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Usedom Kaminer: Totenacker ist belebtester Ort im Dorf
Vorpommern Usedom Kaminer: Totenacker ist belebtester Ort im Dorf
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03:58 03.09.2013
Ich habe das Wort von einem Mädchen im Dorf aufgeschnappt.“Wladimir Kaminer, Buchautor

Er ist der literarische Kehraus der Sommerreihe „Theater, Musik und Literatur“ im gelben Theater „Die Blechbüchse“ in Zinnowitz: Wladimir Kaminer. Er präsentierte am Sonntag dabei seinen Zuhörern im gelben Theater „Die Blechbüchse“ einige Geschichten aus seinem kürzlich erschienenen Buch „Diesseits von Eden. Neues aus dem Garten“ und das Neueste aus seiner Schreibwerkstatt, das es vermutlich erst im kommenden Jahr zwischen Buchdeckel schaffen wird. Kaminer erzählt seine Geschichten äußerst raffiniert. Da beginnt er seine Friedhofsgeschichte damit, dass der Totenacker der belebteste Ort in seinem Dörfchen sei, leitet dann zu Betrachtungen über, dass hier im Frühling die meisten Menschen sterben, um schließlich über den Tod eines hohen Militärs in der Sowjetunion zu sinnieren, der beim „Sexen“ starb. „Dieses Wort habe ich von einem Mädchen aufgeschnappt“, beteuert er. Und erntet für die Erfindung natürlich herzliche Lacher.

Gerade erst dem Computer entsprungen ist „Solange Merkel lacht“ — deshalb bedankte er sich beim Publikum, dass es an diesem Sonntagabend zu ihm gekommen sei und nicht vor der Glotze das Kanzler-Duell verfolge. Die Geschichte, die er las, handelte vom Besuch Merkels in einer Berliner Schule, wo sie über „die Grausamkeiten der DDR“ berichten wollte. Vietnamesen wunderten sich da schon, denn hatte die DDR nicht ihre Eltern zum Arbeiten eingeladen und ihnen dadurch ein gutes Leben verschafft? Dann beschreibt er, wie seine Kinder auf den Merkel-Besuch reagierten, was sie alles fordern wollen — zum Beispiel besseres Schulessen. Er bescheinigt seinen Kindern tollen Mut, um daraufhin über das Schulessen zu seiner Zeit und das Essen in teuren Restaurants heute sowie Küsse von Breschnew zu schwadronieren.

Das Publikum wünschte sich solche Geschichten. Die Lesungen mit Wladimir Kaminer sind insofern besonders, als dass er immer wieder fragt: Was möchten Sie hören? Was über die Kinder, ja? Er steht mit den Gästen im Dialog. Kaminer vermittelt das Gefühl, man erzähle wie unter Nachbarn — da das Publikum ähnliche Erfahrungen hat, funktioniert diese Art von Miteinander. Übrigens lohnen sich seine Lesungen an der Ostsee auch für ihn literarisch. So hat er herausgefunden, dass es zweierlei Ostsee-Urlauber gibt: Die „nicht eingeweihten Optimisten“, das sind jene, die den Strandkorb in die Sonne drehen und die „unaufgeregten Ostsee-Genießer“, die im Korb warten, bis die Sonne vorbeikommt. Die unaufgeregten Kaminer-Fans warten auch — bis er wieder vorbeikommt. Im nächsten Jahr!

Termin: 31. August 2014, gelbes Theater „Die Blechbüchse“ , Zinnowitz

Claudio Sand

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