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Usedom Minusgrade: Grundschüler warten stundenlang auf Schulbus
Vorpommern Usedom Minusgrade: Grundschüler warten stundenlang auf Schulbus
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19:50 05.03.2018
Am Freitag hatten die Grundschüler Glück – ihr Schulbus kam recht pünktlich in Rankwitz an. Quelle: Kati Janetzky
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Usedom

Die Schulleiterin der Grundschule Stadt Usedom, Kerstin Witt, ist verzweifelt. In den letzten Tagen kommen immer weniger Kinder in ihrer Schule an. Grund dafür ist der Schulbus. In den letzten Tagen verkehrt die Linie 282 der Usedomer Bäderbahn (UBB) unregelmäßig. Kinder warten bis zu einer Stunde an den Haltestellen – bei Temperaturen um Minus zehn Grad. Die Eltern entscheiden sich deswegen, ihre Kinder zu Hause zu lassen.

„Es ist eine Katastrophe!“

„Im Moment müssen die Kinder jeden Tag an der Bushaltestelle ausharren“, sagt Witt. Die meisten Grundschüler haben keine Handys. Wenn der Bus wieder einmal nicht kommt, können sie weder die Eltern noch die Schule informieren. Die Direktorin berichtet, dass am vergangenen Montag ein Erstklässler eine Stunde lang alleine an der Bushaltestelle in Mellenthin stand und vergeblich auf den Schulbus wartete, um nach Hause zu kommen. Nur durch Zufall sei jemand vorbeigekommen, der die Eltern des Kindes kannte und sie kontaktieren konnte.

„Es ist eine Katastrophe!“, sagt Kati Janetzky aus Krienke. Ihre beiden Kinder gehen auf die Usedomer Grundschule. Am Dienstag mussten die sechsjährige Katharina und der neun Jahre alte Sebastian gemeinsam mit zwei weiteren Kindern eine dreiviertel Stunde lang auf den Anschlussbus in Mellenthin warten. Schließlich holte der Großvater eines Kindes die Schüler ab. Auch am Vortag sei der Schulbus viel später als geplant gekommen. „Die Kinder waren nass und total durchgefroren. Wegen des Schnees waren die Hosen bis zu den Knien nass, und das bei neun Grad Minus“, sagt Janetzky. Die Mutter will sich nicht mehr auf die UBB verlassen. Gemeinsam mit anderen Eltern organisiert die 42-Jährige Fahrgemeinschaften. Wenn mal keiner fahren kann, bleiben die Kinder einfach zu Hause.

Schneeverwehung zwingt Räumfahrzeug in die Knie

Grund für den Busausfall in Mellenthin sei der Fehler eines Busfahrers gewesen, erklärt Geschäftsführer der UBB Jörgen Boße. „Der Fahrer hat nicht auf den Anschlussbus gewartet und ist weitergefahren.“ Das Unternehmen habe den Fall ausgewertet und eine ausdrückliche Weisung an alle Busfahrer herausgegeben, auf Anschlüsse zu warten. „So etwas darf nicht wieder passieren. Ich entschuldige mich dafür im Namen des Unternehmens“, so Boße.

Weitere Verspätungen seien auf die Witterung zurückzuführen, erklärt der Geschäftsführer der UBB. Es sei ganz normal, dass Busse bei Minusgraden mal nicht anspringen oder auf der „Buckelpiste“ aus Eis und Schnee langsamer fahren. „Bei den widrigen Wetterverhältnissen müssen wir die Sicherheit gewährleisten“, sagt Boße. Aufgrund der Schneefälle sei in einigen Bereichen der Insel die Schülerbeförderung beeinträchtigt worden, bestätigt Sprecher des Landkreises, Achim Froitzheim. „In mindestens einem Fall gab es derart hohe Schneeverwehungen, dass selbst ein Räumfahrzeug keine Abhilfe schaffte und ein Schulbus nicht mehr weiter fahren konnte.“

Keine aktuellen Informationen im Info-System

Über mögliche Verspätungen informiere die UBB laut Jörgen Boße über Facebook. Auch seien Verspätungen online im GPS-basierte Informationssystem für jedermann in Echtzeit einzusehen. An jeder Haltestelle befinde sich ein QR-Code. „Zum Fahrplanwechsel haben wir alle Schulen über das System informiert. Jetzt sollten die Lehrer es auch nutzen.“ Jede Verspätung telefonisch mitzuteilen, sei schlicht nicht möglich.

Auch Schulleiterin Kerstin Witt bekam Anfang des Jahres eine E-Mail von der UBB. Doch das Informationssystem hilft ihr nicht weiter: Gestern gab es beispielsweise zu keinem der Busse in Mellenthin aktuelle Informationen. Bei Facebook fehlten während der ganzen Woche Hinweise auf Verspätungen bei der Linie 282. Witt erhebt Vorwürfe gegen die UBB: „Klar kann es passieren, dass ein Bus nicht kommt, aber wir werden überhaupt nicht informiert.“ Auch ein Anruf bei der UBB nütze nichts, am Telefonhörer fühle sich keiner zuständig, erzählt Kati Janetzky. Möglicher Grund dafür: der hoher Krankenstand während der Grippesaison bei den Verantwortlichen, sagt Geschäftsführer Boße.

Alexander Salenko

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