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Theater aus Überzeugung: Zu spielen, ist ein Geschenk

Kultur Theater aus Überzeugung: Zu spielen, ist ein Geschenk

Andreas und Petra Schmidt-Schaller lasen Walser in der Koserower Kirche. Interpretation einer Liebesgeschichte begeistert das Usedomer Publikum.

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Die Schauspieler Petra Schmidt-Schaller und ihr Vater, Andreas Schmidt-Schaller, vor der Feldsteinkirche von Koserow, in der sie für ihre Walser—Lesung herzlichen Applaus erhielten.

Quelle: Rainer Höll

Koserow — Mit feinsinnigem Humor und sichtbarem Vergnügen lasen Petra Schmidt-Schaller und ihr Vater Andreas Schmidt-Schaller am vergangenen Wochenende bei „Klassik am Meer“ in Koserow aus Martin Walsers Roman „Ein liebender Mann“, der die Liebesgeschichte des 73-jährigen Johann Wolfgang von Goethe mit der 19-jährigen Ulrike von Levetzow beschreibt.

Das Publikum in der voll besetzten Koserower Kirche dankte den beiden prominenten Schauspielern mit langem und herzlichem Applaus. Unter den  Besuchern waren viele Koserower Bürger, die sich gern an die Anfänge von „Klassik am Meer“ vor 16 Jahren erinnerten, als Andreas Schmidt-Schaller in der Rolle des „Jedermann“ mit den Grundstein für das erfolgreiche Koserower Kultur-Event legte.

Unsere Redaktion traf die beiden Akteure vor der Lesung an der Kirche und hatte Gelegenheit für einige Fragen, die beide mit Humor, nachdenklich und im deutlichen Gleichklang beantworteten.

OZ: Sie haben beide nach der Schauspielausbildung in Leipzig zunächst an Theatern gespielt — Notwendigkeit oder Überzeugung?

Petra Schmidt-Schaller: Ganz klar Überzeugung.

Andreas Schmidt-Schaller: Überzeugung, denn das Theater ist ein tolles Geschenk, die Unmittelbarkeit, die sofortige Reaktion des Publikums ist das beste Echo auf die eigene Leistung.

OZ: Das gilt sicher auch für Klassik am Meer im kleinen Zuschauerraum der Kirche. Wie kam es zu Ihrem Engagement in Koserow?

A. Schmidt-Schaller: Ich bin ja Gründungsmitglied des Vereins, geworben durch Jürgen Kern, den ich seit 50 Jahren kenne. Mehrfach bin ich hier in verschiedenen Rollen aufgetreten und freue mich über das positive Echo der Veranstaltungsreihe.

P. Schmidt-Schaller: Für mich ist es der erste Auftritt. Jürgen Kern fragte uns beide, ob wir diese Lesung auch in Koserow machen könnten und ich war sofort dazu bereit.

OZ: Warum haben Sie gerade eine Lesung aus diesem Buch von Martin Walser gewählt?

P. Schmidt-Schaller: Als Martin Walser an diesem Buch schrieb, spielte ich in einem Film nach einem seiner anderen Bücher („Ein fliehendes Pferd“ — d.Red.) die Hauptrolle und kam dadurch in Kontakt zum Autor. Er hat mir dann das neue Buch mit einer Widmung zugesandt, in der es hieß: „Hier ist ein Text, den Sie sofort spielen könnten.“ Nun ist eine Lesung daraus geworden, mit der mein Vater und ich heute bereits zum vierten Mal auftreten.

OZ: Eine neugierige Frage. Haben Sie als Schauspieler eine bestimmte Rolle, die Sie gerne spielen würden?

A. Schmidt-Schaller: Früher war es einmal Richard III. von Shakespeare, aber jetzt bin ich dafür zu alt (lacht).

P. Schmidt-Schaller: Ich würde gerne eine Märchenfigur spielen, die weder gut noch böse ist, so dass auch meine dreijährige Tochter vor ihr keine Angst zu haben brauchte. Aber keine Prinzessin!

OZ: Welche Beziehung haben Sie zur Insel Usedom und wie gefällt sie Ihnen?

A. Schmidt-Schaller: Ich war während der 11. Klasse einmal in der Jugendherberge Bansin und dann als Wehrpflichtiger bei der Volksmarine in Korswandt. Wir sollten von dort aus das Objekt in Peenemünde bewachen. Später fuhr die Familie meist nach Hiddensee. Durch Klassik am Meer habe ich Usedom neu kennen gelernt und erfreue mich an der tollen Landschaft, die wir bei Spaziergängen gerne erkunden. Ich hoffe, in Koserow wird künftig nicht zu viel gebaut.

P. Schmidt-Schaller: Ich kenne Usedom nur durch Kurzbesuche bei Auftritten meines Vaters, höre aber viele, die vor allem die Vielfalt und die zahlreichen Attraktionen mit kurzen Entfernungen würdigen.

Die Biographien der beiden Schauspieler
Andreas Schmidt-Schaller:

Geboren 1945 in Arnstadt, Abitur
in Gera, Studium an der Theaterhochschule Leipzig, Theater in Karl-Marx-Stadt und Magdeburg, seit 1980 freiberuflich, zahlreiche Filme und Serien, aktuell in SOKO Leipzig.

Petra Schmidt-Schaller:

Geboren 1980, aufgewachsen und
Abitur in Berlin, Studium an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig, Nationaltheater Weimar, Theater Osnabrück, jetzt freiberuflich, zahlreiche
Filme, aktuell im Nordsee-Tatort.

 



Rainer Höll

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