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„Malen lernen heißt Sehen lernen“

Usedom „Malen lernen heißt Sehen lernen“

Gudrun Dauer (66) vermittelt Viertklässlern die Freude am kreativen Gestalten

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Gudrun Dauer (66) berät Lee-Ann Bunz (9), wie sie beim Gestalten des „Erdbären“ am besten vorgeht. Die Malerin will den Kindern Spaß an Farben und kreativer Beschäftigung nahe bringen. Fotos (2): Steffen Adler

Usedom. Es ist die übliche Bescheidenheit vieler Ehrenamtler, mit der Gudrun Dauer (66) aus der Inselkleinstadt auf die Anfrage der Zeitung nach einem Beitrag reagiert. Ja, sie arbeite schon mit Kindern. Und ja, sie sei Malerin, habe Kunst studiert und stehe gern zur Verfügung. Aber das sei doch alles „gar nicht so wichtig“. Doch, ist es!

Man kann bei Frau Dauer kreativ sein, eigene Ideen zu Papier bringen. Und das wirkt entspannend.“

Nele und Hanna, Klasse 4, Usedom

Denn wie viele andere engagierte Leute, verschenkt die agile Pensionärin Zeit — jeden Dienstag netto zwei Stunden — und Energie an zehn Viertklässler, die stets von 11.30 bis 13.30 Uhr das Angebot zu malen nutzen. Nele (9) und Hanna (10) beispielsweise sind sich absolut einig: „Das macht uns großen Spaß. Man kann bei Frau Dauer kreativ sein, eigene Ideen zu Papier bringen. Und außerdem wirkt das Malen auf uns echt entspannend“, plaudern sie freimütig drauf los. Die anderen Kinder nicken zustimmend.

Gerade haben sie sich Papier, Pinsel und Acrylfarben auf Fliesen, die als Paletten dienen, geholt, alte Zeitungen auf den Schultischen ausgelegt und miteinander erzählt, da gibt ihnen Gudrun Dauer freie Hand. „Ihr habt doch ganz sicher in den Winterferien viel erlebt, da fällt Euch bestimmt ein Motiv ein, das ihr jetzt als erstes zu Papier bringt.“ Kurzes Palaver zwischen den Viertklässlern, dann legt einer nach dem anderen los, zögerlich oder energisch. Eine Kinoleinwand wird vorempfunden, Schmetterlinge fliegen über ein anderes Bild. Sarah und Lena, Zwillingsschwestern, bringen phantasievolle Unter- und Überwassermotive aufs Papier. Jetzt bitte nicht so doll stören, sagt ihr konzentrierter Blick auf das entstehende „Kunstwerk“.

Jerrit ist der einzige in der Gruppe, der lieber zeichnet als zu malen. Mit Bleistift und Lineal geht es bei ihm zügig voran. Was entsteht, das ist ein großes Passagierschiff. „Es ist das MS ,Preziosa‘, mit dem war ich nämlich in den Winterferien im Mittelmeer unterwegs“, erklärt der aufgeweckte Junge. „Es müsste eigentlich doppelt so groß sein, aber für meine Zeichnung habe ich es etwas anders dargestellt.“

Ja, die Phantasie, das kreative Moment, das ist es, was die Anleiterin der Kinder bei ihren Schützlingen hervor kitzeln möchte. „Geht bitte mit den neuen Pinseln sorgsam um, dann können wir sie noch lange nutzen“, ruft sie den Schülern zu. Dann denkt sie kurz nach: „Ich möchte den Kindern eigentlich immer Mut machen, eigene Ideen, Vorstellungen und Motive anzugehen. Es ist ein Fehlurteil zu glauben, irgendetwas könne man nicht. Man kann alles, manches anders als vielleicht erwartet, aber — auch bei Erwachsenen — es kommt immer etwas Besonderes heraus. Und darauf kommt es doch an“, versichert die Künstlerin. Als Frau, die selbst über alle Maßen gern malt, betreibt sie in der Stolper Straße eine Kreativgalerie, wo sie sich über jeden Gast freut, Einzel- oder Gruppenunterricht erteilt für Leute, die das Malen lernen wollen. 1976 von Thüringen auf die Insel übergesiedelt, ist es vor allem die Landschaft, die Frau Dauer bei jedem Spaziergang neue Motive, Eindrücke und Impulse an die heimische Staffelei mitgibt. Später entstehen daraus ihre Bilder; „die Motive sind dann jedoch längst auf meiner ,Festplatte‘ im Kopf gespeichert.“

Malen lernen heißt Sehen lernen, lautet einer ihrer Lieblingssätze. Die künstlerische Betätigung mache ihr den Kopf frei, schaffe Raum für Träume: „Wenn zum Beispiel jemand einen Baum mit blauen Blättern malt, wäre das im Schulunterricht vielleicht ein Fehler. Für mich und die Kinder, die hier mit mir malen, ist das einfach etwas Schönes, etwas ganz Spezielles.“

Es gehe nie um Bewertungen, sondern einzig und allein darum, eigene Vorstellungen kreativ umzusetzen. Sagt die Malerin, bescheiden, aber sehr bestimmt.

Ehrenamtspreis

Zum zweiten Mal wird am 27. Februar ein Usedomer Ehrenamtspreis verliehen. Stifter der Auszeichnung für unentgeltliches Engagement ist wiederum die in Heringsdorf ansässige Achterkerke-Stiftung.

Die Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) ist die Schirmherrin der Aktion „Ehrenamtspreis“ und wird die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung, über deren Vergabe im Vorfeld eine Jury entscheidet, in einem feierlichen Rahmen übergeben.

Ausgezeichnet wird der Preisträger oder die Preisträgerin am 27. Februar während des dritten Usedomer OZ-Balls im Heringsdorfer Kaiserbädersaal des Hotels „Maritim“.



Steffen Adler

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