer Stadtförster einen ersten Abschnitt in der Tiefe einer Baumlänge komplett fällen lassen. Den dadurch frei gewordenen Waldboden hat Dirk Nass mit etwa 50 Kirschbäumen aufgeforstet. Für die ungewöhnliche Wahl nennt der Förster einen landschaftsästhetischen Grund: „Ich stelle es mir schön vor, wenn man im Frühling an einem weißblühenden Riegel vorbeifährt.“ Um die zarten Stämmchen vor Verbiss zu schützen, hat Nass sie mit einem Drahtgeflecht umgeben.

Ab Mai wird der Usedomer Wald dann abschnittsweise durchforstet, erklärt Dirk Nass seine weitere Vorgehensweise. Er hat Bäume, die für die Verkehrssicherheit relevant sind, im unbelaubten Zustand untersucht und wird sie im belaubten Zustand ein weiteres Mal kontrollieren. Das sei seit Jahren übliche Praxis und nicht erst, seit die Kommunal-Versicherung darauf gekommen ist, sagt er sarkastisch. Deren Forderung, alle Bäume an Kreis- und Bundesstraßen in circa 30 Meter Tiefe zur Straße mit Plaketten zu versehen und deren Begutachtung akribisch zu dokumentieren, hält der Stadtförster, der in seinem 950 Hektar großen Revier Einzelkämpfer ist, indes für nicht leistbar. „Das ist für Parkanlagen vielleicht realisierbar, aber für Waldflächen auch bundesweit nicht üblich.“

Nach der Abholzung frei gewordene Flächen sollen mit Lärchen aufgeforstet werden. Holz, das auf dem Markt begehrt ist, denn der Wald muss sich rechnen. „Wir sind wirtschaftlich gesund, schreiben seit Jahren schwarze Zahlen“, sagt Nass nicht ohne Stolz. Dabei sei Usedom beim Holzverkauf durch die langen Transportwege gegenüber anderen Anbietern im Nachteil. „Wir liefern unser Holz meistens nach Wismar, Magdeburg und Stendal.“

Ein hauptsächlich am Wochenende zu leistender Teil seiner Arbeit wird vom Ruheforst bestimmt, den es seit nunmehr zehn Jahren gibt. „Die Nachfrage nach dieser alternativen Bestattungsform ist sehr gut“, sagt der Stadtförster. Die Angehörigen schätzen die freie Gestaltungswahl der Zeremonie. Kürzlich haben beispielsweise die Usedomer Jagdhornbläser eine Beisetzung begleitet. Das war sehr feierlich. Gerade Menschen, die den Wald lieben, suchen sich schon zu Lebzeiten einen Bestattungsbaum aus. Wir haben von überallher Anfragen. Auch von Berlinern, die hier auf Usedom traditionell Urlaub machen.“

Als Ersatz für 13 kranke Hochstämme hat Dirk Nass im Ruheforst Esskastanien, Blutbuchen und Rubinien gepflanzt. Er geht auch auf Kundenwünsche ein. „Mancher wünscht sich als Ruheort für seinen Angehörigen zum Beispiel einen besonderen Findling. Auch das ist möglich. Andere wählen eine junge Birke, die sie dann mit den Jahren aufwachsen sehen.“

Bei Bedarf bietet Dirk Nass Führungen durch den Ruheforst an.

Kontakt: ☎ 038372/71 099

Ingrid Nadler

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