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Usedom Mehr Mut, Kollegen!
Vorpommern Usedom Mehr Mut, Kollegen!
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00:01 07.06.2017
Warnstreiks für auskömmliche Tarifeinkommen gab es in der jüngeren Vergangenheit mehrfach und vielerorts. Unser Bild zeigt Beschäftigte des Schaumkussherstellers Grabower Küsschen. Nach NGG-Angaben erhalten diese Mitarbeiter nur 76,5 Prozent der Tarifeinkommen, die im Osten in der Branche gezahlt werden. Quelle: Foto: Jens Büttner/dpa
Zinnowitz

Das wohl gravierendste gewerkschaftliche Problem auf der Sonneninsel zeigte sich gestern Nachmittag schon, bevor die ersten Argumente ausgetauscht waren: Sage und schreibe zwei Arbeitnehmer aus der Insel-Hotellerie und -Gastronomie waren der Einladung gefolgt, mit ebenfalls zwei Vertretern der Gewerkschaft Nahrung, Genuss und Gaststätten über ihre Arbeitsverhältnisse und eine neue Entgeltforderung zu diskutieren. Zwar hat die NGG eigenen Angaben zufolge landesweit im Dehoga-Bereich rund 700 Mitglieder (bei insgesamt 34000 Beschäftigten), doch eine exakte Zahl für Usedom hatten die Verantwortlichen nicht zur Hand; sie dürfte gegen Null tendieren, ähnlich wie die Zahl der Betriebsräte in Hotels und Restaurants, die bereits vor einigen Jahren durch die Insel-SPD angemahnt worden waren, um Arbeitnehmerrechte besser durchsetzen zu können. Bisher vergeblich.

Die beiden Männer, die gekommen waren, ihre Namen aber nicht in der Zeitung lesen wollen, wissen um die hohe Beschäftigungsbrisanz ihrer Branche auf Usedom. Unmengen an Überstunden, niedrige Löhne und eine enorm stressige, immer länger werdende Saison sowie fehlendes Fachpersonal, was wiederum zu Mehrbelastungen führt. Jörg Dahms, NGG-Geschäftsführer: „Wir wollen die berechtigten Interessen der Mitarbeiter umsetzen helfen, erwägen auch, den zur Zeit gültigen Tarifvertrag zu kündigen, weil Lohnerhöhungen zwingend nötig sind. Aber ohne den nötigen Rückhalt in den Belegschaften werden das für uns ganz schwierige Verhandlungen.“ Die NGG sei derzeit unterwegs, um die Simmungen unter den Mitarbeitern der Branche zu erkunden, weil sie erwägt, den aktuellen Tarifvertrag zum 31.8.2017 zu kündigen. „In Niedersachsen wurde gerade ein neuer Vertrag über 5,2 Prozent mehr Lohn abgeschlossen. Das werden wir nicht schaffen, aber eigentlich wäre hier im Osten noch mehr dringend nötig.“

Von einer Ost-West-Angleichung könne, obwohl längst überfällig, auf absehbare Sicht „leider nicht die Rede“ sein.

Das Problem: Die Gastronomie auf Usedom wolle in der Königsklasse spielen, die Löhne hätten indes bestenfalls Kreisklassen-Niveau, so Dahms. Der Nordosten rangiere deutschlandweit am untersten Ende.

Und sich als Arbeitgeber mit dem Mindestlohn zu brüsten, sei auch daneben, denn der sei für Seiteneinsteiger, nicht aber für gut qualifiziertes Fachpersonal eingeführt worden.

„In den Hotels meckern sehr viele Leute, und das zu Recht. Aber die Konsequenzen daraus ziehen und für die Arbeitnehmerinteressen aktiv werden, das scheuen sie“, sagte einer der anwesenden Angestellten. Was Dahms konterte, indem er all denen, die nicht gekommen waren, aber unzufrieden sind, sinngemäß „mehr Mut!“ wünschte. Die Verhältnisse in der Branche seien auf Usedom extrem und würden sie – durch die Abwanderung vieler junger und guter Leute – insgesamt in Frage stellen. Mittel- und langfristig drohe der Kollaps, waren sich beide Seiten der Mini-Runde einig. Die Gelegenheit, kräftige Forderungen gegenüber den Arbeitgebern aufzumachen, sei jetzt so günstig wie nie zuvor. Ansonsten würden die Häuser Gefahr laufen, ihre eigenen Qualitätskennziffern nicht mehr erfüllen zu können. Und das dürfte doch niemand wollen, oder?!

Steffen Adler

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