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Usedom Kleinkrieg in Trassenheide
Vorpommern Usedom Kleinkrieg in Trassenheide
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00:00 12.04.2013
Henrik Nitzsche sorgt sich um die Streitkultur, die gegenw�rtig das Familienbad beherrscht. Quelle: Frank Söllner
Trassenheide

Ein Erpressungsvorwurf, Beleidigungen und eine anhängige Klage beim Arbeitsgericht Anklam — in Trassenheide ist der Teufel los. „Die Demokratie wird hier zu Grabe getragen“, kritisiert Einwohner Wolf Wagenbreth den Gemeinderat mit Bürgermeister Dirk Schwarze (Bündnis für Trassenheide) an der Spitze. Er wirft Schwarze Alleingänge sowie Verstöße gegen das Kommunalrecht und die Geschäftsordnung vor. Das Gemeindeoberhaupt kontert: „Ich weise das zurück. Ich lasse mir nicht meinen Heimatort kaputt machen.“

Gegen Wagenbreth und Steffan Brandenburg, Betreiber der Homepage „

www.possenheide.de
;, will die Gemeindevertretung jetzt juristisch vorgehen. Durch die auf verschiedenen Internetforen eingestellten Artikel seien der Bürgermeister und der Kurdirektor Werner Burghardt öffentlich angegriffen, beleidigt und verleumdet worden. Deshalb habe sich der Gemeinderat am Mittwochabend hinter verschlossenen Türen darauf geeinigt, beim Amtsgericht in Wolgast eine gerichtliche Unterlassungsverfügung zu beantragen. Zudem soll Strafanzeige erstattet werden. Ebenso solle das Amt prüfen, ob unter Einschaltung des Innenministeriums die Gemeindevertreter geschützt werden können. Dabei gehe es auch um Videomitschnitte von Sitzungen, die von den „Possenheide-Betreibern“ ins Internet gestellt wurden. Weil es trotz eines Beschlusses zu Beginn der Sitzung, Videoaufnahmen nicht zuzulassen, dennoch zu heimlich aufgezeichneten Mitschnitten gekommen sei, läge eine gravierende Beeinträchtigung der Persönlichkeitsrechte der anwesenden Personen vor, heißt es.

„Wir werden auf dieser Seite auch der öffentlichen Lüge bezichtigt. Man stellt mich als Verbrecher dar“, beklagt Schwarze, der sich am Mittwochabend erneut ein hitziges Rededuell mit Wagenbreth lieferte. Letzterer fragte provokant in die Runde: „Wie lange will sich der Gemeinderat das noch gefallen lassen?“ Als er konkret die Abgeordnete Angelika Fisch (Bündnis für Trassenheide) ansprach, welche Meinung sie dazu habe, bekam er zur Antwort: „Ich lasse mich gegen keinen aufwiegeln.“ Sie habe inzwischen einen Anwalt eingeschaltet. Vom stellvertretenden Bürgermeister Horst Freese (Bündnis für Trassenheide) hieß es: „Dazu nehme ich keine Stellung.“

Mitarbeiterin der Kurverwaltung fühlt sich gemobbt

Wagenbreth, der seine Brötchen als Schausteller verdient, legte nach und sprach von den „vielen Erfolgen der Possenjäger“. Dazu zählte er u.a. die Schaffung eines Personalrates im Eigenbetrieb, Behindertenparkplätze in Strandnähe oder die Planung eines Fußweges zur Klinik. Schwarze schüttelte mit dem Kopf und riet dem Trassenheider sichtlich genervt, eine Suppenküche für Arme im Ort zu eröffnen, wenn er sich unbedingt in die Gesellschaft einbringen wolle.

Schwere Geschütze fuhr auch Wagenbreths Mitstreiter Brandenburg auf. Er warf der Gemeinde „Erpressung“ vor. Seiner Frau, die gegen die Gemeinde klage, sei geraten worden, die Possenheide-Seite schließen zu lassen. „2009 ist sie krankheitsbedingt ausgefallen. Ihr Arbeitsverhältnis beim Eigenbetrieb ruht allerdings. Sie beschuldigt uns, gemobbt worden zu sein“, so Kurdirektor Werner Burghardt zu der anhängigen Klage beim Arbeitsgericht Anklam.

Wagenbreth und Brandenburg haben sich an den Landes-Bürgerbeauftragten Matthias Crone gewandt. Nach einem Schriftverkehr mit dem Amt Usedom-Nord schrieb er ihnen, dass man „Ihre rege Teilnahme an den öffentlichen Sitzungen schätze und, soweit möglich immer versuche, Ihre Eingaben in die künftige Arbeit der Gemeindevertretung mit einfließen zu lassen“. „Das hörte sich im Schreiben des Anwalts von Frau Fisch anders an. Darin heißt es, dass sich der Gemeinderat inklusive Bürgermeister durch das exzessive Ausnutzen des Fragerechts genervt fühlen“, zitiert Wagenbreth.

Jetzt wird es schmutzig
Engagierte Einwohner, die bei jeder Gemeinderatssitzung kritisch nachfragen, wünscht man sich in Zeiten von Demokratie. Dass man sich als Kritiker dabei auch sozialer Netzwerke bedient, ist legitim.

Allerdings wird der Bogen überspannt, wenn Personen öffentlich diffarmiert und an den Pranger gestellt werden. Die Gräben im Ostseebad sind bereits so tief, dass das oft praktizierte Rezept, beide Parteien an einen Tisch zu holen, hier nicht mehr funktioniert. Der Streit wird schmutzig. Die persönlichen Fehden gefährden das Gemeinwohl. Jetzt sprechen die Anwälte! Schade für ein familienfreundliches Ostseebad!

Henrik Nitzsche

Genossenschaftsbank blickt auf 150 Geschäftsjahre und eine bewegte Geschichte zurück. Nach der Gründung firmierte die Vorschuß-Verein GmuH in der Schusterstraße (Teil 1).

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☎ 03 83 4/77 78 77 und ..8 - 12 Uhr u.

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