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Usedom Lese-Reihe öffnet Türen zu religiösen Themen
Vorpommern Usedom Lese-Reihe öffnet Türen zu religiösen Themen
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03:43 17.04.2013

Seit acht Jahren entführt Pastor Tilman Beyrich mit der literarisch-musikalischen Reihe „Erlesenes — Gott im Spiegel der Dichter“ Zuhörer in die Welt der Bücher, die einen Bezug zur Bibel und zum Glauben haben. Ihren Anfang genommen hatte die Reihe im kleinen Dorf Ranzin. Dort übernahm Pastorin Beate Kempf-Beyrich 2001 ihre erste Pfarrstelle.

Da die Gottesdienste nur aller zwei Wochen stattfanden, wollten die Beyrichs ein zusätzliches Angebot schaffen, „um die Leute zusammenzubringen.“ So fing alles mit einer literarischen Andacht an.

Schon bald wurde eine Lesereihe mit elf Veranstaltungen pro Jahr daraus. Beyrich war zu jener Zeit noch als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Theologischen Fakultät der Universität Greifswald tätig. Ihn hatte schon immer die Frage beschäftigt: Wie können durch Literatur die Bibel, das Christentum und das Judentum dargestellt werden?. In Ranzin wurden die Bücher zum Kirchenjahr ausgesucht und musikalisch begleitet. „Wir hatten einen tollen Kantor, der originelle Musik dazu gemacht hat.“

Als Beate Kempf-Beyrich im Herbst 2004 auf die Pfarrstelle in Heringsdorf berufen wurde, nahm ihr Mann „Erlesenes“ mit auf die Insel Usedom. Dort sollte die Lesereihe dann weg vom Gottesdienstcharakter kommen, eigenständig werden. Mit Arndt Noack, dem damaligen Benzer Pastor, kam ein belesener Mitstreiter hinzu. Beide Männer hatten fünf Jahre gemeinsam den Hut auf — abwechselnd in der Benzer Pfarrscheune und der Heringsdorfer Strandvilla Bethanienruh, später in der Villa Dorothea.

Sie sahen die Abende „als Angebot für Leute, die an religiösen Fragen interessiert sind“, beschreibt es Beyrich. Ihn selbst hat schon immer die Verbindung von Theologie und Literatur fasziniert. „Ich habe viel darüber nachgedacht, was Theologie mit Poesie zu tun hat. Die Bibel ist ja in hohem Maße Poesie“, so der gebürtige Greifswalder, der im Jahr 2000 über die „religiöse Schriftstellerei Sören Kierkegaards“ promoviert hatte.

Kierkegaard habe geschrieben, „dass man mit Dichtung ein Geheimnis wahrt und doch davon erzählt.“ Die Dichtung wolle umschreiben, ohne die Wahrheit aufzudecken, anders als die Naturwissenschaften es tun. Von den Dichtern könne man lernen, wie die Literatur die Menschen anspricht. So versuche auch er, bei seinen Predigten wie ein Dichter heranzugehen, um die Menschen zu erreichen.

„Die Kunst ist zu erzählen, nicht etwas darzustellen, sondern so zu reden, dass die Menschen hineingezogen werden. Ein Dichter ist dann gut, wenn er den Leser mit hineinnimmt in seine Erfahrung.

Genau das muss eine Predigt auch erreichen“, so Tilman Beyrich.

Viele Stammgäste kommen inzwischen regelmäßig zu den Abenden, die nun im zweiten Jahr jeweils einen thematischen Schwerpunkt haben. Im Vorjahr war es „Gott Fernost“ und 2013 bis Mai ist es „Gott im Exil“. Die aktuelle Reihe kreist um Schriftsteller, die im südfranzösischen Mittelmeerort Sanary-sur-Mer ihr Exil fanden. Das Fischerdorf an der Cote d´Azur war ab 1933 für einige Jahre Hauptstadt der deutschen Exil-Literatur. Neben Thomas und Heinrich Mann fanden dort unter anderem Ludwig Feuchtwanger, Franz und Alma Werfel, Joseph Roth, Stefan und Arnold Zweig sowie Bert Brecht eine provisorische Bleibe.

„Das Thema ‘Gott im Exil‘ ist deshalb so angebracht, weil wir hier in einem Seebad leben, das zur selben Zeit ‘judenfrei‘ wurde, als die angesehenen Schriftsteller nach Sanary ins Exil gingen“, erklärt Tilman Beyrich. „Die jüdische Geschichte ist in Heringsdorf noch viel zu wenig aufgearbeitet worden, da ist es gut, mit Sanary den Spiegel vorzuhalten“, so der Pastor.

„Erlesenes — Gott im Spiegel der Dichter“ hat in den acht Jahren rund 50 Autoren und Bücher vorgestellt. Dazu gab es nahezu immer Livemusik. Auf der einen Seite ist Beyrich stolz darauf, ohne Sponsoren und Fördergelder ausgekommen zu sein. Auf der anderen Seite bedauert er, dass es keine Vernetzung mit den Kulturschaffenden in den Kaiserbädern bzw. zum Usedomer Literaturfestival gibt.

Dafür kann sich Beyrich über eine treue Fangemeinde freuen, die ihm nach den Lesungen die vorgestellten Bücher oft aus den Händen reißt, um sie zu lesen. „Das ist doch das Beste, was einem passieren kann“, ist er zufrieden.

Erlesenes-Termine: 19. April, 19.30 Uhr, Villa Dorothea, Strandstraße 15, Heringsdorf: Joseph Roth: Hiob. Roman eines einfachen Mannes (1930);

24. Mai, 19.30 Uhr, Pfarrscheune Benz: Anne C. Voorhoeve: Liverpool Street (2007).

Dietmar Pühler

Die Kreisumlage zahlen die Kommunen an den Landkreis, damit dieser die Kosten für öffentliche Leistungen übernehmen kann. Die Höhe der Abgabe berechnet sich aus den Einnahmen der Städte und Gemeinden.

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