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Usedom Narren nehmen Krankenhaus aufs Korn
Vorpommern Usedom Narren nehmen Krankenhaus aufs Korn
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00:00 14.11.2016

Heringsdorf/Zinnowitz „Schwanger dürft Ihr nicht werden, der Weg ist zu lang zum Gebären.“ Ja, an der umstrittenen Schließung der Kinder- und Frauenmedizin am Kreiskrankenhaus Wolgast kamen die Ahlbecker Jecken am Sonnabend im Heringsdorfer Kaiserbädersaal nicht vorbei. Die besorgte Mutter, die auf der Bühne bei Herrn Kummer – in Anlehnung an den Kummerkasten im Ahlbecker Rathaus – auftauchte, bekam zu hören: „Reißt euch zusammen und werdet nicht krank, schwanger schon gar nicht.“ Gelächter im gut besetzten Saal trotz der ernsthaften Botschaft. Darauf ein Suffel-Saffel rin!

Für die 43. Session hatte der Ahlbecker Karneval Klub zum Maskenball gebeten. Doch bissig und humorvoll zeigten die Narren ihr wahres Gesicht, als es um kommunalpolitische Angelegenheiten ging. Da regte Herr Kummer – souverän gespielt vom Ahlbecker Torsten Schultz – doch an, vor jedem Strandaufgang in der Gemeinde ein Tor zu installieren, damit Hunde künftig draußen bleiben und die Diskussionen um den Hundestrand verstummen. Den Verkehr im Sommer, die Ampel an der Heringsdorfer Grundschule, die als Staufalle ausgemacht wurde, oder die im Raum stehende Erdgasförderung nahmen sich die Karnevalisten mit einem Augenzwinkern zur Brust.

Warum sie sich mittlerweile aber als „Wanderzirkus“ bezeichnen, hat seinen Grund, wie Vereinspräsident Bernd Kellermann sagt. „Wir brauchen endlich mal ein festes Domizil für unseren Verein. Dort müssen wir proben.“ Aus der alten Schulbaracke an der neuen Heringsdorfer Grundschule mussten sie raus – sie wurde abgerissen. „Dann bekamen wir Räume in der alten Ahlbecker Kita in der Schulstraße.

Im März 2017 müssen wir auch hier raus, weil die Schüler während des Umbaus der Schule in Ahlbeck woanders untergebracht werden müssen. Wir fühlen uns schon wie Zigeuner“, sagt Kellermann, der seit gut 38 Jahren das Zepter schwingt, verärgert.

Dem Wolgaster Krankenhaus widmeten die Zinnowitzer Narren am Sonnabend beim Bettenball sogar ihre Hauptnummer. Liebe Eltern, was würden Sie sagen, wenn ihr Kind statt eines ordentlichen Geburtsortes irgendeine Kilometerangabe auf einer Bundes- oder Landesstraße ins Stammbuch eingetragen bekäme? Unvorstellbar? Nach Meinung der Akteure des CarnevalsClubs Zinnowitz (CCZ) mitnichten. Denn in ihrer Hauptnummer beim 30. Bettenball spielten sie genau dieses Szenarium: Ein Zinnowitzer Ehepaar erwartet ein Kind, die Mutter liegt in den Wehen. Der herbeigerufene Krankenwagen ist auch bald zur Stelle – aber dann nimmt eine Odyssee ohnegleichen ihren Anfang.

Im Wolgaster Kreiskrankenhaus ist gerade erst die Geburtsstation geschlossen worden. Dorthin können die Rettungssanitäter die werdende Mutter also nicht mehr bringen. Die Anfrage an die Anklamer Klinik wird mit dem Hinweis negativ beschieden, dort seien alle Betten belegt. Bleibt nur noch das Uni-Klinikum in Greifswald. Das allerdings erreicht der Transport aus Zinnowitz nicht mehr – das Kind erblickt an einer Bushaltestelle an der B 109 bei Karlsburg das Licht der Welt. Die Lachsalven und den Beifall, die die CCZ-Darsteller in der bis auf den letzten Platz besetzten Halle der Sportschule für diese Nummer einheimsen, sind kein Widerspruch zum (tod-)ernsten Hintergrund des Geschehens auf der Bühne. Satire lebt nun mal vom realen Leben, das wissen auch die Zinnowitzer Karnevalisten, und sie haben diese Erkenntnis einmal mehr mit einer Bühnenhandlung ausgefüllt, der es nicht an Schwung, Professionalität und jeder Menge Situationskomik fehlte.

Henrik Nitzsche und Dietrich Butenschön

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