Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Usedom Mit Runges durch Wolgast lustwandeln
Vorpommern Usedom Mit Runges durch Wolgast lustwandeln
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 11.05.2017
Schlüpften am Dienstagabend in Rollen und Kostüme (v.l.): Karin Braun und Wolfgang Bode als Runges Eltern sowie Brigitte Müller und Dr. Siegfried Kruse als Ehepaar Kosegarten. Quelle: Fotos: Tom Schröter

Seit Philipp Otto Runge (1777-1810) seine Heimatstadt Wolgast erkundete, hat sich an mehreren Stellen im Ortskern nicht allzu viel verändert. Das alte Rathaus stand schon, als der berühmte Wolgaster Sohn vor 240 Jahren geboren wurde, ebenso die Apotheke und die St. Petri-Kirche – damals freilich noch mit barockem Turmhelm. Es lohnt sich also, aus dem Blickwinkel Runges als dem heranwachsenden Begründer der Romantik den historischen Stadtkern zu durchstreifen.

Die Museumstage luden zu einer abendlichen Exkursion auf den Spuren des Malers ein

Etwa 25 Interessierte fanden sich am Dienstagabend auf dem Marktplatz ein. Im Rahmen der 20. Museumstage ließen sie sich für etwa anderthalb Stunden in Runges Kinder- und Jugendjahre in Wolgast entführen. Und sie gerieten schon bald ins Staunen, wie viele Spuren des begabten Künstlers es bis heute zu entdecken gibt. Kaum jemand wusste zum Beispiel, dass Runge die Darstellung des slawischen Bildsteines, der links neben dem Haupteingang im Fundament der St. Petri-Kirche ruht, offenbar in seinen berühmten „Vier Tageszeiten“ verarbeitet hat.

Runges Eltern selbst lenkten die Schritte der Spaziergänger an der Häuserzeile des Kirchplatzes entlang. Brigitte Müller und Dr. Siegfried Kruse vom Philipp Otto Runge-Klub fungierten, in zeitgenössische Roben gehüllt, als Magdalena Dorothea, geb. Müller, und deren Ehemann Daniel Nikolaus Runge, während Wolfgang Bode und Karin Braun als Dichter und Runges Lehrer Ludwig Gotthard Kosegarten (1758-1818) und dessen Frau auftraten. Kosegartens Einfluss auf den Frühromantiker Runge ist unbestritten. Die kunstvollen Schilderungen seines wortgewandten Lehrers, der von 1785 bis 1792 als Rektor der Knabenschule in Wolgast wirkte, trugen zu Runges Prägung bei.

Doch wo hat Kosegarten, der die „schöne helle, hochgewölbte Kirche“ und den „tiefen, weiten und schiffreichen Hafen“ von Wolgast pries und wissbegierig in der Dämmerung die Schlossruinen bestieg, einst gewohnt? Am Kirchplatz 1 oder zwei Häuser weiter. Hier geben seine eigenen Schilderungen bis heute Rätsel auf.

Runge hingegen, das ist sicher, lebte ab seinem zehnten Lebensjahr im Elternhaus in der Burgstraße 8. Am Fenster linkerhand des Eingangs lehnte er, als er im Knabenalter das sich vor ihm ausbreitende Straßenpanorama als Zeichnung in einem Poesiealbum verewigte – die Ansicht ist den Wolgastern bis heute vertraut. Das Grundstück nebenan, Burgstraße 7, lag seit der Brandschatzung der Stadt durch russische Truppen im Jahr 1713 noch immer wüst. Bis Runges Bruder Jacob den Flecken kaufte und das frühere Wohnhaus wiedererrichtete. Zum erhaltenen Inventar gehört unter anderem der mit Stralsunder Fayencen verkleidete Ofen im Hausflur, den die Abendspaziergänger begutachteten, und im Wohnbereich eine zwei mal drei Meter große Wandnische, in der Runge eigentlich sein Bild „Heimkehr der Söhne“

als erstes bürgerliches großformatiges Monumentalbild im romantischen Stil platzieren wollte.

Leider verhinderte Runges früher Tod die Ausführung des Werkes, das lediglich in Skizzenform Gestalt gewann und das auch das Gartenhaus der Familie auf dem Hinterhof zeigt. Hier wohnt nun seit 15 Jahren der Kirchenmusiker und Zeichner Clemens Kolkwitz, der, am Bechstein sitzend, die Gäste einlud, kurzen Klavierstücken von Haydn, Beethoven und Debussy zu lauschen. Dem kühlen Frühjahr gebietend, wärmte sich die Zuhörerschar derweil mit Glühwein. Eine urgemütliche Atmosphäre umfing die gesamte Szenerie. Kolkwitz, das wurde deutlich, genießt das Ambiente des besonderen Ortes. „Das Haus hat mehrere kleine Räume und eine Gesamtfläche von 54 Quadratmetern. Damit ist es etwa doppelt so groß wie eine spätere Datsche“, klärte der Künstler die gutgelaunte Runde auf.

Weiter ging der Weg in den uralten Gewölbekeller, wo Vater Runge und Kosegarten manchen gesprächigen Abend bei gutem Wein verbrachten, und schließlich zu dem in der Kronwiekstraße, also außerhalb der Stadtmauer 1763 errichteten Geburtshaus Philipp Otto Runges. Runge, so erfuhren die Umstehenden, war ein kränkliches Kind und konnte oft nicht zur Schule. Auch dies erwies sich als förderlicher Umstand. Denn er lernte bei seiner Mutter den Scheren- und Holzschnitt und hörte Märchen, was, wie bekannt, seine künstlerische Ader zum Pulsieren brachte.

20. Wolgaster Museumstage

wird um 16 Uhr im Lapidarium auf dem Alten Friedhof der restaurierte Grabstein von Friedrich Runge, Sohn Jacob Runges, aufgestellt.

Der 1. Kreativtag auf dem Fährschiff „Stralsund“ folgt am 20. Mai ab 10 Uhr. Hobbykünstler regen Interessierte an, kreativ tätig zu werden. Für Essen und Trinken ist gesorgt.

Zur Entdeckungstour in der Altstadt, einer Führung für Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren, wird am 24. Mai um 15 Uhr eingeladen.

Info: www.museum.wolgast.de

Tom Schröter

Im Turm der Wolgaster St. Petri-Kirche sollen bronzene Klangkörper das alte Stahlgeläut ablösen

11.05.2017

BI-Chefin Kieser: Wir machen weiter / Druck auf Politik soll hoch bleiben

11.05.2017

Bei Mölschow auf der Insel Usedom kam es am Mittwochnachmittag zu einem schweren Unfall, bei dem ein ... leicht verletzt wurde. Es bildete sich ein großer Rückstau.

10.05.2017
Anzeige