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Wolgast Sprache als Schlüssel zur Integration

23 Migranten erhielten jetzt in Wolgast ihr Zertifikat nach Abschluss des Sprachkurses B2

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Auch Amgad Alghabra (20) aus Syrien nahm sein B2-Zertifikat entgegen, das ihm in Deutschland die Chance zur Aufnahme eines Studiums eröffnet. Dagmar Jakob (r.) und Edith Krüger vom Bildungsträger SBW gratulierten ihm zu seinem Erfolg.

Quelle: Fotos: Tom Schröter

Wolgast. Der Deutschsprachkurs B2 hat es in sich (Siehe Info-Kasten). Aber Migranten, die hierzulande Fuß fassen und zum Beispiel ein Hochschulstudium aufnehmen wollen, kommen um diese Hürde nicht herum. „Integration geschieht in erster Linie über die Sprache. Sie ist wichtig, um Hilfe zu bekommen und in eine berufliche Zukunft zu blicken“, erklärte Wolgasts Vizebürgermeisterin Gisela Kretschmer am Donnerstag in großer Runde im hiesigen Ratssaal. Versammelt waren Asylbewerber aus Syrien, Afghanistan, Russland und der Ukraine, die allesamt besagten Sprachkurs absolviert und gegenüber dem Bildungsanbieter telc gGmbH aus Frankfurt/Main erfolgreich ihre Prüfung abgelegt haben.

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23 Migranten erhielten jetzt in Wolgast ihr Zertifikat nach Abschluss des Sprachkurses B2

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Auch Amgad Alghabra gehörte zu den insgesamt 23 Kursteilnehmern, die von November vorigen Jahres bis Mai 2017 in Wolgast die Schulbank drückten. Unterrichtsort war die Außenstelle des Bildungsträgers SBW mit Hauptsitz in Schwerin im Wolgaster Hasenwinkel 6. „Ich möchte gern an der Universität in Mainz Informatik studieren“, erklärt der 20-jährige Syrier und jüngste Sprachkurs-Teilnehmer, der seit anderthalb Jahren im Wolgaster Asylbewerberheim lebt. „Gleich heute oder morgen“, so verkündet er, „will ich meine Bewerbung mit dem B2-Zertifikat zur Uni abschicken.“

Anna Azaryan aus der Ukraine hat den Sprachlehrgang ebenfalls geschafft. Die 22-jährige Asylsuchende aus der Ukraine bezweifelt allerdings, ob die gewonnenen Sprachkenntnisse ausreichen, um sich in Deutschland ihren Berufswunsch zu erfüllen. „Zu Hause wollte ich Journalistin werden“, erklärt sie. Auch für Rina Wohra (31), die mit ihrer Familie vor nunmehr fünf Jahren aus Afghanistan floh, ist mit dem B2-Abschluss die Zeit des Lernens noch lange nicht vorbei. „In meiner Heimat durfte ich nicht die staatliche Schule besuchen, so dass ich hier jetzt meinen Schulabschluss nachholen muss“, erläutert die junge Frau, die fast akzentfrei Deutsch spricht, Erzieherin werden will und in der Wolgaster ASB-Kita „Friedrich Fröbel“ ihr vierwöchiges Praktikum gemacht hat. Stützen kann sich die Afghanin, die für sich und ihre Familie hofft, in Kürze den Aufenthaltstitel zu bekommen, auf Schreib- und Rechenkünste, die sie als Kind zu Hause auf Privatbasis beigebracht bekam.

„Seit 2010 unterhält der Bildungsträger SBW die Außenstelle in Wolgast“, berichtet deren Leiterin Edith Krüger. „Finanziert wurde der B2-Kurs, dessen Teilnehmer aus Wolgast, Eggesin, Anklam und Greifswald kamen, von der Europäischen Union und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge“, so Edith Krüger. „Die mündlichen Prüfungen fanden in Wolgast statt; der schriftliche Prüfungsteil wurde an das telc-Institut in Frankfurt am Main geschickt und dort ausgewertet.“ Längst sei in Wolgast der nächste Kurs mit 22 Teilnehmern im Gange, die diesmal aus Ländern wie Somalia, Mauretanien, Afghanistan und der Ukraine stammten.

Zu den hiesigen Deutsch-Lehrerinnen zählt auch die Wolgasterin Hannelore Pietzner. Als 2012 das Flüchtlingsheim an der Baustraße erstmals belegt wurde, ergriff sie die Initiative und gab Migranten Deutsch-Unterricht – ehrenamtlich an einer Behelfstafel in einem kleinen Raum im Wolgaster Sportforum. In der Zwischenzeit erhielt die Ausbildung längst das nötige solide Fundament. Bis heute vermittelt Hannelore Pietzner hier, gemeinsam mit weiteren Kollegen, den Migranten die deutsche Sprache.

Vom jüngsten Kurs profitierte auch Ramzi Abdulsalam, der ebenfalls am Donnerstag sein B2-Zertifikat in Empfang nahm. Der 32-jährige Syrer hofft auf eine dauerhafte Anstellung im Melkzentrum Zarnitz der Peeneland Agrar GmbH Hohendorf, wo er während seines Praktikums Kühe zum Melkkarussell getrieben und Kälber betreut hat. „Aber vorher muss ich erstmal den Führerschein machen“, sagt er. Dies sei eine wichtige Voraussetzung für ein mögliches Jobangebot.

Stichwort: Sprachkurs B2

Der Sprachkurs B2 dient der Verbesserung berufsbezogener Deutschsprachkenntnisse und der Verbesserung der Integrationsfähigkeit in den Arbeitsmarkt. Finanziert wurde der Kurs in Wolgast von der Europäischen Union und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Er umfasst 390 Stunden berufsbezogenes Deutsch, 120 Stunden Qualifizierung (EDV, Mathematik, Fachunterricht), 12 Stunden Betriebsbesichtigungen, 42 Stunden Bewerbungsmanagement und 160 Stunden Praktikum.

Die Teilnahme ist möglich, wenn der Integrationskurs vollständig absolviert bzw. das Stundenkontingent ausgeschöpft wurde. Es sind auf jeden Fall Sprachkenntnisse auf dem Niveau des Kurses B1 mitzubringen.

Tom Schröter

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