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Mit 200 Sachen zurück auf die Erde

Zirchow Mit 200 Sachen zurück auf die Erde

Es war das Geschenk der besonderen Art: Ein Tandemsprung aus 4000 Metern Höhe.

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Und dann geht es ganz schnell. Etwa 50 Sekunden dauert der freie Fall. Mit einem Ruck geht es über in den Gleitflug.

Quelle: skydive-mv

Zirchow. Die Insel Usedom aus der Luft geizt nicht mit ihren Reizen. Hier die kleinen Seen, dort die nicht enden wollende Ostsee, auf der anderen Seite das Achterland.

OZ-Bild

Es war das Geschenk der besonderen Art: Ein Tandemsprung aus 4000 Metern Höhe.

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Diese Motive kannte ich bisher nur von typischen Postkarten. An etwas anderes hatte ich bisher auch nicht gedacht – bis mir Freunde einen Tandemsprung schenkten. Nach langer Zeit war es nun soweit und ich wagte beim Sommerlager der Fallschirmspringer in Zirchow endlich den Sprung.

Mein Pilot hieß Timm, etwa Mitte 40, schlank und ein sportlicher Typ. Durch seine Ruhe verliere ich schnell die Nervosität. Respekt hat wohl jeder vor so einem Sprung, aber keine Angst. Neben mir sind noch vier junge Frauen, die alle zum ersten Mal springen wollen. Auf die Frage nach dem „Warum“ kommt in der Regel immer nur eine Standard-Antwort: Es war ein Geschenk. Na dann, willkommen im Club.

Timm ist ein erfahrener Pilot und das beruhigt mich. Auf seinem Konto stehen schon mehr als 3500 Sprünge. Tandem, allein oder in der Formation – so ziemlich alle Kunststücke kann der Mann. Nach den Formalitäten geht es zum Anziehen des Overalls. Etwas ungewohnt, wenn es überall klemmt. Theoretisch gehen Timm und ich den Flug durch. Wichtigste Regeln: Spaß haben und immer das machen, was Timm erklärt.

Eigentlich ist Tandemspringen eine ungefährliche Sache. Zugegeben auch ziemlich schmerzfrei. „Einfach die Knie nach oben ziehen und die Beine strecken. Dann kann eigentlich nichts passieren. Sollten die Beine unten sein, könnte man stolpern“, erklärt mir Timm.

Es geht ins Flugzeug, die Aufregung steigt. Wie auf einer Perlenkette aufgereiht sitzen wir in der D-Fixx, einem einmotorigen Flugzeug. Allmählich hebt die Maschine ab. Aus dem Fenster sehe ich die Kaiserbäder, Swinemünde, das Stettiner Haff – eine tolle Kulisse. Nur weiß ich zu dem Zeitpunkt, dass ich nicht mit dem Flugzeug unten lande, sondern sich gleich das Rolltor öffnet und wir hinaus springen.

Timm zeigt mir seinen Höhenmesser am Handgelenk. 2500 Meter, 3000 Meter, 3500 Meter – gleich ist es soweit. In 4000 Metern Höhe geht es steil nach unten. Dann rollt die Tür nach oben. Draußen pfeift der Wind. Mein erster Gedanke: Jetzt gibt es kein zurück mehr. Timm hängt seine Karabinerhaken bei mir ein. Wir sind fest verbunden, schieben uns nach vorn zum Ausgang. Unter uns sind größere Wolkenschichten, mittendrin erkenne ich das Haff.

Jetzt heißt es: Hände auf die Brust und Spaß haben – so wie Timm es vorgeschrieben hat. Der Begleitspringer springt im gleichen Augenblick nach unten. Angst? Fehlanzeige. Schreien? Gar keine Zeit!

Was denn? Staunen!

Es ist ein Gefühl, als würde ich vor einem riesigen Lüfter stehen, der uns den Wind ins Gesicht bläst. Etwa 50 Sekunden dauert der freie Fall – ein Gefühl der Schwerelosigkeit. In der Zeit legen wir mehr als zwei Kilometer zurück. Bei etwa 1600 Metern öffnet sich der Schirm – wie eine Vollbremsung auf der Autobahn.

Jetzt beginnt der entspannte Teil des Abenteuers. Unter uns ist bereits die Landebahn zu sehen. Am Horizont erstrecken sich die beiden Gasterminals von Swinemünde, etwas weiter links davon sieht man die Seebrücken der Kaiserbäder. Eine tolle Aussicht!

Im Vorfeld meinte Timm, dass wir „hier vorn“ landen. Hätte ich vor dem Sprung eine Postkarte auf die Landebahn gelegt und hätte gesagt: Hier landen wir! Ich glaube, er hätte es geschafft.

Am Boden sehen wir schon die Freunde, die uns den Sprung „eingebrockt“ haben. Sie winken, fotografieren und freuen sich. Wir landen. Eine Begleitung meinte, dass sie beinahe aufgeregter war als wir.

Die Landung war so, als würde ich mich auf den Bürostuhl setzen – butterweich. Hände hoch – geschafft! Timm und ich klatschen uns ab.

Nach dem Sprung warten bereits die nächsten Wagemutigen auf ihr Abenteuer. Den Fallschirm legt Timm danach zusammen. „Das Prozedere funktioniert fast wie bei einem Schlafsack. Es ist ganz einfach“, sagt er.

Würde ich es wiedertun? Klare Antwort: Ja! Es hat auf jeden Fall Suchtpotential.

Geschichte

Die Geschichte des Fallschirmspringens geht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Das italienische Allround-Genie Leonardo da Vinci (1452–1519) fertigte im Jahr 1483 die Zeichnung eines pyramidenförmigen Fallschirms aus Leinen und Holz an. Erst im Jahr 2000 wurde getestet, ob dieser funktionieren kann – er funktionierte. Forscher fanden heraus, dass der Flieger sanfter fliegt als moderne Fallschirme. Damals wog der Schirm etwa 90 Kilogramm. Jedoch war er bei der Landung ohne seine Lenkung nur schwer zu handhaben. Einer Saga zufolge soll der Fausto Veranzio im Jahr 1617 als erster Mensch mit einem Fallschirm gesprungen sein.

Hannes Ewert

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