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Usedom Nachts vor der Apotheke ec-Karte mit Pin rausrücken?
Vorpommern Usedom Nachts vor der Apotheke ec-Karte mit Pin rausrücken?
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00:01 25.11.2016

. Ein Medikament gibt es in der Apotheke auch auf Rezept für die meisten Patienten nur gegen eine Zuzahlung. Doch was tun, wenn es Nacht ist und kein Bargeld in der Hosentasche? Würden Sie dem Apotheker dann ihre ec-Karte durch die Luke reichen und ihre persönliche Pin gleich dazu?

Mit dieser Frage sah sich Karsten Waschkau am Mittwoch gegen 0.10 Uhr in Neuenkirchen konfrontiert. Der Greifswalder wollte das Rezept einlösen, das sein 83-jähriger Vater mit Pflegestufe 3 kurz zuvor im Uniklinikum erhalten hatte. „Da er unter starken Schmerzen litt, fuhr ich mit ihm zur Notaufnahme. Wegen der akuten Entzündung der Ohrspeicheldrüse wurde mir als Betreuer empfohlen, die Arznei sofort zu besorgen“, erzählt Waschkau. Also fuhr er nach Mitternacht zur Hanseapotheke nach Neuenkirchen, die Notdienst hatte. Dort wollte er die geforderten zehn Euro mit seiner ec-Karte bezahlen. „Die Apotheke hat aber kein tragbares Kartenlesegerät. Rein durfte ich nicht und auf Rechnung bekam ich die Arznei nicht“, sagt der 55-Jährige. Die Mitarbeiterin habe empfohlen, zur Sparkasse zu laufen. Da er aber eine andere Hausbank habe, hätte er Gebühren zahlen müssen. „Das wollte ich nicht. Also schlug sie vor, dass ich ihr die Pin für meine ec-Karte sagen könnte. Andere Patienten würden das auch tun“, so Waschkau. Zwar habe er sich darauf eingelassen, „aber ich finde das unmöglich“, sagt er. Bereitschaftsapotheken sollten seiner Meinung nach über mobile Geräte verfügen. „Nach der Pin zu fragen, geht gar nicht“, ärgert sich Waschkau.

Diese Meinung teilt Christian Gillot, stellvertretender Geschäftsführer der Apothekerkammer MV, an die Waschkau nun eine Beschwerde richtete. Dass Apothekenmitarbeiter sich ec-Karte und Pin geben lassen, könne nicht angehen. „Insofern werden wir uns mit diesem Fall auseinandersetzen“, sagt er und fügt hinzu: „Mit einer Rechnungstellung hätte es auch gehen können.“ Denn Fakt sei: „Apotheken sind rechtlich nicht verpflichtet, tragbare ec-Kartenlesegeräte zu haben“, sagt Gillot.

Das betont auch Monika Schweizer, Inhaberin der Hanseapotheke in Neuenkirchen. „Der Vorfall ist sehr ärgerlich“, sagt sie und erklärt zugleich, dass ihre Mitarbeiterin korrekt gehandelt habe, als sie den Mann nicht ins Gebäude ließ: „Wir wissen nie, wer da vor der Tür steht.“ Grundsätzlich verstehe sie nicht, dass Leute nachts ohne Geld kämen. „Sie wissen doch, dass sie zuzahlen müssen.“

Bargeldlosen Patienten werde zuerst empfohlen, sich bei der nahegelegenen Sparkasse Geld zu holen. Doch es gebe auch immer wieder Menschen, die problemlos ihre Pin preisgeben. „Eine Rechnung haben wir nicht gestellt, weil Herr Waschkau kein Kunde bei uns ist. Dann hätten wir erst noch eine Datei anlegen müssen“, erklärt Monika Schweizer.

Sie ist übrigens nicht die einzige, die kein mobiles Lesegerät besitzt. „Ich habe auch nur eins an der Kasse“, räumt Iris Beich von der Adler-Apotheke Gützkow ein. Doch auf die Idee, sich ec-Karte und Pin an der Luke geben zu lassen, sei sie noch nie gekommen: „Das finde ich sehr grenzwertig“, sagt sie. Da man sich in der Kleinstadt in der Regel kenne, bitte sie die Patienten meistens in die Apotheke hinein. Sabine Stahlkopf, Inhaberin der Apotheke am Wall in Greifswald, verfügt über ein tragbares Kartenlesegerät: „Zufall“, sagt sie, „der Mietvertrag für das alte, nichttragbare Gerät lief aus und ich bekam das neue. Dessen Vorteile für den Nacht- und Wochenenddienst wurden uns erst später klar.“

Juliane Peschel indes schaffte sich bewusst ein solches Gerät an: „Als ich die Lindenapotheke an der Pappelallee im August übernahm, war mir das wichtig. Auf die Idee, sich die Pin sagen zu lassen, muss man erst mal kommen.“

Petra Hase

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