Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Usedom Marie le Claire will Unimedizin aus den roten Zahlen steuern
Vorpommern Usedom Marie le Claire will Unimedizin aus den roten Zahlen steuern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 28.07.2016

Zahlen sind ihre Welt, analytisches Denken ihre Stärke, Transparenz ihre Strategie. Marie le Claire ist angetreten, um das Universitätsklinikum Greifswald aus dem Minus zu manövrieren. Das wiegt aktuell immerhin 14,3 Millionen Euro schwer. Zu Beginn des Jahres hat die 34-Jährige die Position des kaufmännischen Vorstands übernommen.

In wenigen Wochen will sie ihr Sanierungskonzept den 4500 Beschäftigten des Klinikums vorstellen. 22 Millionen Euro sollen bis 2019 eingespart werden. Auf diesem Rotstift-Posten hat die neue Chefin wenig Chancen, beliebteste Mitarbeiterin zu werden. Aber: „Es ist spannender, ein Unternehmen in einer wirtschaftlich schwierigen Situation zu übernehmen“, findet sie. Genau diese Herausforderung hat sie nach Greifswald geführt.

Ihr Job sei es, Wahrheiten auszusprechen, auch wenn sie unangenehm sind. Dass sie ihren Kurs mit Zahlen belegen kann, helfe ihr dabei. „Veränderungen sind etwas Positives“, meint le Claire – und lässt keinen Zweifel daran, dass das Klinikum die schwarze Null in wenigen Jahren erreichen wird. 2019 oder 2020, die genaue Zeitlinie will sie gemeinsam mit den Mitarbeitern erarbeiten. Viel hänge auch von den Tarifsteigerungen ab, die 2019 anstehen. „Greifswald bringt hervorragende Voraussetzungen mit“, sagt le Claire. Beeindruckt ist sie besonders vom Zusammenhalt der Beschäftigten. „Es ist nicht selbstverständlich, dass die Mitarbeiter in einer wirtschaftlich schwierigen Situation so fest hinter dem Klinikum stehen.“ Unter ähnlichen Bedingungen wie in Greifswald war Marie le Claire vor über sechs Jahren in der Berliner Charité an den Start gegangen. Deutschlands größtes Universitätsklinikum hatte damals ein Defizit von 50 Millionen Euro. Le Claire baute den Bereich Controlling auf, war zuständig für das Budget der über 3000 Betten. „In den letzten drei Jahren war das Ergebnis positiv“, und das sei auch zum großen Teil ihr Verdienst gewesen, sagt le Claire selbstbewusst.

Und weiter: „Ich habe die Strategie in der Krankenversorgung mitentwickelt, hatte viel Freiraum.“ Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité Berlin, bestätigt das: „Marie le Claire hat insbesondere klinische Prozesse durch ihre detaillierten Kenntnisse, ihre lösungsorientierten Vorschläge und ihre Durchsetzungskraft maßgeblich verbessert.“

Dass sie heute die finanziellen Geschicke eines Uniklinikums in den Händen hält, hätte sie als Jugendliche nie gedacht. Lange plante sie Ärztin zu werden wie ihre Eltern, half an Wochenenden und Feiertagen in deren Praxen aus, las mit Begeisterung medizinische Bücher. „In meiner Vorstellung hätte ich nach dem Medizinstudium eine Praxis eröffnet, dabei wollte ich die Welt sehen.“ Also entschloss sie sich 2001, ihrem Faible für Zahlen und Physik zu folgen und an der Technischen Universität Dresden Betriebswirtschaftslehre und Maschinenbau zu studieren. Dass sie von dort wieder zurück in den medizinischen Sektor gelangen würde, war damals kaum denkbar. Management und Controlling spielte in Krankenhäusern noch keine große Rolle. „Erst die Privatisierungen haben den Markt verändert und Wettbewerb gebracht.“

So klar und transparent le Claire über Millionendefizite, Sparkonzepte und berufliche Entscheidungen spricht, so verschlossen ist sie, was ihr Privatleben angeht. „Das trenne ich gerne“, sagt sie.

Nur so viel gibt sie preis: Seit einem halben Jahr wohnt sie in Greifswald, „doch viel gesehen habe ich noch nicht.“ Von 8 bis 18 Uhr drängen sich jeden Tag Termine aneinander, danach arbeitet sie ihre Anrufliste im Büro ab. Wenn sie gegen 20 Uhr nach Hause kommt, reicht die Energie viel zu selten zum Kochen. Obwohl das ganz oben auf der Liste der Dinge steht, die sie gerne häufiger machen würde, ebenso wie Rennrad fahren. Wenn Marie le Claire demnächst in den Sommerurlaub startet, schwingt sie sich mit einem kleinen Rucksack auf ihr Rennrad und nimmt Kurs Richtung Hamburg oder sogar Sylt. 120 bis 150 Kilometer legt sie dann täglich zurück, wie in fast jedem Urlaub. So ehrgeizig wie im Beruf.

Katharina Degrassi

Mehr zum Thema

Erst Nizza, dann die Axt-Attacke bei Würzburg und nun Schüsse in München. Mindestens acht Tote, eine unbekannte Anzahl an Verletzten. Eine „akute Terrorlage“, sagt die Polizei. Angst, Unruhe und Panik machen sich überall in der bayerischen Landeshauptstadt breit.

23.07.2016

OZ-Interviews zur Landtagswahl: Helmut Holter (Linke) verspricht mehr Impulse für die Wirtschaft und Jobs für Langzeitarbeitslose.

01.08.2016

Erst vor kurzem ist das umstrittene Kulturgutschutzgesetz verabschiedet worden. Manche Museen in Deutschland bekommen die Folgen schon zu spüren - andere reagieren gelassen.

25.07.2016

Vier Einsätze pro Jahr in Zirchower Kulturhalle / Anni Genz spendiert ihr privates Kaffeegeschirr

28.07.2016

Der sich Krankheiten einbildende Argan in Molières Komödie über den „Eingebildeten Kranken“ und der Solo-Abend „Wie trinkt man einen Rotwein" bestimmen heute sowie ...

28.07.2016

Fehmaraner Investor bereitet Bauplanung für interaktives Naturkundemuseum vor

28.07.2016
Anzeige