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00:00 10.09.2013
Neu Boltenhagen

Diese Auszeichnungen! Auf den ersten Blick sind sie kaum zu erfassen. Mehr als 1600 nennt Nick Spiegelmacher sein Eigen: Abzeichen, Medaillen und Orden der DDR. Es ist nur ein Bruchteil dessen, was im „Arbeiter-und-Bauern-Staat“ verliehen wurde. Dort fand sich kaum jemand, dem keine Ehrung zuteil wurde, und wenn's der Goldene Schneemann war, ein Wintersportabzeichen für junge Schüler.

„Schneemann? Hab‘ ich“, sagt Nick Spiegelmacher ohne zu zögern. „In Gold, Silber und Bronze.“ Mit dem Schneemann habe er seine Sammlung von Auszeichnungen der DDR vor Jahren begründet. Inzwischen weiß der junge Mann aus Neu Boltenhagen nicht mehr zu sagen, wieviele Plaketten, Anstecknadeln, Aufnäher, Ehrenzeichen und so weiter er genau besitzt. Statistisch gesehen soll jeder DDR-Bürger im Laufe des Lebens zehn Auszeichnungen erhalten haben. Da dürfte noch manches in irgendwelchen Kisten oder Schränken schlummern. Gut für Nick Spiegelmacher, der solche Dinge zu schätzen weiß. Und das, obgleich er noch gar nicht auf der Welt war, als die DDR den Bach runterging.

Mit 19 auf dem Ostalgietrip? Auf Spiegelmacher trifft das wohl zu. Gemeinsam mit seinem Vater trug er Gegenstände zusammen, die von der DDR übiggeblieben sind. Originalverpackte „Waren des täglichen Bedarfs“ etwa. Uniformen der Nationalen Volksarmee und der Grenztruppen. Blusen, Halstücher, Wimpel und Fahnen der Pionierorganisation, Hemden der Jugendorganisation FDJ... Auch Maskottchen wie das der Leipziger Handelsmesse: ein Männchen mit übergroßem Kopf in Gestalt eines Globus. Es trägt einen blauen Hut und einen blauen Anzug, in der linken Hand steckt ein Koffer. Mehr als 30 Jahre lang warb es für die seinerzeit weltbekannte Messe. 400 000 Exemplare kamen auf den Markt. Eins steht nun in Neu Boltenhagen. Hier haben die Spiegelmachers im vergangenen Jahr das kleinste DDR-Museum Mecklenburg-Vorpommerns eröffnet. Die Gemeinde überließ ihnen einen 36 Quadratmeter großen Raum im Kulturhaus. Dort kann man einen Teil dessen besichtigen, was das Duo im Laufe der Zeit ansammelte.

Auf Flohmärkten und im Internet erstanden Vater und vor allem Sohn so manche Rarität. Etwa die komplette Uniform eines Generalmajors der DDR-Grenztruppen. „1500 Euro hat die mich gekostet“, verrät Nick Spiegelmacher, zurzeit noch Auszubildender bei den Energiewerken Nord. Etwas preiswerter sei die Ausgehuniform eines Generals der Landstreitkräfte gewesen.

Kaum bezogen, war der Raum im Neu Boltenhagener Kulturhaus schon wieder zu eng: „Wir haben so viel, das können wir hier gar nicht alles zeigen“, sagt Nick Spiegelmacher. Am liebsten würde er in eine größere Räumlichkeit umziehen. Die aber gibt es in Neu Boltenhagen nicht, weshalb sich die Spiegelmachers schon mal in Lubmin umhorchten. „Mehr als 100 Euro im Monat sollte das neue Domizil nicht kosten“, macht der Junior deutlich. Schließlich bringe das kleine Museum so gut wie nichts ein. Aufgeben will Nick Spiegelmacher sein Hobby deshalb auf keinen Fall. „Ich sehe mich noch mit 60 zwischen all diesen Dingen.“

Bis dahin besitzt er womöglich sämtliche Abzeichen, Orden und Medaillen, die die DDR einst verlieh. Tausende sollen es gewesen sein. Spektakulär findet das Nick Spiegelmacher. Jedes Abzeichen stehe schließlich für eine Würdigung, die es in diesem Ausmaß heute nicht mehr gebe.

Kontakt: ☎ 0152 / 52 63 51 18 oder

ddr-abzeichen-museum@t-online.de
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Sven Jeske

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