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Usedom „Kranker Typ“: Verbalattacke hat juristisches Nachspiel
Vorpommern Usedom „Kranker Typ“: Verbalattacke hat juristisches Nachspiel
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07:58 18.05.2017
Jens-Uwe und Christina Kasowski betreuen seit fast 20 Jahren ehrenamtlich psychisch Erkrankte. Die Äußerung eines Mitarbeiters des Schweriner Innenministeriums hat sie hart getroffen. Quelle: Tom Schröter

Die offenbare verbale Entgleisung eines Mitarbeiters des Innenministeriums von MV wird am 27. Juli Gegenstand einer Verhandlung am Amtsgericht Neubrandenburg. Der Wolgaster Jens-Uwe Kasowski hat den betreffenden Mitarbeiter des Innenresorts, nachdem dieser nicht auf das Angebot einer außergerichtlichen Einigung einging, auf die Zahlung von Schmerzensgeld in Höhe von mindestens 1200 Euro verklagt. Der 62-jährige Wolgaster fordert überdies persönliche Konsequenzen. „Dieser Mitarbeiter hat in diesem Ministerium mit dieser Einstellung gegenüber psychisch Kranken nichts zu suchen“, meint er.

Der Fall liegt bereits einige Monate zurück. Kasowski, der seit fast 20 Jahren in Wolgast die Selbsthilfegruppe „Angst und Depressionen“ leitet, hatte sich Ende Januar in einer E-Mail mit einer Bitte an Innenminister Lorenz Caffier (CDU) gewandt, den er vom Studium her kennt. Er habe an Caffier in dessen Funktion als stellvertretender Ministerpräsident von MV geschrieben, sagt er. Seine Bitte bestand darin, ob nicht mit Hilfe des Landes und eines freien Trägers eine finanzielle Unterstützung der Arbeit der Selbsthilfegruppe organisiert werden könne.

Ein persönlicher Mitarbeiter Caffiers schrieb dem Peenestädter, das Problem sei an das Sozialministerium weitergeleitet worden. Kasowskis Antwort: An das Sozialministerium hätte er selbst schreiben können. Er habe sich an Caffier als Vize-Regierungschef von MV – und nicht an das Innenministerium – gewandt. In einer für den internen Gebrauch bestimmten, jedoch nun fälschlicherweise an Kasowski geleiteten E-Mail des wohl von den Anfragen genervten Caffier- Mitarbeiters heißt es: „Am We (Wochenende, d. Red.) fahre ich mal nach Wolgast und therapiere den krankenTypen auf meine Weise“.

Zwar, so räumt Kasowski ein, habe sich der Mitarbeiter – ein Kriminalkommissar – erst für die fehlgeleitete E-Mail und später auch für deren Inhalt entschuldigt. Dennoch will der Diplomingenieur für Landmaschinentechnik, der selbst von depressiven Schüben betroffen ist, die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Denn: Die Äußerung „kranker Typ“ sei beleidigend, da sie dem Gegenüber den Respekt als gleichwertige Rechtsperson aberkenne.

„Weiterhin“, so heiße es laut Kasowski in der Klageschrift, „konnte der Kläger auf Grund der Ausführung ,Am We fahre ich mal nach Wolgast und therapiere den krankenTypen auf meine Weise’ davon ausgehen, dass der Beklagte ihm körperliches und psychisches Leid antun wollte.“ Der Mitarbeiter, so Kasowski, habe gewusst, dass er unter Depressionen leide. „Und der Inhalt seiner E-Mail hat mich wirklich in den Keller gehauen“, erklärt der auf Medikamente angewiesene Wolgaster. Er habe einen Bereitschaftsarzt aufsuchen müssen. Unter anderem hätten sich akute Angstbeschwerden, Schlafstörungen und innere Unruhe verstärkt eingestellt. „Ich habe Spritzen bekommen, meine Antidepressiva wurden verdoppelt und ich musste mehrfach zum Arzt.“

Mit seinem eigentlichen Anliegen kam Kasowski erst in dieser Woche weiter. Am Montag saßen er und seine Frau Christina mit Wolgasts Bürgermeister Stefan Weigler (parteilos), einer Vertreterin des Landkreises und Jan Holze von der Stiftung für Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement in MV in Wolgast zusammen. „Mir wurde zugesagt sich dafür einzusetzen, dass die Voraussetzungen einer finanziellen Förderung seitens der Krankenkassen gelockert beziehungsweise angepasst werden“, sagt er. Auch der Landkreis wolle die Arbeit der Selbsthilfegruppe fördern. Dass die Stadt Wolgast dies seit jeher tue und künftig vermeiden wolle, das Kasowski finanziell in Vorleistung gehen muss, freut den Wolgaster: „Das sind seit Januar die ersten Schritte, die wirklich förderlich für unsere Arbeit sind.“

Selbsthilfegruppe „Angst und Depressionen“

Jens-Uwe und Christina Kasowski stehen als Organisator und gute Seele einer Selbsthilfegruppe vor, bei der es um psychische Erkrankungen geht. Die Gruppe existiert seit 1997 und trifft sich regelmäßig in der Wolgaster St.-Jürgen-Kapelle. „Vor allem, um miteinander zu reden. Denn das kann helfen, sich von Depression und Angst nicht unterkriegen zu lassen“, schildert der Gründer der Gruppe. Vieles gehe übers Telefon, mitunter mitten in der Nacht. Im Schnitt gehören 15 bis 20 Personen zwischen 20 und 65 Jahren der lockeren Verbindung an, die auch für ein Freizeitprogramm sorgt: Spaziergänge, Schiffstouren und Wandern ermöglichen es den Patienten, soziale Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen anderer kennenzulernen.

Tom Schröter

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