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Usedom Linke ernten Kritik statt Beifall
Vorpommern Usedom Linke ernten Kritik statt Beifall
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00:16 20.02.2015
Manfred Hoppach, ehemaliger Vorsitzender des Betriebsrats.

Ehrlich, kritisch und schonungslos — so begegneten etwa 50 ehemalige Beschäftigte der P+S-Werften den beiden Politikern der Linken. Fraktionschef Helmut Holter und die finanzpolitische Sprecherin Jeannine Rösler hatten zu einem öffentlichen Bürgerforum eingeladen.

Seit zwei Jahren sind die beiden Landtagsabgeordneten in einem Untersuchungsausschuss tätig, der klären soll, wer die Insolvenz der Werften zu verantworten hat und was mit den Steuermitteln passierte, die zur Unterstützung in die Schiffbaubetriebe flossen. Sie wollten aufklären. Darüber, dass Land und Steuerzahler zwischen 250 und 270 Millionen Euro verloren. Dass sich die Landesregierung zu wenig für die Geschehnisse auf den Werften interessierte und dass sie sich kein eigenes Bild machte, sondern sich blind auf das Zahlenwerk von Banken und Beraterfirmen verließ.

Es sei viel zu knapp kalkuliert worden. Die Unterstützung in Höhe von 326 Millionen Euro, die im Jahr 2009 von Bund und Land flossen, sei nicht ausreichend gewesen. „Sie haben Spitz auf Knopf gerechnet, sind davon ausgegangen, dass die Werften zwei Jahre später bereits wieder Gewinne einfahren und verzichteten auf einen Finanzpuffer von 100 Millionen Euro“, sagte Rösler. Ein fataler Rechenfehler komme noch hinzu: „Kosten für die Berater und Finanzierungskosten wurden einfach vergessen einzurechnen.“ Es waren keine kleinen Summen, die da vergessen wurden. Zinsen und Gebühren für Kredite schlugen mit 26 Millionen Euro zu Buche — jährlich. Den Beratern wurden in drei Jahren 20 Millionen Euro gezahlt.

Die Millionenbeträge schwirrten nur so durch den kleinen Raum der Wolgaster Volkssolidarität. Ostern 2012 beantragte der damalige P+S- Geschäftsführer eine Rettungsbeihilfe in Höhe von 152 Millionen Euro — die Insolvenz im August konnte diese trotzdem nicht aufhalten. „Ist die Landesregierung blind gewesen?“, fragen die Linken. Dem wird nun seit zwei Jahren von insgesamt elf Mitgliedern des Untersuchungsausschusses auf den Grund gegangen. Sie prüfen unter anderem, ob die Beraterfirma KPMG, die etliche teure Gutachten erstellte, auf Schadensersatz verklagt werden kann.

Etwas beifallheischend blickten die beiden Politiker nach ihrem Vortrag in die Runde. Doch der Applaus für das Engagement des Untersuchungsausschusses blieb aus. Sie sahen zunächst in versteinerte Mienen. Die Menschen, die jahrzehntelang auf der Peenewerft arbeiteten, ihren Beruf und viel Geld verloren, sind sauer. Der erste Redebeitrag kommt von Manfred Hoppach, einstiger Chef des Betriebsrates in Wolgast: „Aufarbeitung ist gut und schön, hilft uns aber nicht weiter.“ Schon die Zwangsehe zwischen der Wolgaster und der Stralsunder Werft sei ein großer Fehler gewesen, so Hoppach. „Seitdem ging es bergab. Es kamen Geschäftsführer, die das Geld der Mitarbeiter veruntreuten. Aber darüber spricht man heute nicht mehr. Spätestens als der Auftrag für die Schiffe der AIDA-Flotte nach Wismar ging, hätte die Landesregierung erkennen müssen, dass dies der Todesstoß für die P+S-Werften war.“

Auch der ehemalige Personalchef Paul Kreismer fand harte Worte: „Für die Menschen, die dort jahrzehntelang in Schicht arbeiteten, ist dieses politische Gezerre beschämend mitanzusehen. Wieso reisten so viele Berater aus den feinsten Hotels in unsere Werft? Wieso wurden Geschäftsführer eingestellt, die von Tuten und Blasen keine Ahnung hatten und wieso hat die Landesregierung kein Zahlenwerk aus der Buchhaltung angefordert?“ Eine Frage lag den meisten Zuhörern auf der Zunge und wurde von einer ehemaligen Buchhalterin ausgesprochen: „Wie teuer ist eingentlich die Untersuchungskommission?“ Die Werftler erfuhren, dass alle fünf Fraktionen des Ausschusses jeweils einen Referenten, einen Sachbearbeiter und ein Sekretariat für die Arbeit im Untersuchungsausschuss bezahlen. Für die früheren Angestellten ein Hohn. Sie boten ihre Hilfe an, falls die Politiker noch Fragen zu den Geschehnissen auf der Werft hätten — kostenlos.

Jetzt verdienen sich nur noch die Anwälte eine goldene Nase an der Insolvenz der Werften. Es ist beschämend mitanzusehen.“Paul Kreismer, Personalchef



Carolin Riemer

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