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Usedom Neues Gesetz verbietet kommunistische Straßennamen
Vorpommern Usedom Neues Gesetz verbietet kommunistische Straßennamen
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07:44 29.11.2017
Umstrittene Straßennamen in Swinemünde. Die Stadt hat ein Jahr Zeit, um sie zu tilgen. Quelle: Foto: Jagielski

Ein neues Gesetz sorgt für Aufregung in Swinemünde: Im April trat polenweit ein staatliches Verbot der Förderung des Kommunismus oder anderer totalitärer Systeme in Kraft.

Es zielt auch auf Namen ab, die während der kommunistischen Ära für Straßen, Gebäude und Objekte sowie Denkmäler vergeben wurden und bis heute erhalten geblieben sind.

Laut dem Gesetz haben Gemeinden wie Swinemünde nun ein Jahr Zeit, die nunmehr unliebsamen Bezeichnungen zu tilgen. Aufgrund der neuen Vorschriften wurde in Swinemünde bereits eine Änderung vorgenommen. Die Straße „Leon Kruczkowski“ wurde zur Beata-Maria-Chodorowska-Straße. Chodorowska ist eine in Polen bekannte Schriftstellerin, die aus Swinemünde stammt. Auch Kruczkowski war Literat, allerdings ein scharf linker, heißt es. Von 1949 bis 1956 amtierte er als Präsident des Schriftstellerverbandes im zur kommunistischen Volksrepublik gewordenen Polen.

Umbenannt werden sollen auch die Straßen „Julian Markiewicz“ und „Zolnierzy I Armii Wojska Polskiego“ (Soldaten der I Polnischen Armee). Damit sind jedoch einige Einwohner von Swinemünde sowie die Stadtverwaltung nicht einverstanden. Ein Streit mit den zentralen Behörden steht ins Haus. „Ich denke, dass es im Falle von Julian Markiewicz und den Soldaten der 1. Polnischen Armee unangemessen wäre, sie vom Kreis der Schirmherren unserer Straßen zu entfernen“, sagt der Swinemünder Stadtpräsident Janusz Zmurkiewicz. Die Erinnerung an den vor über 37 Jahren gestorbenen Markiewicz, Ehrenbürger der Stadt, sei unter den Bewohnern von Swinemünde „absolut positiv“.

Julian Markiewicz war eine sehr berühmte Figur im polnischen Teil Usedoms und auf Wolin. 1955 war er zum Vorsitzenden im staatlichen Nationalgemeinderat (entspricht einem Stadtpräsidenten) ernannt worden. Er unterstützte das Programm des kommunalen und genossenschaftlichen Bauens. Dank ihm entstand eine Brücke zwischen den Inseln Kaseburg und Wollin. Während seiner Amtszeit begann man mit dem Umzug der Sowjetarmee aus dem Küstenviertel, um diese Gebiete für die Bedürfnisse der Stadt zu entwickeln. Die Bewohner und Mitarbeiter schätzten ihn für seine Freundlichkeit und Offenheit. Laut Einschätzung des polnischen Historikers Józef Plucinski war J. Markiewicz kein blinder oder eifriger Befehlsausführer der von der UdSSR abhängigen, kommunistischen Partei, die Polen bis 1989 regierte. „Nach dutzenden, extrem schwierigen Jahren, musste er gehen, weil er sich nicht mit den neuen Machthabern arrangierte“, erinnert sich Plucinski.

Anstoß erregt auch eine Anordnung, die Straße „I Armii Wojska Polskiego“ (1. Polnische Armee) auf der Insel Kaseburg umzubenennen. Die so genannte 1. Polnische Armee war 1944 auf Betreiben Stalins hin in der Sowjetunion gegründet worden, um einerseits gegen Hilers Truppen eingesetzt zu werden. Andererseits aber auch, um den sowjetischen Einfluss auf das Nachkriegspolen zu wahren. In Kaseburg siedelten nach Ende des Krieges nicht wenige Soldaten, die in der 1. Polnischen Armee gekämpf hatten. Nachfahren von ihnen leben heute noch dort.

Die neuen staatlichen Vorschriften zur Umbenennung von Straßennamen haben nicht nur in Swinemünde, sondern in ganz Polen für Verwirrung gesorgt. Es stellte sich heraus, dass kommunistische und stalinistische Würdenträger in einen Topf mit gewöhnlichen Leute geworfen wurden, die Polen nach dem Krieg wieder aufgebaut haben.

Die neuen Vorschriften erfordern nicht, dass die Einwohner ihre Dokumente ändern. Probleme können jedoch im Fall von Unternehmen entstehen, die Visitenkarten, Schilder oder ihre Werbetexte ändern müssen.

Radek Jagielski

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