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„Die Chorkonzerte sind mein Leben“

„Die Chorkonzerte sind mein Leben“

Der Kirchenmusiker Clemens Kolkwitz und der Usedomer Kantatenchor – eine meisterhafte Liaison

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Einer der liebsten Plätze von Clemens Kolkwitz ist der am Klavier. Musik und Konzerte sind seine Bestimmung, darin geht er auf.

Quelle: St. Adler

Wolgast Sein Herz geht auf, wenn Clemens Kolkwitz (66) über die Kirchenchöre von Benz und Koserow – zusammen der Usedomer Kantatenchor – spricht. Die Konzerte in den Kirchen beider Inselorte sind inzwischen fast schon Legende. Nimmt man die Baltische Kammerphilharmonie und die wechselnden Solisten hinzu, hat sich hier, in der musikalischen Diaspora, etwas ganz Außergewöhnliches entwickelt.

Herr Kolkwitz, das „Requiem von Mozart“ und dazu sein Klarinettenkonzert wurden am vergangenen Wochenende wahrlich lautstark umjubelt und Sie mit Bravo-Rufen überschüttet. Wie geht es Ihnen dabei?

Clemens Kolkwitz: Ich bin glücklich, wenn ich sehe, wie die Zuhörer strahlen, wie sie regungslos verharren, manche weinen sogar, und der Applaus ist ein symbolisches Dankeschön für eine große Leistung aller Beteiligten. Das fasziniert mich.

Wie kommt es Ihrer Meinung nach, dass die von Ihnen geleiteten großen Konzerte den Menschen so ans Herz gehen?

Kolkwitz: Wissen Sie, auch der Laie spürt, ob der Klang sauber ist. Und der Chor hat sich in diese Richtung immer weiter entwickelt. Das ist enorm, deshalb muss ich ihn auch besonders hervorheben. Und das, obwohl ich bei den vielen Proben sehr streng bin. Wenn man bei Fehlern nicht einhakt, sofort korrigiert, geht es in die falsche Richtung.

Wie haben Sie selbst das jüngste Konzert erlebt?

Kolkwitz: Die Qualität war schon wirklich sehr gut. Entsprechend begeistert hat ja auch das Publikum in Benz und auch in Koserow reagiert. Wobei kaum jemand weiß, welche 1000 kleinen Dinge neben dem Künstlerischen zu beachten sind. Und doch geht es vor allem darum, am Ende die klangliche Balance hinzubekommen. Das hat der Chor wunderbar gemacht. Ich war selbst begeistert.

Mit den Danziger Musikern verbindet Sie ja schon eine längere Zusammenarbeit. Wie kommunizieren Sie?

Kolkwitz: Das geht ganz gut auf Englisch. Und zwischen Musikern funktioniert ja sowieso manches einfacher. Die Baltische Kammerphilharmonie ist übrigens ein Orchester von europäischem Rang, das gerade auf USA-Tournee war. Miteinander in einer kleinen Kirche Mozart aufzuführen, das ist etwas Einzigartiges. Daraus schöpfe ich auch neuen Mut.

Man hat das Gefühl, dass Sie in diesen Konzerten aufgehen ...

Kolkwitz: Die Chorkonzerte sind das Wichtigste in meinem Leben, da stecke ich so viel Herzblut hinein, wie nur irgend geht. Wenn am Schluss alles passt, nicht zu vergessen die finanzielle Absicherung – wir bieten ja freien Eintritt und bitten um Spenden –, dann fällt auch eine große Last ab. Die Erwartungshaltung ist ja inzwischen groß, wenn wir auftreten.

Ihr Kantatenchor ist eine Mischung von Jung und Alt, Erfahrung und Frische, Männern und Frauen von sonst woher ...

Kolkwitz: Genau. Die Laiensänger kommen von der Insel, aus Wolgast, Lassan, Klein Jasedow. Und sie tun das mit großer Begeisterung und eigenem Engagement, auch Ehrgeiz. Manche nehmen sogar Gesangsunterricht, um den Anforderungen gerecht zu werden.

Könnte es sein, dass sie auch die familiäre Atmosphäre schätzen, die bei den Proben und rund um die Aufführungen herrscht?

Kolkwitz: Natürlich, bei aller Ernsthaftigkeit soll es ja Spaß machen zu singen und zu musizieren. Deshalb sollte es zwischen uns auch menschlich stimmen. Und die Mails, die ich zum Beispiel nach dem Mozart-Requiem bekommen habe, die zeigen, dass das so ist.

Der Kantatenchor ist ja längst nicht alles, was Sie musikalisch bewegen....

Kolkwitz: Das stimmt, ich bin jeden Abend in der Woche unterwegs, leite die Kirchchöre in Ziethen, Zinnowitz und den der katholischen Gemeinde Wolgast. Und freitags mache ich Jazz.

Ihr nächstes größeres Projekt mit den Benzer und Koserower Sängern ist welches?

Kolkwitz: Das wird kurz vor Weihnachten am 17. Dezember die Aufführung der „Geburt Christi“ von Heinrich von Herzogenberg sein. Das haben wir schon zweimal gemacht, das ist sehr volkstümlich. Und die Leute mögen es. Nach den Sommer-Schulferien beginnen bereits die Proben dafür. Ich freue mich schon darauf.

Biografisches

Clemens Kolkwitz (66) ist in Leipzig geboren und in Berlin aufgewachsen. Zunächst studierte er am Weimarer Bauhaus Architektur. Es folgte, mit Diplom, eine vierjährige Arbeitszeit im Greifswalder Büro für Stadtplanung.

Sein Wandel im Leben und Beruf kulminierte im Studium der Kirchenmusik an der Greifswalder Universität. Aus der Architektur sind ihm bis heute die Freihandzeichnungen geblieben. Damit war er auch regelmäßig in der OZ.

Seine erste Stelle als Kantor führte ihn an die Wolgaster Petrikirche und -gemeinde. Danach begann er, freiberuflich zu arbeiten, was er inzwischen erfolgreich seit 14 Jahren tut.

Kolkwitz betreut zahlreiche Chöre auf Honorarbasis. Musikalische Höhepunkte sind jährlich die großen Oratorien in Benz und Koserow.

Interview von Steffen Adler

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