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Wettstreit um Grenzen, Hass und Chancen

Wolgast Wettstreit um Grenzen, Hass und Chancen

Schüler und Asylbewerber aus Wolgast proben seit Oktober gemeinsam für ein Musical / Am Sonntag ist Premiere

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Schüler der Wolgaster Förderschule Janusz Korczak landen in der Rolle als Flüchtlinge per Schlauchboot am Zinnowitzer Strand an.

Quelle: Ruth Neumann

Wolgast. Am Sonntag ist um 15.30 Uhr Premiere. Die Plätze in der Aula der Wolgaster Kosegarten-Regionalschule sind nahezu ausgebucht. Gezeigt wird das Stück „Grenzenlos“ – ein multimediales Musical, aufgeführt von zumeist jungen Laiendarstellern. Seit Oktober vorigen Jahres haben sie für die nun folgenden insgesamt sieben Aufführungen fleißig geprobt.

OZ-Bild

Schüler und Asylbewerber aus Wolgast proben seit Oktober gemeinsam für ein Musical / Am Sonntag ist Premiere

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Mit „Grenzenlos“ wagt sich die bekannte Romanautorin Antonia Michaelis nach der „East Side Story“ im Jahr 2013 und „Rauswählen“ im Jahr 2014 an ihr nunmehr drittes Theaterprojekt mit Schülern der Wolgaster Janusz Kor- czak-Förderschule. Gemeinsam mit Yasmin Engelke, die die Lieder für das Musical schrieb, verpflichtete sie diesmal jedoch nicht nur deutsche Jugendliche. Bei sieben Hauptakteuren auf der Bühne und mehreren Tänzern handelt es sich um Bewohner des Wolgaster Asylbewerberheims.

„Die Idee eines gemeinsamen Projekts kam mir bei den Proben zu „Rauswählen“, als ich aus dem Fenster schaute und sah, wie Kor- czak-Schüler und Flüchtlingskinder miteinander Fußball spielten“, erzählt die 37-jährige Antonia Michaelis. „Damals gab es noch keine MVgida-Welle. Das kam alles erst später.“ Angesichts der Entwicklung erwies sich das Kunstprojekt denn auch als ein kühnes Vorhaben. Als am 2. November 2015 auf Initiative der NPD ein Wolgaster Abendspaziergang direkt am Asylbewerberheim an der Baustraße vorbei führte, reihte sich Antonia Michaelis in die das Haus schützende Lichterkette ein. „Unter den Demonstranten auf der Straße erkannte ich manche meiner jungen Darsteller aus Wolgast wieder. Und die Kinder aus dem Heim erkannten sie auch“, erzählt die Autorin.

Das Stück „Grenzenlos“, finanziell gefördert unter anderem vom Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung, sollte helfen, beiderseits Spannungen und Vorurteile abzubauen. Die Initiatorin trommelte, neben den bereits theatererprobten Förderschülern, Heimbewohner aus Tschetschenien, Syrien, dem Iran und der Ukraine zusammen. Sie formte zwei Gruppen á 15 Personen: „Es ging mir darum, die Gruppen zu mischen. Parolen brüllen ist falsch. Die Leute müssen sich kennenlernen.“

Es folgten ungezählte Proben – im Heim, in der Schule, in Michaelis’ Privathaus in Wehrland und ein Theaterlager in der Wasserburg Turow. „Anfangs dachte ich, das geht alles nicht, ich schmeiße das hin. Aber dann ging es doch: Die jungen Schauspieler retteten sich gegenseitig vor umfallenden Kulissen, brachten sich Zaubertricks bei, trainierten selbstständig Tänze ein ...“ Die Umsetzung von „Grenzenlos“ schweißte die bunte Truppe allmählich zusammen. Das Stück handelt von vier jungen Menschen, die sich auf dem Amt treffen: zwei arbeitslose Deutsche und zwei Flüchtlinge auf der Suche nach einer Lehrstelle, einer Waschmaschine, einem Visum für die kleine Schwester und einem Platz im Sprachkurs. Alle scheitern sie an der deutschen Bürokratie. Da erfahren sie von einem Talentewettbewerb in Berlin, bei dem es um 10000 Euro geht. Für den Gewinner würden sich alle Probleme in Luft auflösen. Doch nur einer kann der Gewinner sein ... „Die Bürokratie ist unser gemeinsames Feindbild“, sagt Antonia Michaelis. In Vorbereitung auf das Stück habe auch sie hunderte Formulare ausfüllen müssen. Lobend erwähnt sie die Förderer und die Unterstützung durch fünf Wolgaster Schulen.

Alle notwendigen Kulissen für das Stück über Musik, über Hass und über Chancen fand das Drehteam in der Wolgaster Umgebung. Während der Aufführung flimmern zeitgleich die entstandenen Filme über die Leinwand. Als Kriegsschauplatz und Grenzgebiet dienten Brachen im Industriegelände, die Ostsee bei Zinnowitz mutierte zum weiten Mittelmeer; andere Szenen entstanden im Supermarkt und in der Eisenbahn in Richtung Berlin-Marzahn.

Auch Antonia Michaelis ist auf der Bühne zu erleben: „Ich spiele den bösen Rentner, der sich über alles Mögliche beschwert.“ Nur noch zwei Tage bis zur Premiere: Die Initiatorin verteilt Freikarten in Flüchtlingsheimen, macht Pressearbeit, spricht das Einspielen der CD ab, die schon zur ersten Aufführung zu haben sein soll, geht alles noch einmal durch. Auf die Frage, wie viele Stunden sie in das Projekt investiert, sagt sie nur: „24 pro Tag.“

Sieben Aufführungen

7 Mal wird das Musical „Grenzenlos“ in den kommenden Tagen aufgeführt. Hier die einzelnen Vorstellungstermine: 22. Mai , 15.30 Uhr, Aula der Kosegarten-Regionalschule in Wolgast;

23. Mai , 19.30 Uhr, Theater Greifswald;

25. Mai , 19 Uhr, Blechbüchse Zinnowitz;

26. Mai , 9.30 Uhr, Blechbüchse Zinnowitz;

27. Mai , 9.30 Uhr, Theater Anklam;

2. Juni , 10 und 18 Uhr, Atze Musiktheater Berlin.

Kartenbestellungen insbesondere für Schulklassen werden empfohlen über die Verkaufsbüros der jeweiligen Spielstätten.

Tom Schröter

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