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Mitten in der Milchkrise: Bauer investiert Millionen

Kemnitz Mitten in der Milchkrise: Bauer investiert Millionen

Klaus-Dieter Augustin setzt auf Zukunft / Andere geben Kuhhaltung auf

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Kemnitz. . Großinvestition trotz Milchmarktkrise: Während ein Bauer nach dem anderen die Kuhhaltung aufgibt, setzt Klaus-Dieter Augustin aus Neuendorf alles auf eine Karte.

Krise

Die aktuelle Milchmarktkrise setzte 2015 ein und dauert bis heute an.

Eine schlechte Raps- und Getreideernte sowie ein um 25 Prozent

geringerer Preis für diese Kulturen verhinderten, dass Landwirte Mindereinnahmen in der Milchproduktion mildern bzw. wettmachen konnten. In ihrer Not verkauften einige Bauern Flächen, um liquide zu bleiben.

Bei Kemnitz ließ der 51-Jährige eine der modernsten Stall- und Melkanlage des Greifswalder Umlands errichten – geschätzte Kosten: mehrere Millionen Euro.

Fast 600 Tiere will Augustin hier unterbringen und seinen Bestand damit um 300 erhöhen. Und das, obgleich er wie die allermeisten Landwirte in den vergangenen ein, zwei Jahren kein Geld mit Milch verdient hat. „Um rentabel zu sein, braucht ein normaler Milchbetrieb 35 Cent pro Liter. In diesem Jahr gab es durchschnittlich 22 Cent“, macht Gerd Rupnow, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, die heikle Situation deutlich.

Als Klaus-Dieter Augustin im April den Boden für seine neue Stallanlage ausschachten ließ, erhielt er die erste Milchabrechnung, die unter 20 Cent pro Liter lag. Dennoch trieb er sein Projekt voran.

„Die Finanzierung stand. Steuerberater und Landgesellschaft und Familie meinten, es kämen auch wieder andere Zeiten.“ Elf Monate hatten Augustin und Partner für den Bau der neuen Anlage eingeplant.

„Es war absehbar, dass sie vor März 2017 nicht fertig werden würde. Unser Kalkül war, dass die Milchmarktkrise bis dahin abklingt und der Preis wieder steigt“, sagt der Landwirt. Es scheint, als habe der Neuendorfer den richtigen Riecher gehabt. Das weltweite Milchüberangebot, das zu den Niedrigpreisen führte, klingt gerade ab. „Nach dem Aus nicht weniger Kuhhalter wird in Deutschland nun vier bis viereinhalb Prozent weniger Milch produziert“, weiß Augustin. Der Preis für den Liter ist im Spätherbst auf 30 Cent gestiegen, Tendenz steigend. Das lasse hoffen, räumt Kreisbauernchef Gerd Rupnow ein. Ob es so bleibt, wage er nicht vorherzusagen. Wer wie Augustin an der Milchproduktion festhalte, spekuliere wohl auf eine Wende. Tatsächlich ist Klaus-Dieter Augustin zuversichtlich, ein Auf und Ab des Milchpreises mit seiner neuen Anlage künftig besser verkraften zu können. Mit ihr könne er seinen Viehbestand verdoppeln, den Tieren mehr Komfort bieten und damit die Milchproduktion effektiver gestalten. Auch die Zucht langlebiger Milch- und Schaukühe, ein Steckenpferd des Neuendorfers, lasse sich unter den komfortableren Bedingungen ausbauen. Schon jetzt gilt Augustin landesweit als Vorzeige-Milchbauer: Die durchschnittliche Lebensleistung seiner Kühe – 46- bis 50000 Liter Milch – ist fast doppelt so hoch wie der Landesdurschnitt, der bei 26- bis 27000 Liter liegt. „Wir haben Tiere, die geben mehr als 100000 Liter im Leben. Einige sind zehn Jahre und älter.“ Tiere aus Augustins Stall sind begehrt. „Bemerkenswerterweise war das Geschäft mit Zuchtvieh zunächst nicht von der Milchkrise überschattet“, schildert der Bauer. Er hat diesen Umstand ausgenutzt und mehr Vieh auf Auktionen verkauft als in normalen Zeiten. Auch so konnte er die außergewöhnlich langanhaltende Milchkrise überstehen.

Sieben Landwirtschaftsbetrieben im Altkreis Ostvorpommern gelang das nicht. „Die meisten Milchviehhalter sind in große Schwierigkeiten gekommen“, betont Kreisbauernchef Gerd Rupnow. Das Land habe angeboten, Agrarflächen aufzukaufen, um den Betroffenen so zu Geld zu verhelfen. Der Agrar GmbH Spantekow habe das nichts genutzt. Sie habe die Milchproduktion eingestellt. Bei der Agrar GmbH in Murchin wurde dem Stallpersonal dieser Tage gekündigt. 2017 soll auch hier keine Kuh mehr gemolken werden.

Sven Jeske

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