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Leben mit Migranten wird problematisch

Greifswald Leben mit Migranten wird problematisch

Lange Gesichter bei den Vertretern des Landkreises Vorpommern-Greifswald: Zu einer Informationsveranstaltung für dezentral untergebrachte Flüchtlinge zu deutschen ...

Greifswald. Lange Gesichter bei den Vertretern des Landkreises Vorpommern-Greifswald: Zu einer Informationsveranstaltung für dezentral untergebrachte Flüchtlinge zu deutschen Gepflogenheiten bei Ordnung, Sauberkeit und gegenseitiger Rücksichtnahme war am Dienstagabend nicht ein Syrer im Jugendfreizeitzentrum „Takt“ erschienen.

„Wir haben zahlreiche Beschwerden von anderen Mietern und Vermietern erhalten. Um diese Spannungen abzubauen, haben wir diese Beratung organisiert“, erläutert der Sozialdezernent des Landkreises, Dirk Scheer. Hauptsächlich seien Syrer kritisiert worden, die sich nicht an die Hausordnungen gehalten hätten, obwohl diese auch in Arabisch aushängen.

Bei der Veranstaltung im „Takt“ im Greifswalder Stadtteil Schönwalde I sollte zum Beispiel aufgeklärt werden, dass es hierzulande nicht üblich ist, seinen Müll aus dem Fenster im fünften Stock zu werfen oder bis spät in die Nacht Lärm zu verursachen. Umso größer ist Scheers Enttäuschung, dass kein Syrer erschienen ist. Flyer seien ausgehängt worden, um auf die Veranstaltung hinzuweisen.

Lediglich 10 Ukrainer waren der Einladung gefolgt.

„Doch die Informationen waren für mich nicht neu. Das ist Standard“, sagt Galina Veselkova, die vor einem Jahr aus der Ukraine hierher geflüchtet ist. „Ich bin entsetzt, wenn ich höre, wie sich andere verhalten.“

Auch Integrationsbeauftragter Ibrahim Al Najjar ist sehr verärgert. „Dabei wäre es wichtig gewesen, dass die syrischen Flüchtlinge dabei sind, um Spannungen auszuräumen“, sagt Al Najjar.

Bereits im Sozialausschuss der Bürgerschaft hatte er darauf hingewiesen, dass Syrer erst lernen müssten, dass auch beim Heizen und Lüften der Wohnungen Bestimmungen zu beachtet sind. „Als ich nach Deutschland kam, habe ich auch die Heizung voll aufgedreht, bis 35 Grad in der Wohnung waren, und bin drinnen in kurzen Hosen herumgelaufen. Das geht nicht, weiß ich heute“, sagte er.

So gebe es dadurch inzwischen in benachbarten Wohnungen Kondenswasser- und Schimmelbildung an den Wänden, erklärte er. Es sei keine böse Absicht, nur seien die Flüchtlinge unsere Standards nicht gewohnt.

Der Vorsitzende der Ortsteilvertretung Schönwalde I/ Südstadt, Peter Multhauf (Linke), warnt davor, dass solche Missverständnisse zum Politikum werden. „Es muss schnell reagiert werden, damit es erst gar kein Futter für eine Anti-Stimmung gegen Flüchtlinge wird.“ Er bat am Dienstag die Anwesenden, Einfluss auf ihre Landsleute zu nehmen.

„Wir müssen gemeinsam an dem Erhalt der Werte arbeiten“, betont Lela Scheer, Abteilungsleiterin für Ordnungswidrigkeiten und Beschwerdemanagement der Hansestadt. Auch die Flüchtlinge müssten Rücksicht zeigen. Denn durch Konflikte scheitere die Integration — egal von welcher Seite diese ausgehen. Immerhin würden die Kosten der Unterkunft durch die Gesellschaft getragen, erinnert auch Landkreissprecher Achim Froitzheim.

„Wir müssen an die Flüchtlinge rankommen. Momentan funktioniert das aber nicht“, bestätigt der Verantwortliche für Sonderaufgaben Flüchtlinge des Landkreises, Peter Preußer. „Die Informationsveranstaltung war ein Versuch.“

Der Landkreis überlegt deshalb, welche anderen Zugänge zu dieser Zielgruppe künftig gewählt werden, um sie zur Teilnahme zu motivieren.

„Wir sehen das neue Willkommenscenter in Greifswald als Chance, mit der Begrüßung auch Verhaltensregeln der deutschen Gesellschaft und Alltagskultur zu vermitteln“, sagt Scheer und erinnert daran, dass die großzügige Förderung der Einrichtung auch durch das positive Votum des Landkreises zustande kam.

OZ

Von Cornelia Meerkatz und Ann-Christin Schneider

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