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Lesepaten helfen Krösliner Schülern auf die Sprünge

Kröslin Lesepaten helfen Krösliner Schülern auf die Sprünge

Vier Rentner aus Hollendorf und Groß Ernsthof engagieren sich seit Jahren ehrenamtlich in der Fritz-Reuter-Grundschule / Gemeinsame Erfolge machen Mut

Kröslin. „7,5 Millionen Menschen in Deutschland können nicht sinn- erfassend lesen und gelten daher als funktionale Analphabeten“, zitiert Erika Asmus eine Studie der Universität Hamburg. Die 66-jährige frühere Pädagogin aus Groß Ernsthof und ihre Mitstreiter ergriffen daher die Initiative. „Vor sechs Jahren schrieben wir einen Brief an die Schulen der Region“, erzählt Erika Asmus. „Die Grundschulen an der Wolgaster Baustraße und in Kröslin haben unser Angebot, ehrenamtliche Lesepatenschaften für Schüler zu übernehmen, aufgegriffen.“

Seither sind Erika Asmus sowie die drei Hollendorfer Vigdis Schmeding (68), und Rainer (64) und Marlis Gramzow (64) regelmäßig in der Krösliner Fritz-Reuter-Grundschule zu Gast, um sich hauptsächlich von Zweit- und Drittklässlern vorlesen zu lassen. Die Schule sucht die Kinder aus; aktuell profitieren sieben der insgesamt 56 Mädchen und Jungen der Schule von dem besonderen Unterrichtsservice, der in einer Freistunde erteilt wird.

„Manchmal geht es nur stockend vorwärts. Dann heißt es, Geduld zu haben und immer wieder zu üben. Ganz wichtig ist, dass auch zu Hause weiter geübt wird“, erklärt der frühere Berufsschullehrer Rainer Gramzow. Jeder Lesepate kümmert sich um jeweils einen kleinen Leser. „Das Kind erhält auf diese Weise unsere ungeteilte Aufmerksamkeit.“ Das könne die reguläre Schule gar nicht leisten, erläutert Erika Asmus. „Somit können wir gemeinsam genau gucken, wo die Schwierigkeiten liegen. Außerdem baut sich zwischen uns und den Kindern so auch schnell ein Vertrauensverhältnis auf.“ Literatur besorgen sich die Lesepaten aus der Wolgaster Stadtbibliothek. „Die Mädchen lesen gerne etwas über Pferde; die Jungs lieben mehr Fußball- und Kriminalgeschichten“, schildert Marlis Gramzow, die früher in einer Wohnungsgesellschaft in Berlin arbeitete. „Das Repertoire an Kinderbüchern in der Bibliothek ist riesig. Außerdem“, so lobt die Hollendorferin, „sind die Mitarbeiter großzügig im Verlängern der Ausleihfristen.“

Nicht nur die Kinder profitieren von den Lesepatenschaften. Auch die Paten selbst haben Freude an ihrem Ehrenamt, wenn es allmählich vorwärts geht und sich erste Erfolge einstellen. „Wir haben zwar alle Garten, Haus und Hof, aber als Rentner trotzdem viel Zeit“, meint Erika Asmus. Auch halten die Paten, die sich aus dem 1. Wolgaster Bewegungsverein kennen, auf diese Weise noch enger zusammen. Vigdis Schmeding ist sogar schon seit acht Jahren aktiv. Auf der Kinderstation des Kreiskrankenhauses Wolgast engagierte sie sich jahrelang regelmäßig als Vorleserin.

Wie wichtig Lesen ist, wird dann klar, wenn es scheitert: Bei älteren Menschen, die durch funktionalen Analphabetismus in soziale Isolation geraten, oder bei Jugendlichen, die wegen ihrer Unfähigkeit, eine Bewerbung zu schreiben, keine Ausbildungsstelle finden.

 



Tom Schröter

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