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Viel Adrenalin für ein Fitzelchen Film

Ückeritz Viel Adrenalin für ein Fitzelchen Film

Schauspieler Torsten Schemmel von der Vorpommerschen Landesbühne spielt im neuen Usedom-Krimi mit

Ückeritz. In diesen Tagen steht er schon wieder auf der Anklamer Bühne und probt den Gerichtsrat Walter im „Der zerbrochene Krug“ von Kleist.

 

OZ-Bild

Schnell schnippeln? Kein Problem für Torsten Schemmel, der auch im wahren Leben gut kochen kann.

Quelle: Foto: C. Winter

Noch vor wenige Tagen war er Fiete Schulz, die Küchenhilfe im Restaurant „Pott und Pann“ und hatte den wichtigen Satz „Er war ein Arschloch“ mehr durch die Zähne zu zischen als zu sagen. Er galt einem echten Fiesling, der ermordet wurde.

Das Café „Knatter“ in Ückeritz wurde zu „Pott und Pann“ und Fiete Schulz ist Torsten Schemmel, einer der beliebtesten und wichtigsten Schauspieler der Vorpommerschen Landesbühne. Vielen ist er noch als impulsiver und urkomischer Richter aus „In Sachen Adam & Eva“ bei den Schlossinselfestspielen in Wolgast in diesem Sommer oder als witzig-sturer Terminator in „Die Peene brennt“ gegenwärtig.

Nun also der Fiete und zwar im fernsehtechnischen Aushängeschild der Insel Usedom – dem Usedom-Krimi – mit der eigenwilligen Ex-Staatsanwältin, gespielt von Katrin Sass.

Es ist früher Nachmittag, als Torsten Schemmels Arbeitstag am Set beginnt, Maske – zwei Minuten, dann warten, warten und wieder warten. Zwischendurch Stellprobe, ein kleiner Dreh. Und wieder warten.

Auch mal im Wohnwagen. Und dann der Dreh mit dem Satz. Gegen Mitternacht ist Schluss. Ein Acht-Stunden-Tag, an dem er hauptsächlich gewartet hat. „Aber ich bin genau so fertig, wie nach sechs Stunden intensiver Probenarbeit auf der Bühne“, sagt Schemmel, der auch im Freester Hafen zwei Tage gedreht hat.

Torsten Schemmel hatte Zeit und konnte beobachten, wie wohl rund 50 Leute Szene für Szene einrichten und dann drehen. „Es ist faszinierend, wie alles ineinander greift, jeder Handgriff perfekt sitzt.“ Und wie motiviert man sich für sein persönliches Fitzelchen Film? „Man wird zehn Minuten vorher gerufen und dann kommt schon das Adrenalin!“ Es gäbe auch im Theater kleine Rollen, bei denen man nur wenig zu tun hat, sagt er.

Es ist nicht sein erster Filmauftritt. Schemmel erwähnt „Don Matteo“, eine italienische Krimiserie mit Terence Hill als Pfarrer Don Matteo und „Der Mauerschütze“ mit Benno Fürmann, der auch auf Usedom spielte. Allerdings erwähnt er auch mit einem schelmischen Lächeln, dass er Roman Polanski eine Absage für seinen „Ghostwriter“ erteilen musste. Damals wirkte wohl die halbe Insel mit. Er war in den Endproben zu „Der kaukasische Kreidekreis“, wo er den Richter Azdak spielte. Erstens war ihm die Rolle wichtig, zweitens wusste er nicht, wie der damalige Regisseur Jürgen Kern reagieren würde und drittens erzählt sich die Geschichte im Nachhinein wunderbar. Wer hat schon Polanski abgesagt? Es scheint sich die Frage zu erübrigen, an welchem Genre Torsten Schemmel mehr hängt, doch: „Für einen Schauspieler ist jedes Genre spannend. Und ganz ehrlich: Es geht nicht nur um Herz. Und so ein Herzschrittmacher in Form einer netten Gage ist dann und wann auch nicht schlecht“, sagt er.

Übrigens muss er im Film als Küchenhilfe nicht nur schnell schnippeln, was Torsten Schemmel beherrscht. Denn auch im wahren Leben kann der Schauspieler gut kochen. Also ist er perfekt besetzt. Mit dafür gesorgt hat Katharina Schwarze, die sich um die rund 60 Komparsen im Film kümmerte und weitere Besetzungen vorschlagen konnte. Ihr für sie logischer erster Weg führte zu Wolfgang Bordel von der Vorpommerschen Landesbühne und so kam auch Torsten Schemmel ins Spiel. Übrigens haben sich Schwarze und Bordel versprochen, weiter zusammen zu arbeiten. Immerhin werden pro Jahr zwei Usedom-Krimis auf der Insel gedreht.

Der aktuell gedrehte Usedom-Krimi mit dem Titel „Das Geisterschiff“ ist erst 2018 zu sehen. Die nächste Folge „Nebelwand“ zeigt Das Erste am 19. Oktober.

Claudia Winter

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