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Erlebnis in Ahlbeck: Musizieren als Passion

Ahlbeck Erlebnis in Ahlbeck: Musizieren als Passion

„Notos“ nannten die alten Griechen einen ihrer zahlreichen, sehr unterschiedlich charakterisierten Winde, verehrt als Gott und – noch heute zu besichtigen – in Athens ...

Ahlbeck. „Notos“ nannten die alten Griechen einen ihrer zahlreichen, sehr unterschiedlich charakterisierten Winde, verehrt als Gott und – noch heute zu besichtigen – in Athens berühmtem „Turm der Winde“ als Jüngling in Stein gemeißelt. „Notos“, der feuchte, sanfte, auch mal stürmische, Nebel bringende und der Gesundheit nicht immer zuträgliche (!) Südwind! Er muss – falls involviert – im Rahmen des Usedomer Musikfestivals jetzt sehr gute Laune gehabt haben, denn beim Konzert des Notos-Klavierquartetts in Ahlbecks Evangelischer Kirche konnte von Einbußen an Wohlbefinden keine Rede sein. Im Gegenteil! Programm wie Ausführung wären geradezu als Therapeutikum und geistiger Jungbrunnen zu empfehlen gewesen.

Wie auch nicht, wenn ein mit Preisen und Lobeshymnen überschüttetes Ensemble mit packend direkter, Geist wie Gemüt erfassender Gestaltungskraft die große Kunst kammermusikalischen Gemeinschaftsspiels demonstriert. Da muss man ein in seiner Tiefenwirkung grandioses Musizieren konstatieren und von einer Interpretation sprechen, die als „Klangrede“ von stärkster Eindringlichkeit und überquellender Mitteilungsdichte ist. Und das schon bei Mozart, der mit seinem Es-Dur- Quartett KV 493 und eben jenen Charakteristika einer die gängige bürgerliche Gesellschaftskunst verlassenden Sprache seine Zeitgenossen überforderte.

Um wie viel stärker dann bei Gabriel Fauré, der deutsche klassische Traditionen mit französischem Geist genial kombiniert und dem das Ensemble im c-Moll-Quartett op. 15 (1876/79) klanglich faszinierende Leuchtkraft und den ganzen Reiz feinster struktureller Gestaltung verlieh. Aktuell dann der thematische Bezug zum Dänen Vagn Holmboe (1909-1996). Dessen zweisätzige „Ballata“ für Klavierquartett op. 159 (1984) erwies sich als ganz spannende, oft klangkompakte und leidenschaftlich erregte „Rede“, der man in ihrer moderat modernen tonalen Ungebundenheit und gestisch mitreißenden Prägnanz zu starker Wirkung verhalf. Musizieren als Passion – Schöneres kann es kaum geben.

Ekkehard Ochs

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