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Klassisches in großer Interpretation

Stolpe Klassisches in großer Interpretation

Bamberger Symphoniker in Stolpes Haferscheune

Stolpe. Musikalische Weltklassse auf dem vielzitierten „flachen Land“ ist in MV schöne Normalität – vor allem dann, wenn mehrere und meist internationale Festivals das Konzertgeschehen große Teile des Jahres über bestimmen. Kein Verwundern also, wenn sich etwa in der großen Haferscheune des Landgutes Stolpe bei Anklam auch große Orchester von internationalem Rang die Ehre geben und – wie vorgestern die in der Fachwelt hoch gehandelten Bamberger Symphoniker – im Rahmen der Festspiele MV einmal mehr unterstreichen, dass Deutschlands Theater- und Orchesterlandschaft rechtens zum „Immateriellen Kulturerbe“ der Unesco zählt. Mit solch einem Ensemble allemal! Die Bamberger verkörpern beste Orchestertraditionen. Sie pflegen eine Spielweise, die noble Klangkultur, höchst differenziertes Gestaltungsvermögen sowie mitreißendes Musizieren miteinander verbindet und damit Standards setzt. Natürlich auch in Stolpe, dessen großdimensionierte Scheune akustisch nicht nur nichts „verschluckt“, sondern auch die kleinste klangliche Feinheit in jeden Winkel transportiert – vom raumfüllenden Schwung großer sinfonischer Gestik ganz zu schweigen.

Beste Voraussetzungen als für Beethovens „Coriolan“-Ouvertüre und Schuberts bekannte Zwischenaktmusik aus „Rosamunde“. Und Erfolgsgarantie für zwei wenig bekannte große Konzertarien Beethovens („Ah, perfido“) und Mendelssohns („Infelice“), denen die Star-Sopranistin Christiane Karg charaktervolle Stimme und lyrisch-dramatische Gestaltungskraft gleichermaßen verlieh.

Zielpunkt interpretatorischer Feinarbeit – und Großartigkeit – aber war Brahms. Für seine – so der Komponist – „heiter und lieblich“ konzipierte 2. Sinfonie fanden Dirigent David Afkham und das Orchester jene Balance, die hier zwischen lyrischer Gelöstheit, elegischer Konzentriertheit und befreitem Jubel die Spezifik Brahmsscher Tonkunst ausmacht. Eine starke Vorstellung!

Ekkehard Ochs

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