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Kreis will Reittourismus fördern

Vorpommern-Greifswald Kreis will Reittourismus fördern

Vorpommern- Greifswald soll für Pferdefreunde attraktiver werden. Eine Studie sagt jetzt ein großes Potential voraus

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Reiten am Strand: Wer einmal diese Erfahrung sammelte, kommt immer wieder, berichtet Unternehmerin Petra Brauns aus Lubmin.

Quelle: Foto: Privat

Vorpommern-Greifswald. Helm auf und rein in den Sattel: Tagesausritte am Strand und auf Waldwegen oder Kutschfahrten erfreuen sich in Vorpommern-Greifswald zunehmender Beliebtheit. Petra Brauns aus Lubmin kann es selbst kaum glauben, welche Entwicklung ihr Reiterhof „Ostseesattel“ nahm. „Als mein Mann Hans-Joachim 2005 anfing, hatten wir gerade mal ein Pony im Stall. Heute besitzen wir zwölf Pferde“, sagt die 55-jährige Trainerin, die auch therapeutisches Reiten anbietet.

OZ-Bild

Vorpommern- Greifswald soll für Pferdefreunde attraktiver werden. Eine Studie sagt jetzt ein großes Potential voraus

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Pferdeland MV

5800 Kilometer Reit- und Fahrwege gibt es laut Landwirtschaftsministerium in MV. Das Landeswaldgesetz erlaubt das Reiten und Fahren mit Gespannen im Wald nur auf dafür ausgewiesenen Wegen und Plätzen. Im Netzwerk sind neben den reinen Reittourismusanbietern auch Pensionen oder Gasthöfe mit Kapazitäten für die Pferderast willkommen sowie private Reiter und Vereine.

www.kreis-vg.de/tourismus/reittourismus

Die Brauns sind bei weitem nicht die Einzigen in unserer Region, die das wachsende Interesse in diesem Bereich spüren. Das findet seinen Widerhall auch in der neuesten Pferdetourismusstudie (siehe Beitrag unten). „Demnach wird Mecklenburg-Vorpommern das größte Wachstum an Pferdeurlaubern deutschlandweit vorausgesagt“, berichtet Kathrin Scheiba, bis Ende des vergangenen Jahres Netzwerkkoordinatorin für Reittourismus in Vorpommern-Greifswald. Diese Stelle hatte der Kreis im Juni 2017 mit Hilfe eines EU-Projektes neu geschaffen. Denn das touristische wie wirtschaftliche Potential dieser Branche für unseren Landstrich wurde längst erkannt. Doch vieles liege noch im Argen, so der zuständige Dezernent Jörg Hasselmann (CDU). Das Reitwegenetz sei lückenhaft, die Unterhaltung vorhandener Routen unbefriedigend oder gar ungeklärt, die Zusammenarbeit der Akteure ausbaufähig. Zudem gelte es, einvernehmliche Regelungen mit Land- und Waldbesitzern sowie Forstbehörden zu finden. „Und schließlich brauchen wir auch Lösungen für die Finanzierung“, so Hasselmann.

Ziel muss es deshalb sein, so Scheiba, „die reittouristische Infrastruktur zu verbessern und digital erlebbar zu machen“, sagt die 34-jährige Tourismus- und Regionalentwicklungsmanagerin, die jetzt allerdings in einem anderen Bereich tätig ist. Die Stelle wurde neu ausgeschrieben. Im ersten halben Jahr habe sie zunächst versucht, die Situation zu analysieren und mit vielen Akteuren, Forstleuten und Landbesitzern Kontakt aufzubauen. Höhepunkt war im November die Auftaktkonferenz „Netzwerk Reittourismus“ mit fast 100 Gästen in Anklam.

Bei einigen Partnern, wie etwa Anja Debniak in Neuendorf auf der Halbinsel Gnitz, lief Scheiba offene Türen ein. Die gelernte Hotelfachfrau betreibt seit 2003 einen Hofladen und erwarb – ermutigt von Urlaubern – ein Pferd nach dem anderen. „Heute habe ich acht eigene und zwei Einställer“, sagt die 42-Jährige mit Stolz, deren Partner Axel Schwenn Schafe, Rinder und Schweine züchtet. Sie biete Ponyreiten und geführte Ausritte an. Doch das gefalle nicht jedem. Liegt es an der vermeintlichen Ruhestörung ländlicher Idylle?

Der Versuch jedenfalls, ein Reitwegenetz auf dem Gnitz zu gestalten, sei bislang fehlgeschlagen. „Dabei möchte ich es doch nicht für mich allein. In der Gegend gibt es ja einige Reiterhöfe“, sagt Debniak, die auf Unterstützung hofft.

Wie sie hat sich auch der Anklamer Lutz Möhr, lange Jahre selbst Reittourist, in die Internetliste der interessierten Akteure eingetragen. „Dieses Netzwerk ist Klasse“, sagt der 54-jährige Elektronikingenieur. Seine Liebe zu Pferden habe er vor über 20 Jahren in Bayern entdeckt. Jetzt, in die Heimat zurückgekehrt und die Pension seiner Mutter in Anklam mitsamt zwölf Hektar Land übernommen, würde er gern auch auf Reiturlauber setzen. „Das Potential unserer Region ist riesig. Vor allem die Kombinationsmöglichkeiten mit dem Rad, dem Kanu und anderen Aktivitäten bieten große Chancen“, ist Möhr überzeugt. Doch noch gebe es Hürden zu überwinden. Seine Pension habe keine Zuwegung zu Reitwegen. Beim Wegenetz in und um Anklam gebe es großen Handlungsbedarf. Und außerdem müsse er selbst noch in den Hof investieren, um gezielt Pferdefreunde anzulocken. Die ersten seien immerhin trotzdem schon eingekehrt.

Scheiba weiß um die Sorgen der Akteure. Das Landesreitrecht, das nur auf ausgewiesenen Wegen das Reiten erlaubt, mache die Situation nicht gerade einfach. Andere Länder, wie Bayern oder Sachsen, hätten liberalere Regeln. In MV hingegen seien Wald-, Wander- und Radwege für Reiter tabu. „Mancherorts werden sie von der Forst geduldet. Wo kein Kläger, da kein Richter. Doch grundsätzlich gilt:

Wege ausweisen kann nur der Kreis im Einvernehmen mit der Forst und Gemeinden“, sagt sie. Vorreiter sei hier das Amt Usedom Süd, wo bereits fast alle Kommunen entsprechende Beschlüsse gefasst haben.

In Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD), selbst Reiter, haben die Pferdefreunde in ihren Bestrebungen einen Unterstützer. Lücken im vorpommerschen Reitwegenetz sollten unbedingt geschlossen werden, betonte er auf der Konferenz in Anklam. Ob das aber auch bedeutet, die Waldwege generell für den Pferdetourismus freizugeben, wie es Brandenburg entschieden hat, ließ er bislang offen.

Petra Hase

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