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Morgenitz rettet seine beliebteste Eiche

Morgenitz Morgenitz rettet seine beliebteste Eiche

1997 traf ein Blitz den Baum / Seile sichern Äste / Bürgermeister Meier setzt auf weitere Pflegeschnitte

Morgenitz. Bernd Meier steht vor seinem Haus in Morgenitz und blickt die Dorfstraße herunter. „Das sieht doch traumhaft aus mit den ganzen Bäumen“, meint der Bürgermeister.

„Bald blüht alles und dann ist es hier richtig schön.“

Besonders stolz ist Meier auf die alte Eiche in der Ortsmitte. „Das ist eine Kaisereiche, die vor etwa 150 Jahren zu Ehren von Kaiser Wilhelm II gepflanzt wurde“, erklärt er. An der Eiche führen die Straßen aus Suckow, Krienke und Mellenthin zusammen. Wer in den kleinen Ortsteil von Mellenthin fährt, sieht sie schon von Weitem. „Sie gehört ins Dorf“ meint Anwohnerin Ursula Haney. „Jeder kennt sie. Es würde etwas fehlen, wenn die plötzlich weg wäre.“

Im Frühling vergangenen Jahres wäre dieses Szenario beinahe eingetreten. „In einem Gutachten wurde eine hohe Verkehrsgefährdung durch die Eiche festgestellt“, sagt Meier und erklärt: „Sie war stark beschädigt.“ Schuld daran ist ein Blitzeinschlag, der vor 19 Jahren passierte. Dabei wurde die Baumkrone gespalten, einige große Äste drohten immer mehr wegzubrechen. „Mir ist nie aufgefallen, wie beschädigt der Baum war“, gesteht der 62-Jährige, der seit 2014 Bürgermeister Mellenthins ist. „Einige Anwohner haben mich darauf aufmerksam gemacht. Hinweise aus der Bevölkerung sind da sehr wichtig.“

Die Gutachter machten Vorschläge, wie der Baum gerettet werden könnte. „Das hat uns gefreut. Ansonsten hätten große Teile weggeschnitten werden müssen“, sagt der Morgenitzer. „Das hätte die Statik und den Charakter der Eiche verändert.“

Die Rettungsmaßnahmen wurden im Februar diesen Jahres abgeschlossen: Totes Holz sowie lockere Äste wurden entfernt und der gefährdete Teil der Baumkrone mithilfe von Seilen gefestigt. „Die halten bis zu vier Tonnen aus“, erklärt Meier. „Sollte ein Sturm dazu führen, dass die Äste, die damals durch den Blitz gespalten wurden, abbrechen, fangen die das auf.“

Und so bleibt die Eiche ein Wahrzeichen von Morgenitz. „Sie bietet den Vögeln Brutplätze und schützt die Anwohner“, sagt Meier und zeigt auf die anliegenden Wohnhäuser. „Sonst hätte der Blitz damals wohl dort eingeschlagen.“

Davon ist auch Werner Schmurr überzeugt, dessen Haus rechts neben der Eiche steht. „Ich bin hier sicher“, meint er. „Auf der anderen Seite steht noch so ein großer Baum. Zwei perfekte Blitzableiter.“

Der ehemalige Feuerwehrmann hat in seinem Beruf oft erlebt, welche Folgen ein Baumschaden haben kann. „Hier unten an der Kreisstraße ist vor einigen Jahren ein Nussbaum umgekippt“, erinnert er sich.

„Ich habe immer gesagt, dass da dringend was gemacht werden muss, der Baum war schon tot.“ Glücklicherweise sei niemand verletzt worden. „Aber es war ziemlich viel Arbeit, die Straße zu räumen“, erinnert sich Schmurr.

Aus diesem Grund sei regelmäßige Baumpflege wichtig. „Wir sind dabei, den Baumbestand zu durchforsten und Pflegeschnitte durchzuführen“, erzählt Meier. „Das Problem ist, dass wir uns nur um Pflanzen kümmern können, die der Gemeinde gehören.“ Für die Bäume an Kreisstraßen sei der Landkreis, bei Privatgrundstücken der Eigentümer zuständig. Außerdem sei eine Baumrettung kostspielig — die Absicherung der Eiche habe rund 1000 Euro gekostet. „Trotzdem stehen wir auf der Seite der Natur“, sagt der Bürgermeister, der keinen wilden Kahlschlag möchte. „Dennoch sind wir auch für die Verkehrssicherheit verantwortlich. Wenn jemandem ein Ast auf den Kopf fällt und wir wussten, dass der Baum beschädigt ist, dann wird es kritisch.“ Maßnahmen würden immer mit dem Umweltamt besprochen. Sollte eine Fällung nicht zu verhindern sein, wird für jeden Verlust ein neuer Baum gepflanzt. „Eine Fällung geht schnell, einen neuen Baum zu setzen und wachsen zu lassen, dauert sehr lange“, bedenkt Meier. Er hofft, dass die alte Eiche auch zukünftig den Ort schmücken wird. Regelmäßig soll nun die Stabilität und Sicherheit überprüft werden. „Einziges Ärgernis für die Anwohner wird zukünftig dann wohl nur noch das viele Laub sein, das der Baum im Herbst abwirft“, sagt Meier und lacht.

Von Katharina Ahlers

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