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Mit dem Wägelchen von Stralsund nach Helsinki

Karlshagen Mit dem Wägelchen von Stralsund nach Helsinki

Guido Lange aus Rheinland-Pfalz nimmt seit dem 1. Mai die rund 2000 Kilometer lange Strecke laufend auf sich

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Karlshagen. Es ist windig, nass und kalt. Nur die wenigsten ziehen bei den Bedingungen ihre Laufschuhe an und drehen eine sportliche Runde. Guido Lange aus Nörtershausen in Rheinland-Pfalz stören die Bedingungen kaum. Der 53-Jährige hat ganz andere Pläne, denn am 12. August will der Sportler in Helsinki mit hochgerissenen Armen die Ziellinie des dortigen Marathons überqueren. Diese Ziellinie ist zeitgleich seine magische Grenze von 2000 Kilometern, die er bis dahin laufen möchte. Am Montag startete der gebürtige Salzwedeler am Stralsunder Hauptbahnhof. Über Stahlbrode, Greifswald und Lubmin kam er gestern nach Karlshagen auf Usedom. Am Wochenende verlässt er deutsches Territorium und bricht nach Polen auf.

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Guido Lange aus Rheinland-Pfalz nimmt seit dem 1. Mai die rund 2000 Kilometer lange Strecke laufend auf sich

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Seine Habseligkeiten verstaute er in einem Ziehwagen. „Das sind 30 Kilogramm Gepäck – vom Pflaster bis zum Kochtopf. Auch ein Zelt und eine Isomatte sind dabei“, sagt er. Bevor er morgens losläuft, muss der Wagen nach bestimmten Kriterien verpackt werden. „Nichts ist schlimmer, als wenn er ins Schlingern kommt“, erklärt er. Das Gefährt ist für steile Abhänge sogar mit einer Handbremse ausgestattet.

Eigentlich arbeitet Guido Lange im Vertrieb von Zeitschriften, doch für sein Lauftrip nach Helsinki nahm er sich eine viermonatige, berufliche Auszeit. „Unsere Zentrale befindet sich in Hamburg und jedes Mal, wenn ich in Frankfurt/Main in den Zug steige, denke ich, dass ich bis zur Endhaltestelle Binz fahren möchte. Nun hab ich es (fast) getan“, sagt er. Für ihn war es die Sehnsucht Meer und Abenteuer. „Die Route habe ich wochenlang vorbereitet, eine Unterkunft nur in Kaliningrad gebucht, dem ehemaligen Königsberg. Aufgrund des Visums muss das so sein“, erklärt er. Ansonsten will Guido Lange dort anhalten, wo es ihm gefällt. „Ich bin kein Extremsportler, sondern ein Etappenläufer“, betont er. Rund 25 Kilometer sollen pro Tag zusammenkommen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei sieben Minuten pro Kilometer. Mit dem Ziehwagen geht es etwas langsamer“, sagt er. Sportliches Ziel seiner Reise ist, „zäher und stabiler“ zu werden. „Danach möchte ich einen Ultramarathon beim Rennsteiglauf in Thüringen mit mehr als 72 Kilometern absolvieren.“ Seit knapp sieben Jahren läuft Guido Lange regelmäßig. „Ich werde stressresistenter beim Laufen. Es ist fast wie eine Meditation“, betont er. Körperlichen Ausgleich vom Laufen findet er beim Jonglieren. „Die Bälle habe ich in meinem Ziehwagen dabei.“

Über seine bisherige Route durch Vorpommern kann er bisher nur Positives berichten. „In kleinen Dörfern wird man schon mal beäugt, wenn man mit einem erfrischenden ,Moin’ die Leute begrüßt. Dann kommt oft ein kurzes ,Mo’ zurück. Ich liebe diese kleinen sprachlichen Feinheiten“, sagt er.

Zurück nach Hause geht es übrigens nicht mit dem Flieger, sondern mit dem Schiff. „Die Reise soll so kohlenstoffdioxidarm wie möglich gestaltet werden“, erzählt der Läufer. Seine Frau, die übrigens auch Ausdauersport betreibt, besucht ihn während der Reise nicht. „Ich bin vollkommen auf mich allein gestellt. Hoffentlich bekomme ich in zehn Tagen nicht die erste Krise.“

Unterstützung bekam der Ausdauerläufer auf Usedom von Ferienwohnungsvermieterin Vicky Müller, dem Eigenbetrieb Karlshagen, Sabine Schlechter und Krister Hennige mit „Schlechters Feriendomizil“ in Kölpinsee und der Jugendherberge in Ahlbeck von Familie Dumke. „Ich wurde auf Usedom mit offenen Armen empfangen. Das war schön“, sagt er.

Täglich schreibt er seine Erlebnisse in seinem Blog auf. Im Netz ist dieser unter www.abenteuerbaltikum.wordpress.com zu sehen.

Hannes Ewert

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