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Milchbauern stecken in der tiefsten Krise

Zarnitz Milchbauern stecken in der tiefsten Krise

Der Preis pro Liter Milch ist auf 21 Cent gefallen / Minister Backhaus droht mit Zwangsmaßnahmen

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Die Landwirte und der Minister (2.v.r.) diskutierten über die schwierige Lage der Bauern. Fotos (2): Tom Schröter

Zarnitz. Der anhaltend niedrige Milchpreis stürzt auch hiesige Landwirte zunehmend in eine Existenzkrise. „Aktuell bekommen wir für den Liter Milch nur 21 Cent. Wir brauchen aber mindestens 30 Cent pro Liter, um rentabel produzieren zu können“, berichtete jetzt Philipp Kowolik von der Hohendorfer Peeneland Agrar GmbH. Der Betrieb des Melkzentrums in Zarnitz, in dem etwa 1000 Hochleistungsmilchkühe stehen, bedeute für das Unternehmen daher aktuell ein Zuschussgeschäft.

 

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Es werden diejenigen Un- ternehmen üb- rig bleiben, die am billigsten produzieren.“Philipp Kowolik, Peeneland Agrar GmbH

Quelle: Norbert Fellechner
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Ein Jahr lang halte ich das durch. Aber ändert sich zwei Jahre lang nichts, sieht es schlecht aus.“Juri Lankens, Milchbauer aus Groß Kiesow

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Es werden diejenigen Un- ternehmen üb- rig bleiben, die am billigsten produzieren.“Philipp Kowolik, Peeneland Agrar GmbH

Quelle: Norbert Fellechner
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Ein Jahr lang halte ich das durch. Aber ändert sich zwei Jahre lang nichts, sieht es schlecht aus.“Juri Lankens, Milchbauer aus Groß Kiesow

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) verweist auf die Überproduktion bei Milch in Europa. Allein in Deutschland seien im vorigen Jahr 30 Millionen Tonnen Milch produziert worden — mit steigender Tendenz. „Da muss man sich nicht wundern, wenn die großen Märkte die Preise runtersetzen“, meinte Backhaus in dieser Woche während eines Besuchs in der Zarnitzer Milchviehanlage. Und er fügte hinzu: „Wir müssen auf europäischer Ebene Ware aus dem Markt nehmen, sonst kriegen wir das Problem nicht gelöst.“ Sollten die Molkereien und der Einzelhandel an ihrer Preispolitik nichts im Interesse der Produzenten ändern, bestehe angesichts einer katastrophalen Marktstörung auf EU- Ebene auch die Möglichkeit, für einen gewissen Zeitraum zwangsweise eine Drosselung der Milchproduktion durchzusetzen. „Schon eine Reduzierung von bis zu zehn Prozent lässt den Milchpreis um 10 bis 15 Cent pro Liter ansteigen“, ist sich der Minister sicher. „Wir laufen ansonsten Gefahr, dass Betriebe, die in moderne und umweltgerechte Anlagen investiert haben, aufgeben müssen. Das will ich nicht.“

Backhaus riet den Landwirten bei dem vom ATR Landhandel und Sloten Deutschland organisierten Erfahrungsaustausch in Zarnitz zudem, weit stärker als bisher auf eine eigene Veredlungswirtschaft bei Fleisch, Gemüse und Milch zu setzen, um zum Beispiel den Molkereien nicht weiter gänzlich ausgeliefert zu sein. Im Falle von Peeneland gebe es hierzu seit längerem Gespräche, sagte Philipp Kowolik, ohne aber konkret zu werden. Die Tourismuswirtschaft auf der Insel Usedom wäre sicher ein lukrativer Absatzmarkt für Produkte, die aus der regional erzeugten Milch vor Ort hergestellt werden.

Respekt verlangte den in Zarnitz Versammelten das Engagement von Juri Lalkens ab. Der aus Holland stammende Landwirt hat mitten in der laut Backhaus „tiefsten Milchkrise, die wir je hatten“ in Groß

Kiesow einen 250 Milchkühe zählenden Bestand aufgebaut. Natürlich hat auch er mit dem Preisverfall zu kämpfen. „Ein Jahr lang halte ich das durch. Aber ändert sich zwei Jahre lang nichts, sieht es schlecht aus“, sagte Lalkens.

Philipp Kowolik indes hätte gegen eine zeitweise Zwangsreduzierung der Milchmenge nichts einzuwenden. „Wenn sich denn alle daran halten“, mahnt er aber. Trotz allem, so prognostiziert er, werde letztlich nicht die Politik, sondern der Markt den Krisenverlauf bestimmen: „Es werden am Ende nur noch diejenigen Unternehmen übrig bleiben, die am billigsten produzieren.“

Von Tom Schröter

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