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LPG-Nachfolger feiert „Silberhochzeit“

Usedom LPG-Nachfolger feiert „Silberhochzeit“

Agrar GmbH aus Usedom muss im 25. Jahr tüchtig einstecken: Krise in der Milchwirtschaft, Auswinterungsschäden bei Getreide und obendrein massive Wildschäden

Usedom. Die Agrar GmbH Usedom feiert in diesem Jahr „Silberhochzeit“. Am 18. Juni wird deshalb von 10 bis 15 Uhr zu einem Hoffest eingeladen, mit Technikschau, Händlerstrecke, Kremserfahrten und so weiter. Alle Interessierten sind herzlich willkommen. Der Abend ist dann für geladene Gäste reserviert. Für Pächter, Verpächter, Gesellschafter, Mitarbeiter und Händler wird die große Maschinenhalle auf dem Stützpunktgelände partyfein gemacht. 250 Eingeladene haben schon zugesagt.

Dabei gibt die wirtschaftliche Situation der Landwirtschaft gegenwärtig keinen Anlass zum Frohsinn. Fast täglich machen Nachrichten über einen nicht kalkulierbaren Preisverfall die Runde. Und das in Rede stehende und hart umstrittene Freihandelsabkommen mit Amerika lässt die Befürchtungen auch in der Agrar GmbH weiter anwachsen.

„Wir lassen uns die Feier trotzdem nicht nehmen. Und unterkriegen lassen wir uns schon gar nicht“, sagt Geschäftsführer Jörg Espig. Auf der einen Seite macht dem Unternehmen die Krise in der Milchwirtschaft zu schaffen. Bekanntlich befindet sich der Preis für Milch seit längerer Zeit im freien Fall, was die Tierhalter bundesweit zunehmend vor existenzielle Probleme stellt. „Es wird sich erst zum Jahresende herausstellen, ob wir den neuen Stall am Voßberg wie geplant bauen können“, verdeutlicht Espig den Ernst der Situation. Und auch der Ackerbau, der den Usedomern als zweites Standbein dient, zeigt gerade seine Schattenseite. „Wir haben auf 50 Hektar massive Auswinterungsschäden bei Gerste und Weizen. Schuld daran war der Kahlfrost im Januar“, berichtet der Geschäftsführer.

Und als wäre das nicht genug, schlagen Wildschäden in nie gekanntem Ausmaß zu Buche, ergänzt er die Liste der schlechten Nachrichten. Von den 50 Hektar Raps habe das Rotwild gerade mal 15 Hektar übrig gelassen. Und auf den Erbsenfeldern haben Wildschweine einen verheerenden Schaden angerichtet. Eine große und dringende Aufgabe für die Jägerschaft. In der vergangenen Woche haben die Landwirte hektarweise Mais gelegt ....

35 Beschäftigte gehören heute zum Unternehmen, das 1991 aus der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) Usedom hervorgegangen ist. Bevor die Umwandlung zur Kommanditgesellschaft vollzogen werden konnte, hatte man zuvor die LPG Tierproduktion und die LPG Pflanzenproduktion aus formaljuristischen Gründen zur LPG Usedom zusammenführen müssen. Geschäftsführer Jörg Espig, der erst seit drei Jahren in Usedom ist, nennt einige Zahlen, die die Entwicklung des Betriebes verdeutlichen: „Die Agrar GmbH ist vor 25 Jahren mit 3450 Hektar Pachtfläche und sieben Hektar Volkseigentum (Stützpunkt und Voßberg) an den Start gegangen. Weil etliche Pachtverträge hauptsächlich im Lieper Winkel nach dem Auslaufen nicht verlängert worden sind, haben wir im Laufe der Jahre mehr als die Hälfte der Fläche verloren. Wir bewirtschaften heute 600 Hektar Eigentum und nur noch 1000 Hektar Pachtland.“

Am Mittwoch hatte Jörg Espig Gelegenheit, seine Zukunftspläne dem Schweriner Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus darzulegen, der auf Einladung des SPD-Landtagskandidaten Falko Beitz unter anderem die Milchviehanlage Voßberg besuchte. Espigs wichtigstes Anliegen war der geplante Stallneubau nebst Melkhaus, wofür die höchstmögliche Fördersumme von 1,5 Millionen Euro nicht ausreicht.

Backhaus, der sich von der zukunftsgewandten Unternehmensphilosophie der Usedomer beeindruckt zeigte, ist sich mit Espig einig, dass kluge Ökonomen gerade in der Krise Geld in die Hand nehmen und investieren würden. Eine Zusage gab es an Ort und Stelle zwar noch nicht, aber das Versprechen, die Fördermöglichkeit noch einmal in Ruhe zu bedenken. Den Standort Voßberg mit den unmittelbar angrenzenden Wiesen und Weiden fand Backhaus ideal.

Der Minister verhehlte nicht, dass die Milchmenge reduziert werden müsse, wenn man höhere Preise erzielen wolle, weshalb er — im Gegensatz zu Espig — eine entsprechende Sanktionierung der Betriebe für angebracht hält. Seit Jahresbeginn hätten im Land bereits zwölf Milchviehbetriebe aufgeben müssen, hat Backhaus die Folgen der Überproduktion erklärt.

Große Zustimmung fand indes die Tatsache, dass auf den Äckern der GmbH zwölf verschiedene Kulturen angebaut werden. So könne zum Beispiel durch den Anbau von Erbsen die Einfuhr von Soja aus Übersee reduziert werden. Auch die Hinwendung zu Fleischrindern, wie den auch am Voßberg grasenden Uckermärkern, sei eine erfolgversprechende Option.

Von Ingrid Nadler

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