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Geschichten über Nächstenliebe, Tod und Terrorismus

8. Usedomer Literaturtage: Lesung in der Ahlbecker Europaschule Geschichten über Nächstenliebe, Tod und Terrorismus

In Ahlbeck lasen Usedoms Nachwuchspoeten eigene Gedichte und Kurzgeschichten / Mit Unterstützung der Autorin Paulina Schulz wagten sich die Schüler auch an düstere Themen

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Sie eröffneten die Lesung der Nachwuchsliteraten: Jule Gürgens und Pauline Wolff. Gemeinsam näherten sich die Schülerinnen dem Thema (Nächsten)Liebe essayistisch. Foto (2): Kay Steinke

Heringsdorf. Terrorismus, Suizid und (Nächsten)Liebe. Gestern hat sich der literarische Nachwuchs der Insel auf den 3. Jungen Usedomer Literaturtagen in Ahlbeck präsentiert.

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In Ahlbeck lasen Usedoms Nachwuchspoeten eigene Gedichte und Kurzgeschichten / Mit Unterstützung der Autorin Paulina Schulz wagten sich die Schüler auch an düstere Themen

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Rund 20 Schüler der 11. Klasse der Europäischen Gesamtschule wagten sich gleich an die großen und düsteren Erzählstoffe — ähnlich wie einige ihrer literarischen Vorbilder der 8. Usedomer Literaturtage. Für das Erarbeiten der eigenen Texte hatten die Jugendlichen nur zwei Doppelstunden. Unterstützt wurden sie von der Deutschlehrerin Peggy Wenisch und der Stralsunder Autorin Paulina Schulz.

Für das Publikum hat sich die Lesung gelohnt. Geboten wurde eine bunte Mischung aus Gedichten, Kurzgeschichten, essayistischer Prosa und politischen Dialogen. „Es gab keine Zensur“, erklärt Paulina Schulz. „Die Texte sollten die authentische Stimme der Jugendlichen behalten.“ Die Geschichten sollten aus den jungen Leuten heraussprudeln. In den Doppelstunden gab es neben Genreberatung nur noch etwas Lektorat und die Vorbereitung der Lesung. „Die Vielfalt der Texte war erstaunlich“, sagt Schulz. „Sie wurden von ihrer Lehrerin bereits gut vorbereitet.“ Wie jedes Jahr seien auch 2016 wieder einige Talente unter den Nachwuchsautoren gewesen. „Ich habe ein gutes Gesichtergedächtnis“, sagt Paulina Schulz. „In ein paar Jahren werde ich den einen oder anderen wiedersehen, auf irgendwelchen Poetry-Slambühnen.“

Von den modernen Dichterbühnen ist auch Mary-Ann Jacoby begeistert. Die 16-Jährige lies eines ihrer Gedichte anonymisiert von einem anderen Schüler. Denn: Einerseits war die Aufregung unter den Schülern durch die prominenten Zuschauer wie dem Intendanten Thomas Hummel und dem Bürgermeister Lars Petersen recht groß, andererseits beinhalteten viele der Geschichten persönliche Referenzen aus den Leben der Jugendlichen. „Ich finde es cool, wie auf der Dichternacht mit den Wörtern jongliert wird“, sagt Jacoby. „Das habe ich auch versucht. So ausgefeilt sind meine Sätze aber noch nicht.“

Johannes Golz (17), Patrick Schmidt (17) und Justin Bahr (18) trauten sich sogar an eine politische Dialogszene heran. „Zum Thema Nächstenliebe ist uns Religion eingefallen“, sagt Golz. „Dazu wollten wir was machen.“ Der beste Schreiber der Clique hätte geschrieben, die anderen hätten ihre Ideen verbal eingebracht. Dabei sei ihnen die Darstellungen eines Konfliktes zwischen gläubigen und ungläubigen Jugendlichen wichtig gewesen. „Man muss auch über Terrorismus sprechen können“, sagt Golz. „Nicht jeder, der den islamischen Glauben hat, ist ein Terrorist.“ Eine Lesung sei dabei eine gute Plattform, um mit den Mitschülern das Themen aufgreifen zu können. Auch die Arbeit mit der „Schreibexpertin Schulz“ sei für die Jungs wichtig gewesen. „Wir wollten erst eine Kurzgeschichte verfassen“, sagt Golz. „Sie hat uns davon überzeugt, dass ein Dialog die bessere Form ist.“

