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Usedom Wolgasts Politiker sehen Berlin in der Pflicht
Vorpommern Usedom Wolgasts Politiker sehen Berlin in der Pflicht
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19:58 08.11.2018
Beschäftigte der Peene-Werft verlassen am Donnerstag zum Feierabend bedrückt die Wolgaster Werft. Quelle: Tilo Wallrodt
Wolgast

„Das ist eine Hiobsbotschaft, richtiger Schiet eben“, sagt Wolgasts Bürgermeister Stefan Weigler (parteilos), nachdem er gestern vernommen hat, dass die Geschäftsführung der Peene-Werft den Bau von Patrouillenbooten für Saudi-Arabien auf Eis gelegt hat. Für Weigler trägt Berlin die Schuld, dass es soweit kommen musste, „denn seit drei Wochen gibt es keine endgültige Entscheidung, wie mit dem Auftrag der Peene-Werft verfahren werden soll“, sagt er. Anscheinend sei niemanden in der Politik klar, dass an diesem Auftrag das Wohlergehen vieler Wolgaster Familien und der Stadt insgesamt hänge.

Er persönlich könne die unternehmerische Entscheidung Lürssens verstehen, den Bau der Patrouillenboote erst mal auf Eis zu legen, so lange es keine klare Entscheidung aus Berlin gebe. „Die Werftengruppe muss den Auftrag ja vorfinanzieren. Da kann man nicht warten, bis das Kind endgültig im Brunnen liegt“, meint das Stadtoberhaupt. Es sei auch so schon alles eine Katastrophe für Wolgast. So würden natürlich auch keine Fremd-/Leiharbeiter mehr auf der Werft arbeiten. „Wir als Stadt hatten dort 35 Wohnungen vermietet. Die stehen nun leer. Wie soll ich diesen Ausfall als Stadt so schnell kompensieren“, fragt er. Mit vielen Fragezeichen behaftet sei auch der Haushalt der Stadt für das kommende Jahr. Denn wenn viele Werft-Zulieferer aus der Stadt und aus dem Wolgaster Umland keine Arbeit mehr hätten, würden Steuereinnahmen fehlen. „Dann werden wohl keine Investitionen mehr möglich sein. Den Herrschaften muss doch klar sein, was in einer Kleinstadt wie unserer passiert, wenn ein Auftrag in der jetzigen Größenordnung auf der Werft wegbricht“, erklärt er wütend.

Fachleute werden überall gesucht

Der Chef der Greifswalder Arbeitsagentur, Heiko Miraß, bestätigt die Gespräche mit der Chefetage der Wolgaster Peene-Werft. Er betont, dass es gerade bei solchen unvorhersehbaren Ereignissen gut sei, dass Kurzarbeit beantragt werden könne. „Damit lässt sich vorübergehend helfen, denn Kurzarbeitergeld kann zwölf Monate lang gezahlt werden“, sagt Miraß. Allerdings hofft er, dass die Fertigstellung der Schiffe auf der Werft bald weitergeht, damit die Werftarbeiter nicht abwandern. „Der Arbeitsmarkt ist momentan im Schiffbau so, dass Fachleute überall gesucht werden. Deshalb muss es gelingen, die Fachkräfte in Wolgast zu halten, sonst sind sie für immer weg“, sagt er.

Amthor spricht vom Schwarzen-Peter-Spiel

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor, zu dessem Wahlkreis Wolgast gehört, erklärte: „Ein Exportstopp der Wolgaster Küstenschutzboote dürfte das saudische Königshaus kaum beeindrucken. Für die Wolgaster Werftarbeiter und ihre Familien ist es ein harter Einschnitt. Das habe ich immer wieder gesagt.“ Gerade in dieser Situation stehe er wie in den vergangenen Monaten fest an der Seite der Peene-Werft und der Region. Die politische Stimmungsmache der Landes-SPD gegen den Bund finde er bitter. „Es handelt sich um einen billigen Versuch, der den Umstand verschleiern soll, dass der Export-Stopp vor allem auf Druck der Bundes-SPD erwirkt wurde. Von einem solchen Schwarze-Peter-Spiel haben die Wolgaster Werftarbeiter rein gar nichts“, erklärt Amthor.

Wo bleibt der Vertrauensschutz?

Der Wolgaster Stadtvertreter Daniel Staufenbiel (Linke) kann die Unentschlossenheit in Berlin nicht nachvollziehen. „Die Interessen der Region und der Leute hier vor Ort werden außen vor gelassen. Wolgast ist für die so weit weg“, sagt er und fragt an, wo denn der Vertrauensschutz bleibe. Schließlich sei der Vertrag viele Jahre zuvor geschlossen worden und ein Patrouillenboot eben nicht ein Schiff voller Kriegsgerät. Nach Ansicht von Guido Fröschke, IG Metall-Bevollmächtigter für die Region, gibt es drei Möglichkeiten: Der Bundessicherheitsrat gibt den Weg frei für die Auslieferung. Oder, zweitens, die Boote werden trotzdem fertiggebaut – „für einen anderen Verwendungszweck“, so der Gewerkschafter. Die dritte Variante wäre, dass die Bundeswehr Aufträge für die Wolgaster Werft vorzieht. Bei Variante drei müsste eine Übergangszeit zwischen Konstruktion und Produktionsbeginn überbrückt werden. „Die Werftarbeiter erwarten Unterstützung von der Politik“, sagt Fröschke. Die Bundesregierung trage auch Verantwortung für Arbeitsplätze in Wolgast. „Die Stadt lebt von der Werft“. Laut IG Metall sind außer den Arbeitsplätzen der 250 Peenewerker im Neubau mindestens 1500 weitere Jobs gefährdet, denn viele kleine Zulieferer haben keinen anderen Auftraggeber.

Cornelia Meerkatz

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