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Usedom Korswandter werfen Engie reine Profitgier vor
Vorpommern Usedom Korswandter werfen Engie reine Profitgier vor
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00:01 28.10.2017
Demonstrierten ihre Haltung unübersehbar: Mitglieder und Sympathisanten der Initiative Lebensraum Vorpommern. Quelle: Foto: Steffen Adler
Korswandt

Gerade einmal netto 37 Minuten haben gereicht. Danach unterbrach der um Disziplin bemühte Bürgermeister Karl-Josef Wurzel am Donnerstagabend die hitzige Einwohnerfragestunde. Aber auch in dieser kurzen Zeit ließen die vielen Anwesenden im überfüllten Saal des „Idylls am Wolgastsee“ keinen Zweifel daran, was sie von den Erdgasförderplänen des Unternehmens Engie E&P am Ortsrand von Korswandt halten – nämlich rundweg gar nichts.

Einwohner äußern großen Unmut und lehnen Erdgasförderung ab

Nachdem die Gemeindevertreter zunächst die Gründung einer zeitweiligen Arbeitsgruppe „Erdgas“, wie es sie in Heringsdorf gibt, mehrheitlich abgelehnt hatten, erläuterte Unternehmenssprecher Stefan Brieske den aktuellen Stand des Vorhabens „Erdgasförderung auf Usedom“. Danach brach sich der unüberhörbare Unmut, ja teilweise Zorn der Einwohner Bahn. Tiefgreifende Zweifel an der Zusicherung von Engie E&P, kein Fracking anzuwenden, Gewerbesteuern zu zahlen und für größtmögliche Sicherheit zu sorgen, prägten viele Fragen der besorgten Korswandter. „Wir wollen Euch hier nicht!“ und „Das ist doch die blanke Profitgier!“ ließen nichts an Deutlichkeit vermissen. Viele Wortmeldungen befassten sich mit den Risiken und Gefahren für den Insel-Tourismus, für die Umwelt (Naturpark Insel Usedom) und das Image der Ferieninsel.

Die von Brieske relativ detailliert vorgetragenen einzelnen Schritte des Verfahrens (Raumordnung und Bergrecht) wollte kaum jemand hören. Statt dessen wiesen einige der Fragesteller nach, sich vorab bereits intensiv im Internet belesen zu haben. Anders als immer wieder versichert, lese man dort wenig Gutes über die Firma. Statt dessen habe es in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Unglücke und Zwischenfälle gegeben. Brieske wies allerdings den Vorwurf zurück, es gebe anderenorts nachweisbare Zusammenhänge zwischen Engie-Produktionsstätten und einer höheren Rate an Krebserkrankungen.

Die Fronten dazu blieben verhärtet.

Sven Prabel stellte die Sinnfrage nach der hiesigen Erdgasförderung, wo Engie doch gerade den Wandel hin zu erneuerbaren Energien vollziehe. Und Daniel Graf brachte Hedgefonds ins Spiel, die dabei seien, Teile des Unternehmens zu erwerben. Der auf die kleine Gemeinde und ihre Menschen zukommende stärkere Lkw-Verkehr wurde ebenso thematisiert wie die Müllentsorgung. Überzeugende Antworten konnte Brieske dazu noch nicht geben. Dennoch sagte er zu, weiter den Dialog mit den Korswandtern führen zu wollen. Mit anderen Worten: Das Unternehmen wird seine Pläne, die nächsten zweieinhalb Jahrzehnte aus 2600 Metern Tiefe vor Usedom Erdgas fördern zu wollen, weiter verfolgen.

In Korswandt hat sich die Firma – sehr zum Unwillen vieler Einwohner – für die geplante Förder- und Verarbeitungsstätte bereits eine Fläche im Bereich Hasenberg gesichert, vermutlich durch eine Kaufvormerkung. Ein Umstand, der für weiteren Unmut in der großen Runde der Zuhörer sorgte.

Steffen Adler

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