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Usedom Nils Köhler verlässt Usedom
Vorpommern Usedom Nils Köhler verlässt Usedom
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06:48 10.07.2014
Von links: Kinga Sikora, Martina Witt, Mariusz Siemiatkowski, Dr. Nils Köhler, Alena Schäfer, Paulina Kulakowska und Katrin Klingbeil. Quelle: Angelika Gutsche
Kamminke

Als Nils Köhler 2004 auf die Insel Usedom kam, hatte die Interessengemeinschaft Golm e.V. auf der Kriegsgräberstätte in Kamminke bereits einen fruchtbaren Boden für bildungspolitische Friedensarbeit gelegt. Über die DDR-Zeit und die Nachwendejahre hatten die Usedomer um Ingeborg und Otto Simon die Gräber auf dem Golm gepflegt, mit vielen Zeitzeugen an die Schrecken von Krieg und Vertreibung erinnert und Friedensarbeit geleistet. Für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge war das, neben der Lage im deutsch-polnischen Grenzraum und extremistischer Bemühungen, die Begräbnisstätte für eigene Zwecke zu vereinnahmen, der Grund, hier eine Jugendbegegnungsstätte zu errichten.

Seit der Eröffnung am 12. März 2005 sind neun Jahre vergangen und Köhler verlässt die Insel. Der 43-jährige Historiker ist bereits seit Mai 2014 in der Kasseler Geschäftsstelle verantwortlich für Gedenkkultur und Bildungsarbeit des gesamten Volksbundes. Ab September sucht der Volksbund für ihn Ersatz und will eine weitere Pädagogenstelle besetzen. Die Bewerbungsgespräche laufen.

Mit seinem zuletzt elfköpfigen Team hat Köhler in Kamminke erreicht, dass die Jugendbegegnungsstätte bundesweit begehrtes Ziel für Schulausflüge ist. Mit Kinga Sikora und Mariusz Siemiatkowski gehören zwei polnische Pädagogen zur Leitung, die mit ihrer Herkunft und persönlichen Geschichte die Multiperspektivität fördern, für die die Kriegsgräberfürsorge zunehmend sensibilisieren will.

Kinga Sikora arbeitet seit 2005 in Kamminke, Mariusz Siemiatkowski war 2006 als Freiwilliger hier und kam nach abgeschlossenem Studium 2010 zurück. „Im ersten Jahr hatten wir 3000 Übernachtungen, 2013 schon 12 000“, beschreibt Köhler die Entwicklung der Begegnungsstätte, die auch in der Region Bildungsarbeit leistet.

Die Gäste kommen zumeist aus Deutschland, aus Polen und zunehmend aus anderen europäischen Ländern. Sie erleben Usedom im Spannungsbogen der Geschichte, zwischen Peenemünde und Swinemünde und helfen die Denkmale der Region zu pflegen.

Hans-Dieter Heine vom Referat Internationale Jugend- und Schularbeit der Kriegsgräberfürsorge, der das Bewerbungsverfahren vor Ort begleitet, sieht das Kamminker Konzept hervorragend aufgegangen.

„Wie in anderen Begegnungsstätten gelingt es uns hier, Jugendliche über die Geschichten der eigenen Familien, moderne Medien und Bildungsangeboten vor Ort in aktuelle Themen, und über den Spannungsbogen der Geschichte in einen europäischen Kontext zu ziehen“, sagt Heine.

In jüngster Zeit geht der Volksbund auch in Kamminke mit Workshops für Erwachsene neue Wege. Köhler spricht von Bildungsangeboten, die notwendig würden, weil die Erlebnisgeneration des Zweiten Weltkrieges abhanden komme. Gerade für Workcamps sei die Nachfrage Erwachsener enorm. Für den Volksbund sei es deshalb eine Herausforderung, in Urlaubsregionen, wie der Insel Usedom, Angebote für einen Geschichtstourismus zu erarbeiten. „Um das europäische Erbe der Weltkriege zu vermitteln, braucht es auch in der Region Partner“, sagt der 43-Jährige, der sich unter anderem dieser Aufgabe im neuen Arbeitsbereich in Kassel widmen will. Auch wenn das ganz sicher eine lohnende Herausforderung ist, sieht der Historiker seine Zeit auf Usedom im Nachhinein als wichtig an. „Das war ganz sicher ein prägender Lebensabschnitt. Usedom ist ein besonderes Fleckchen Erde und wird wohl die schönste Region sein, in der ich je gelebt habe.“ Hier habe er nach der deutschen Wiedervereinigung mit dem Wegfall der Grenzen zum zweiten Mal erleben dürfen, wie eine 40 Jahre getrennte Region — trotz aller Probleme und Schwierigkeiten — allmählich wieder zusammenwachse, sagt Köhler, der bis zum Mai stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Kamminke war: „Ich werde mit Sicherheit auch künftig oft auf Usedom sein“. Hier geht die Arbeit unter Leitung des kommissarischen Chefs, Mariusz Siemiatkowski, weiter. Arbeit gibt es genug. Unter anderem soll die Golm-Ausstellung überarbeitet und in Deutsch und Polnisch beschriftet werden.

Benefizkonzert des Bundespräsidenten
• Besonders stolz ist das Team der Jugendbegegnungsstätte in Kamminke darauf, dass das seit 2006 jährlich in einem anderen Bundesland stattfindende Benefizkonzert des Bundespräsidenten 2014 der Jugendbegegnungsstätte Golm gewidmet ist. Am 18. Juli spielen in der Konzertkirche Neubrandenburg der „Preisträger in Residence“ der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, Pianist Igor Levit, und das Nationale Symphonieorchester des Polnischen Rundfunks Werke von Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms und Krzysztof Penderecki. Bundespräsident Joachim Gauck wird anwesend sein und das Konzert gemeinsam mit Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) eröffnen.

• Im Rahmen der internationalen Begegnungen gibt es in Kamminke vom 21. Juli bis zum 4. August einen deutsch-polnischen Workshop für Kinder mit Gedenkveranstaltungen und Pflegearbeiten an den Denkmalen der Region.


• Am 28. Juli werden um 14 Uhr auf dem ehemaligen Friedhof für im Ersten Weltkrieg gefallene deutsche, russische und ungarische Soldaten in Swinemünde zwei Steine mit Namen enthüllt. Der Friedhof wurde in akribischer Suche von dem ehrenamtlichen Mitarbeiter der Deutschen Kriegsgräberfürsorge, Klaus Utpatl, entdeckt. Die Soldaten waren im Swinemünder Lazarett verstorben.



Angelika Gutsche

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