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Usedom Dieses Kino ist älter als die meisten Filmstars
Vorpommern Usedom Dieses Kino ist älter als die meisten Filmstars
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03:49 29.08.2013
So sah der Kinosaal aus, als die Regina-Lichtspiele vor 75 Jahren in Zinnowitz eröffnet wurden. Quelle: privat

Keine Geburtstagstorte, keine Girlanden und schon gar keine Partygäste. Im Zinnowitzer Club Kino ist es wie immer — es riecht nach Popcorn, Filmplakate hängen an der Wand und der Chef des Hauses, Michael Hoppach, verkauft die Tickets.

Dabei hätte der Zinnowitzer eigentlich Grund zum Feiern, denn das Kino in der Neuen Strandstraße im Ostseebad wird in diesem Monat 75 Jahre alt. So wie jüngst der deutsche Schauspieler Götz George.

Während der zurückgezogen mit Freunden feierte, lässt Hoppach das Jubiläum Jubiläum sein.

„Mir fiel nicht so recht etwas ein, das Tagesgeschäft muss ja auch weitergehen“, sagt der 47-Jährige, der seinem Haus zur Feier dennoch etwas gönnte. Für rund 30 000 Euro hat er den kleinen Kinosaal im Sommer renovieren lassen. 40 Besucher finden nun in gemütlichen Polstersesseln Platz, Wände und Decke wurde auch erneuert. Nach dem Einbau der 3D-Technik im vergangenen Jahr sieht Hoppach erst einmal keinen Bedarf mehr für Investitionen.

Zeit genug, um den Film einmal zurückzuspulen. Ein Swinemünder eröffnete im Sommer 1938 die Regina-Lichtspiele in dem Haus. Knapp 300 Plätze gab es damals. Gut für den Ort, denn einige Jahre zuvor wurden mit „Lichtspiele Kaiser-Kaffee“ und „Ostsee-Lichtspiele“ zwei Kinos geschlossen. „In den 1930er Jahren gab es in fast jedem Badeort ein Kino oder einen Kinosaal mit mindestens 100 Plätzen“, sagt Hoppach, der sich mit der Geschichte der Lichtspielhäuser auf Usedom beschäftigt hat. „Irgendwann in den 1960er Jahren wurde aus dem Haus das ,Theater der Freundschaft‘“, sagt der Zinnowitzer, dessen Vater nach dem Krieg — wie sollte es auch anders sein — Filmvorführer war. „Und Leiter der Kreis-Filmstelle Wolgast“, fügt Hoppach hinzu. Von dort aus wurde das Kino zu DDR-Zeiten betrieben.

Der Zulauf sei gut gewesen — kein Wunder, bei Preisen zwischen 25 Pfennig und 2,50 Mark. Der 1986 geplante Umbau des Kinos sei aber ins Stocken geraten, so dass erst im März 1990 das Club Kino eingeweiht werden konnte.

Im Sommer 1991 wurde aus dem Elektroinstallateur Hoppach ein Kinobesitzer — er erwarb zunächst das gesamte Inventar. Zwei Jahre später kaufte er von der Gemeinde die Immobilie und eröffnete 1995 einen zweiten Kinosaal. „Ich war so bei der Filmauswahl flexibler“, meint der Zinnowitzer. Und Filme hat er in all den Jahren viele gesehen. Drängten nach der Wende eher Action-Helden aus dem Westen wie Bruce Willis und Sylvester Stallone auf die ostdeutschen Leinwände, so sind es jetzt vor allem Familienfilme, die die Kinobesucher anlocken. Durchschnittlich 50 000 Gäste sind es im Jahr.

„Mal mehr, mal weniger“, so Hoppach. Mehr waren es sicher in dem Jahr, als die „Titanic“ alle Rekorde brach und wochenlang die Kinocharts anführte. „,Good Bye, Lenin!‘ und ,Ziemlich beste Freunde‘

waren auch Langläufer“, erinnert sich der Inhaber. Ob das Haus als Kino die 100 schafft, weiß Hoppach nicht. „Schauen Sie sich doch um. Ich bin auf Usedom das letzte Kino, das ganzjährig geöffnet hat. Die Videotheken habe ich überlebt. Ich denke, dass das Geschäft noch lange geht.“

Und der Film „Good Bye, Hoppach!“ nie in die Kinos kommt!

Viele Kinos an der Küste
In den 1920er und 1930er Jahren gab es in der Region die meisten Kinos. Hier eine kleine Auswahl:

Bansin: Ostsee-Lichtspiele, Filmeck

Ahlbeck: Autokino, Klubkino HdE, Kurhaus-Lichtspiele, Ahlbecker Lichtspiele, Ostsee-Lichtspiele, Strandkasino-Lichtspiele und Strandlichtspiele.

Heringsdorf: Atlantic-Lichtspiele, Seebrücke, Kinobar Strandidyll, Kur-Lichtspiele und Lichtspiele Schmidts Hotel.

Koserow: Lichtspiele Deutsches Haus, Ostsee-Lichtspiele, Sommerkino und Autokino (noch in Betrieb).

Ückeritz: Ostsee-Lichtspiele, Sommerkino, Cinema-Café

Wolgast: Capitol-Lichtspiele, Deutsches Lichtspielhaus, Lichtspiele Konzerthaus

allekinos.pytalhost.com/kinowiki

Henrik Nitzsche

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