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Ein echter Mandela und viel Richter

Heringsdorf Ein echter Mandela und viel Richter

Nils Burwitz zeigt in der Heringsdorfer „Villa Irmgard“ Portraits von Künstlern, Autoren und Politikern

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Nils Burwitz zeigt ein Porträt von Hans-Werner Richter. Im Hintergrund sein neuestes Werk: Blick auf den Golm. Fotos (4): Henrik Nitzsche

Heringsdorf. Er traf Südafrikas Nationalheld Nelson Mandela, lauschte Günter Grass und Sir Peter Ustinov bei Lesungen und zeichnete vier spanisch- und englischsprachige Autoren, die später den Literaturnobelpreis bekamen. Nils Burwitz, gebürtiger Swinemünder, der heute auf Mallorca lebt, ist ein freischaffender Künstler. Selbst mehrfach preisgekrönt ist er bescheiden geblieben. Man sieht ihm die Freude an, als wir ihn in der Veranda der Heringsdorfer „Villa Irmgard“ bei Sonnenschein treffen. Der 75-Jährige ist in seine erste Heimat zurückgekehrt. Und das nicht mit leeren Händen, sondern mit einer beeindruckenden Ausstellung. „Bilder im Wechselblick“ heißt die Schau aus Anlass der Usedomer Literaturtage, die in großformatigen Porträts und kleinen Skizzen Menschen zeigt, die Geschichte geschrieben haben. Im Mittelpunkt seines bildnerischen Schaffens steht stets der Mensch in seiner unfassbaren Vielfalt.

OZ-Bild

Nils Burwitz zeigt in der Heringsdorfer „Villa Irmgard“ Portraits von Künstlern, Autoren und Politikern

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Hervorzuheben ist das Vexierbild mit den Profilen von Winnie und Nelson Mandela. Es ist das letzte Dokument, das von beiden gemeinsam signiert wurde. „Am Tag darauf beantragten sie die Scheidung“, sagt Burwitz, der 17 Jahre mit seiner Familie in Südafrika lebte. „Für mich ist er einer der letzten Staatsmänner. Er hat es geschafft, in 27 Jahren sich selbst die perfekte Versöhnung beizubringen und so seine rachesüchtigen Kollegen umschwenken zu lassen“, so der Mallorquiner über Mandela, der wegen seiner Aktivitäten gegen die Apartheidspolitik von 1963 bis 1990 in Haft war.

Mitgebracht hat Nils Burwitz aber auch Porträts von Carlos Fuentes, dem größten Vertreter der zeitgenössischen mexikanischen Literatur oder Nadine Gordimer, eine der bekanntesten südafrikanischen Schriftstellerinnen. Doch Burwitz, der 1976 mit seiner Familie nach Spanien auswanderte, hat trotz der Distanz seine Wurzeln nie vergessen. Als Fünfjähriger erlebte er 1945 den schrecklichen Bombenangriff auf Swinemünde. „Vor sieben Jahren stand ich auf der Gedenkstätte Golm in Kamminke und dachte mir, hier hättest du auch liegen können.“ Auf dem Golm hat er viele Fotos gemacht und diese nun mit einem Bild verarbeitet, das ebenfalls in der „Villa Irmgard“ gezeigt wird. Auf der rechten Seite ist die Landschaft in Rot gehalten — sie steht für den Schmerz und die Erbarmungslosigkeit.

Die linke Bildhälfte beschreibt die Hoffnung und Befriedung. Und was viele vielleicht gar nicht wissen — von dem 75-Jährigen hängt bereits seit langer Zeit in Bansin ein Porträt von Hans-Werner Richter, dem künstlerischen Sohn Bansins. Den Autor, Literaten und Initiator der Schriftstellervereinigung „Gruppe 47“ traf Nils Burwitz 1988 auf Mallorca.

Von Treffen mit Großen könnte er stundenlang erzählen. Im Stillen nähert er sich oftmals den meisten — „ich skizziere sie beispielsweise bei Lesungen, da sind sie in ihrem höchsten geistigen Augenblick.“ Klar, dass sich Nils Burwitz heute auf Donna Leon und morgen auf Martin Walser freut.

Ausstellungseröffnung am 9. April um 16 Uhr in der „Villa Irmgard“

Geöffnet: außer montags 12 bis 16 Uhr

Zur Person

1940 wurde Nils Burwitz in Swinemünde geboren. 1958 wanderte er nach Südafrika aus, wo er 1963 an der Witwatersrand-Universität promovierte. Mit einem Stipendium studierte er Kunst in England, der Schweiz und in Salzburg.Seit 1976 lebt er mit seiner Frau in Valldemossa auf der Insel Mallorca.

In Südafrika arbeitete er intensiv mit Architekten, Komponisten, Dichtern und Dramaturgen zusammen und unterrichtete an seiner Alma Mater, im Dorkey House, Johannesburg, und in Soweto. Seine Arbeiten wurden in Brasilien, England, Frankreich, Irland, Japan, Südafrika, Spanien und den USA preisgekrönt und unter anderem von der Albertina (Wien), dem Albertinum (Dresden), den Bibliotheken von Boston, Buffalo und New York, der Kunsthalle in Hamburg und dem Albert Museum in London angekauft.

Von Henrik Nitzsche

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