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Mit Geschichtsjägern im Sperrgebiet

Peenemünde Mit Geschichtsjägern im Sperrgebiet

TV-Moderator Wigald Boning dreht für Doku-Reihe in der einstigen Nazi-Rüstungsschmiede in Peenemünde

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Am Prüfstand VII: Der Berliner Fritz Meinecke teilt seine vielen Abenteuer im Internet mit der Welt unter „End of the Comfort Zone“.

Peenemünde. Erst Tschernobyl, jetzt Peenemünde – historische Orte, die für spannende Geschichten und verlassene Gegenden stehen. Genau da fühlen sich Hobbyforscher Wigald Boning und Fritz Meinecke, Urban Explorer (private Erforschung von Einrichtungen), richtig aufgehoben. Beide stehen derzeit vor der Kamera für das neue Doku-Format „Wigald & Fritz – Die Geschichtsjäger“. Die Eigenproduktion des TV-Senders History, der sich vor allem Dokumentationen widmet, wird ab November 2016 ausgestrahlt. TV-Ikone Boning, lässig im grünen Poloshirt und beigefarbener kurzer Hose, geht mit Meinecke in sechs Episoden auf geschichtliche Entdeckungstour. Fünf Folgen sind im Kasten. Der finale Dreh fand gestern in Peenemünde statt – im Sperrgebiet.

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TV-Moderator Wigald Boning dreht für Doku-Reihe in der einstigen Nazi-Rüstungsschmiede in Peenemünde

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Vergessen, verlassen, unzugänglich, versteckt – dafür steht ein Großteil des Geländes der ehemaligen Heeresversuchsanstalt in Peenemünde. Während der NS-Zeit war die Anlage eine der modernsten Technologiezentren der Welt und die Kriegswaffenschmiede Nummer eins von Adolf Hitler. Eng verbunden mit dem Ort ist Wernher von Braun, der im Auftrag der Nazis an den Raketen forschte.

Mit Christoph von Braun hatten Boning und Meinecke den Neffen des Raketenwissenschaftlers an ihrer Seite, um mit ihm auch über die todbringende Schaffenskraft seines Onkels zu sprechen. Für Boning, der übrigens das erste Mal auf Usedom war, eine spannende Begegnung. „Der Mann war beim Start für den ersten Mondflug 1969 in Florida dabei. Jetzt ist er nach fast 71 Jahren das erste Mal hier, um dem Wirken seines Onkels in Peenemünde auf den Grund zu gehen“, so Boning, der sich mit der Geschichte Peenemündes schon lange beschäftigt. „Auf der einen Seite steht die bestechende Ingenieurleistung, auf der anderen Seite die zügellose Grausamkeit“, sagt der bekannte Moderator und bezieht sich auf den Einsatz tausender Zwangsarbeiter, Kriegsgefangener und KZ-Häftlinge. Die Filmcrew drehte deshalb auch am ehemaligen KZ Arbeitslager Karlshagen. „Kamera läuft“ hieß es auch auf der Straße am Flughafenring, am Kölpinsee und dem sogenannten Polanski-Tor. Der Eingangsbereich ins Sperrgebiet war 2009 Drehort für den Polit-Thriller „The Ghostwriter“ von Kult-Regisseur Roman Polanski.

„Alle wollen aber zum Prüfstand V II“, erklärte Thomas Köhler, Archivar im Historisch-Technischen Museum Peenemünde, und Begleiter der Filmcrew. Regisseur Erik Waechtler ließ sich nicht lange bitten.

„Wir drehen“ hieß es dann mit Boning, Meinecke und von Braun an der Abschussstelle der A4-Raketen. Daran erinnert heute ein großer Stein. Vom großen Ringwall, in dem auch der Startleitstand eingebettet war, ist am Prüfstand VII kaum noch etwas zu sehen. Hier ist alles zugewuchert. Boning findet es trotzdem spannend: „Wenn man vor Ort ist, bekommt man einen ganz anderen Bezug. Die Größe der Denkmallandschaft hätte ich mir nie vorstellen können.“ Damit es auch Bilder vom Ringwall gibt, lässt Kameramann Oliver Ackermann die Drohne aufsteigen.

Währenddessen gibt Christoph von Braun einen kleinen Einblick in sein Seelenleben, während er vor dem Stein der Abschussstelle steht. „Emotional berührt mich das schon, weil es ein historischer Platz ist. Das ist vergleichbar mit der Stelle, wo Columbus an Land ging“, macht der Neffe auf die Bedeutung als Wiege der Raumfahrt aufmerksam. „Das ist aber nicht Familie“, betont der 70-Jährige, der heute in München lebt.

Erfolg mit „Die Doofen“

Wigald Boning (geboren am 20. Januar 1967 in Wildeshausen) ist ein deutscher Komiker und Moderator. Darüber hinaus ist er als Komponist, Musiker und Autor tätig. Einem breiten Publikum wurde er durch die Comedy-Sendung „RTL Samstag Nacht“ bekannt. Popularität erlangte er dort durch die Arbeit mit Olli Dittrich in der mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Interview-Persiflage „Zwei Stühle – eine Meinung“ sowie als Musik-Duo „Die Doofen“. Mit Bernhard Hoëcker moderierte er das satirische Wissensmagazin „Nicht nachmachen!“

VIER FRAGEN AN...

1Wie haben Sie Ihren Onkel, Wernher von Braun, erlebt? Ich habe ihn etwa 20 Mal getroffen. Er war in Amerika, als ich noch Kind war. Er hatte eine ungewöhnliche Ausstrahlung.

2Worüber haben Sie sich bei ihren Treffen unterhalten? Ging es auch um die Nazi-Zeit in Peenemünde? Nein. Über Peenemünde haben wir nicht gesprochen. Das war eher ein Thema zwischen ihm und meinem Vater, der Diplomat war. Als ich später meine Doktorarbeit über Nachrichtensatelliten schrieb, haben wir darüber diskutiert. Wir haben viel über Technik gesprochen. Er war aber weder Erfinder noch Wissenschaftler sondern ein guter Manager. Und trotzdem las er Goethe.

3Werden Sie Peenemünde noch einmal besuchen? Ja, auf alle Fälle. Ich will mit meinen Kindern wiederkommen. Die Insel ist sehr schön.

4Was machen Sie beruflich?

Ich bin noch beratend in der Industrie tätig.

Interview: Henrik Nitzsche

Henrik Nitzsche

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