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Neue Glocken für St. Petri

Wolgast Neue Glocken für St. Petri

In Wolgast wurden gestern Teile des Kirchengeläuts ausgetauscht. Es soll jetzt musikalischer sein. Erstmals zu hören ist es am 1. Advent.

Wolgast. In der Wolgaster Petri-Kirche war gestern Vormittag Millimeterarbeit gefragt und höchste Konzentration gefordert. Viele Augen richteten sich auf den Läuteanlagenbauer Udo Griwahn und seinen Kollegen, Glockenmonteur Mathias Heinzmann aus Grimmen. Zwei neue Glocken zogen ein, so dass bald erstmals das fünfstimmige Geläut erklingen kann. Dutzende Schaulustige verfolgten das Spektakel vom Boden aus, einige machten Erinnerungsfotos von diesem denkwürdigen Tag. Jahrelang hatte die Kirche Spenden gesammelt, um den Austausch der Klangkörper zu finanzieren.

 

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1725 Kilogramm wiegt die neue Glocke mit dem tiefen „D“, die „Dank“ heißt.

Quelle: Fotos: Hannes Ewert
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„Eine Glocke soll in den Kindergarten, die andere als Spendenbox in die Kirche. Sebastian Gabriel, Pfarrer

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Das neue Geläut in der Kirche ist gewaltiger und musikalischer. Udo Griwahn, Läuteanlagenbauer

Die monatelange Vorbereitungszeit zahlte sich aus. Innerhalb von drei Stunden bugsierte das Duo die Glocken aus rund 33 Metern auf die Erde zurück. Für die beiden Männer ist die Arbeit in luftiger Höhe tägliche Routine. Zwei Wochen zuvor hatten sie begonnen, den Glockenstuhl für den Tausch vorzubereiten. Sie installierten mehrere Seilwinden, um die tonnenschweren Glocken von der einen auf die andere Seite des Daches zu hieven. Beinahe spielend leicht zog Udo Griwahn an den Ketten, um die Glocken aus ihrer Position zu holen. Zentimeterweise bewegte sich das Geläut vom Inneren nach draußen.

„Die Technik funktioniert wie ein Flaschenzug“, erläuterte Griwahn. 2,8 Tonnen wog die erste Glocke, die den Ton „Cis“ hat und einen Durchmesser von 187 Zentimetern aufweist. Im Jahr 1963 war die Stahlgussglocke in Dienst gestellt worden. Kirchgemeindemitarbeiter Ulrich Kober zeigt Zeitungsausschnitte aus dem Jahr. Darin heißt es im „Wolgaster Leuchtfeuer“: „Mit ihrem wohlklingenden Geläut künden sie von der Sehnsucht der Menschen nach Frieden“. Doch die Glocken sind mittlerweile beschädigt und werden nun durch Bronzeglocken ersetzt.

„Die Eisenhartgussglocken aus dem Jahr 1962 wurden ausgetauscht, denn die sind aufgrund ihrer Metallstruktur sehr schlecht. Das waren Notglocken nach dem Zweiten Weltkrieg. Jetzt ist Wolgast soweit, dass es neue bekommt. Eine wurde im vergangenen Jahr in Karlsruhe gegossen, die anderen kamen aus Kassel, denn dort waren die vier zu schwer für den Turm“, erzählt Griwahn. „Das neue Geläut ist gewaltiger und musikalischer. Bronzeglocken haben einen viel höheren Nachhall und klingen länger als Stahlglocken.“ In Mecklenburg-Vorpommern kennt Griwahn so ziemlich jeden Winkel der meisten Kirchen. „Die Herausforderung in Wolgast war eigentlich die Anreise. Die Straßensperren und Umleitungen haben wir vorher nicht geplant“, sagt Griwahn mit einem Augenzwinkern. Nach dem Herablassen und Anheben der Glocken montierten Udo Griwahn und Mathias Heinzmann das Joch oberhalb der Glocke und den Klöppel, der für den Klang sorgt. Die beiden letzten verbliebenen Glocken sollen in den kommenden Tagen hinaufgezogen werden. „Die Arbeiter brauchen dort oben erstmal Platz. Der Glockenstuhl muss neu konzipiert werden. Immerhin ist dort nun eine Glocke mehr als vorher“, sagt Pastor Sebastian Gabriel, der das Spektakel mit der Kamera festhielt.

Die Verwendung der drei herabgelassenen Glocken ist bereits geklärt. „Eine, das 1125 Kilogramm schwere Exemplar, wollte ich mir gerne mit nach Hause nehmen und auf das Firmengelände stellen“, sagt Griwahn. Laut Kirchengemeinde soll eine weitere im Kindergarten „Arche Noah“ platziert werden. „Eine Glocke würde ich gerne umdrehen, in die Kirche stellen und somit als Spendenbox nutzen. Das wäre schön“, sagt Gabriel.

Das neue, fünfstimmige Geläut soll erstmals am 1. Advent angestimmt werden. „14 Uhr geht es los“, sagt Kirchenmitarbeiter Ulrich Kober. Wer möchte, sei eingeladen, dabei zu sein.

Wolgast und die Glocken der Petri-Kirche

„Wenn man in den Glockenakten der Kirchengemeinde blättert, so ist es nicht das erste Mal, dass der Krieg die Glocken zum Einschmelzen forderte. So waren es im Ersten Weltkrieg die große und die kleine Glocke, die abgegeben werden mussten. Unter großen Opfern wurden dann in den Jahren 1925/26 und 1928 die neuen Glocken beschafft. Der Zweite Weltkrieg nahm wiederum die größere und die kleine Glocke. So hat bisher nur die mittlere allein geläutet und es bestand in Wolgast der Wunsch nach einem größeren Geläut. Seit 1954 beschäftigte sich der Kirchengemeinderat mit der Erweiterung des Geläutes und trat 1958 zur Tat. Sie wurden 1962 gegossen und ein Jahr später eingeweiht.“ Quelle: Wolgaster Leuchtfeuer 7.6. 1963

Hannes Ewert

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