„Es ist immer noch eine andere Nummer, sich allein vor das Publikum zu stellen“, sagt Jule Gürgens aus Bansin. Deswegen hätte die 16-Jährige auch mit Pauline Wolff (17) aus Ahlbeck zusammengearbeitet. Gemeinsam eröffneten sie die Lesung der Nachwuchsliteraten — mit einem essayistischen Stück zum diesjährigen Thema (Nächsten)Liebe. „Eigentlich haben wir keine Lieblingsautoren“, sagt Jule Gürgens. „Aber jetzt, wo wir selbst eine Lesung von der Bühne aus erlebt haben, müssten wir uns das Festival mal genauer angucken.“

Dörte Hansen erhält Literaturpreis

Ihr Debütroman „Altes Land“ ist ein Geniestreich! Nun erhält die gebürtige Husumerin, Dörte Hansen (51) dafür den Usedomer Literaturpreis 2016. Die Jury (Laura Karasek, Dr. Manfred Osten, Dr. Andreas Kossert) würdigt „diese besondere Erzählung deutscher Nachkriegsgeschichte über mehrere Generationen“. Dörte Hansen habe einen modernen Heimatroman geschrieben, „der die gesamte Gebrochenheit dieses Begriffs (der Heimat) im Spiegel mehrerer Familien zeigt: Flüchtlinge und Einheimische“. Sie zeige, dass viele Millionen Deutsche zu Heimatlosen geworden seien, die in der Fremde — im Alten Land — nicht willkommen gewesen wären. Der Roman führe die Leser auf eine Zeitreise durch das Deutschland von 1945 bis heute, „fein beobachtet, mit großer Ironie und trockenem Humor“. Ungewollt sei ihr Buch daher angesichts heutiger Flüchtlinge erschütternd aktuell. Dörte Hansen habe sich damit in herausragender Weise um den europäischen Dialog verdient gemacht. Der Usedomer Literaturpreis ist mit 5000 Euro dotiert und mit einem einmonatigen Arbeitsaufenthalt auf der Insel Usedom verbunden.

Dörte Hansen, 1964 in Husum geboren, lebt und arbeitet im Alten Land in der Nähe von Hamburg. Sie ist verheiratet und hat eine 13-jährige Tochter. Von 1984 bis 1991 studierte sie Linguistik, Anglistik, Romanistik und Friesische Philologie an der CAU Kiel. 1994 wurde sie im Rahmen des Graduiertenkollegs „Mehrsprachigkeit und Sprachkontakte“ an der Uni Hamburg promoviert. In der Folge arbeitete Dörte Hansen als Rundfunkautorin für den NDR, WDR, SWR, HR und DLF sowie für Printmedien bis 2008. Bis 2012 war sie Redakteurin der Kulturredaktion von NDR Info. Seit zwei Jahren arbeitet sie als freie Autorin.

Die Preisverleihung findet morgen um 11 Uhr im Romantik Seehotel Esplanade in Heringsdorf statt.

Usedomer Literaturtage: Donna Leon mit Musik

8. April, 15 Uhr: Lesung mit Donna Leon in Heringsdorf: „Kurioses aus Venedig“ im Steigenberger Grandhotel,

19 Uhr Maritim Hotel: Sonderkonzert „Venezianischer Abend auf Usedom“ mit dem Ensemble II Pomo d‘Oro 9. April, 11 Uhr : Im Heringsdorfer Esplanade erfolgt die Preisverleihung an die Autorin Dörte Hansen mit anschließender Lesung, 19 Uhr im Kaiserhof: Lesung mit Martin Walser, „Ein sterbender Mann“

Von Kay Steinke

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