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Usedom Langfinger haben es auf Usedom leicht
Vorpommern Usedom Langfinger haben es auf Usedom leicht
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03:41 13.07.2013
Polizeihauptkommissar Mario Tschirn zeigt auf Grundstücken, wo es Einbrecher leicht haben. Quelle: Irene Burow

Ein Ruck, und der Selbstbedienungsladen ist offen: Kaum ein Haus auf Usedom ist so sicher, dass Einbrecher keine Chance haben. „Täter scheitern nur selten. In den meisten Fällen steigen sie über ungesicherte Türen und Fenster in die Häuser“, sagt Ortrun Schwarz von der Anklamer Polizei. „Die Sicherheitsstandards sind sehr niedrig.“ Fast täglich rückt die Polizei wegen Einbrüchen in Häuser, Geschäfte oder Gartenlauben aus. Erst vor wenigen Tagen wurden Türen mehrerer Villen in Bansin aufgehebelt. Vom 5. bis bis 10. Juli drangen Unbekannte gewaltsam in vier Häuser in der Bergstraße und in eine Villa in der Badstraße ein. Insgesamt wurden an den Gebäuden neun Eingangstüren beschädigt. Die Täter entwendeten 500 Euro.

„Viele lassen sich erst zu Sicherheitsvorkehrungen beraten, wenn es zu spät ist“, sagt Polizeihauptkommissar Mario Tschirn. Er ist der einzige Präventionsberater im Landkreis Vorpommern-Greifswald.

Anfragen bekommt er aber nur wenige. Zwei bis drei mal in der Woche zeigt er Bewohnern vor Ort die Schwachstellen. „Bei Ihnen würde ich durch die Terrassentür kommen“, sagt Tschirn ohne Umschweife zu Maria Tanner* (63). Die Zinnowitzerin ist in Sorge. Kürzlich wurde beim Tierarzt in der Nähe eingebrochen und auch bei einem älteren Herrn, der im Rollstuhl sitzt. Sie hat mit ihrer Familie auf dem Grundstück einen neuen Bungalow errichtet. Zwar wurde in der Eingangstür bruchsicheres Glas verbaut, aber das größte Manko sieht Polizist Tschirn sofort: Die Tür ist von außen per Klinke zu öffnen.

„Da kann jeder hereinspazieren, wenn nicht abgeschlossen ist“, sagt er. Generell empfiehlt er einen Knauf. Dass Langfinger nur nachts agieren, sei ein großer Irrtum. „Sie warten einen unbeobachteten Moment ab, stehlen Autoschlüssel oder Geldbörse aus dem Flur und verschwinden — vielleicht sogar mit dem Auto. Alles schon passiert“, sagt er. Aus diesem Grund sollten diese Utensilien immer woanders aufbewahrt werden. In einem besonders schweren Fall wurde sogar mal ein Haus in Torgelow ausgeräumt. Die Bewohner waren im Urlaub und die Diebe gaben sich bei Nachbarn als Umzugshelfer aus.

Bei Maria Tanner seien auch die Fenster nur mäßig gesichert, es gäbe wenige sogenannte Bänder, sagt der Berater. Das sind Verschlüsse im Rahmen. An allen Seiten könnten es mehr sein. Schmunzeln muss er im Garten. Drei Leitern sieht er auf Anhieb, die Kriminellen als Hilfe dienen können. „Die sollten dringend angeschlossen werden“, so Tschirn. Weitere Tipps: Bewegungsmelder und ein Zaun um das Grundstück. Am besten mit Klingel und Sprechanlage. Büsche sollten nicht zu hoch gepflanzt werden, damit das Gelände gut einsehbar ist. „Nachbarschaftshilfe ist ganz wichtig. Viele Fälle werden geklärt, weil jemand etwas gesehen hat“, weiß der Polizist. Er sieht auch Architekten und Handwerker in der Pflicht, bessere Empfehlungen zu geben. Auch, wenn das Hunderte Euro mehr kostet. „Die Menschen sollen keine Festung bauen, aber die Gegebenheiten so erschweren, dass viel Energie nötig ist“, sagt seine Kollegin Ortrun Schwarz. Denn auch für die Polizei seien die häufigen Einbrüche ein Drama: „Unsere Möglichkeiten Grundstücke zu bestreifen sind begrenzt.“

Maria Tanner ist nach der Sicherheits-Beratung schließlich überzeugt: „Wir müssen nachrüsten. Das hat jetzt oberste Priorität.“ Andere kleine Baustellen müssten dann eben warten.*Name geändert

Beratungsstelle Anklam:

☎ 0 39 71 / 2 51 12 47

• Internet:

www.polizei-beratung.de

Jede dritte Familie zieht nach Einbruch um
10 Sekunden dauert es laut Mario Tschirn höchstens, bis ein Einbrecher ein klassisches Fenster aufgehebelt hat.

Jede dritte Familie verkraftet einen Einbruch in die eigenen vier Wände nicht. Die psychische Belastung wird so groß, dass Bewohner umziehen.

Irene Burow

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