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„Noch immer Bock auf meinen Job“

„Noch immer Bock auf meinen Job“

Acht Jahre Bürgermeister von Wolgast: Stefan Weigler (37/parteilos) bleibt unerschütterlicher Optimist

Herr Weigler, am 15. Oktober jährte sich Ihr Amtsantritt zum achten Mal jährte. Sind sie noch immer voller Elan?

Stefan Weigler: Klar doch. Ich habe noch immer Bock darauf, Bürgermeister dieser schönen Stadt zu sein. Eigentlich noch mehr, als am Anfang. Ich mache den Job gern, allem Ärger und vielen Rückschlägen zum Trotz.

Warum? Woher nehmen Sie die Motivation?

Weigler: Weil dieser Auftrag die große Chance bietet, Dinge vor Ort zu gestalten oder zumindest daran teilzuhaben. Und als Stadtoberhaupt hat man das schnelle, direkte Echo der Bürger.

Sowohl, wenn etwas gelungen ist, als auch, wenn es Fehler gab. Beides gehört dazu.

Können Sie das an einem Beispiel aufzeigen?

Weigler: Wir sind ja beim Ausbau der Fähr- und der Schifferstraße. Und bei einem Vor-Ort-Termin war ein engagierter Rollstuhlfahrer dabei, der uns aufzeigte, dass die bauseitige Gestaltung von Regenrinnen ungeeignet für gehandicapte Leute ist. Also haben wir sofort reagiert, den Fehler behoben. Für mich ist das Feedback der Wolgaster und ihrer Gäste ganz wichtig.

Können Sie gut mit Kritik umgehen?

Weigler: Wenn sie sachlich und berechtigt ist, natürlich.

Die Stärkung des Dialogs mit den Bürgern haben Sie immer betont. Praktizieren sie das auch?

Weigler: Ich bemühe mich. Wer mit mir sprechen will, bekommt im Rathaus möglichst schnell einen Termin. Feste Sprechzeiten haben sich als nicht sinnvoll erweisen. Außerdem gibt es ja regelmäßig die Seniorengespräche, die mir viel geben. Und dann planen wir, die erste Kinder- und Jugendkonferenz demnächst fortzusetzen. Wenn wir eine kinder- und jugend- sowie familienfreundliche Stadt sein oder werden wollen, müssen wir die Leute auch fragen, was sie wollen. Ob die Wünsche dann praktikabel sind, wird sich zeigen.

Der defizitäre Haushalt macht auch Wolgast zu schaffen. Wie sehen Sie die Chancen, von den Schulden herunter zu kommen?

Weigler: Wir haben ein hartes Ziel formuliert: Bis 2025 schuldenfrei! Die Zins- und Tilgungslast von rund anderthalb Millionen Euro pro Jahr – davon müssen wir herunter. Es wird sparsam gewirtschaftet und dennoch in Sport- und Kultur- einrichtungen investiert.

Wolgast macht ja in Sachen Soziales, Bildung und Kultur oft positiv von sich reden ...

Weigler: Das soll auch so bleiben. Wir bieten im Kalender 2016 rund 150 Veranstaltungen an, das geht nur gemeinsam mit den vielen Vereinen und Verbänden. Die Nörgelei, in Wolgast sei ja eh nichts los, ist fehl am Platze. Zu nennen sind unter anderem die Papiertheatertage, die sind ganz großartig.

Und die spektakulären Peenekonzerte open air, die sich mit Ihrem Namen verbinden. Bleibt es bei diesen attraktiven, aber auch teuren Highlights?

Weigler: Definitiv, ja. Wer 2017 auf die Schlossinsel kommt, steht aber noch nicht fest.

Was Schulen und Kindereinrichtungen anbelangt, muss sich die Stadt auch nicht verstecken, oder?

Weigler: Das ist so. Die in unserer Zuständigkeit liegenden Schulen sind durchweg saniert und modern ausgestattet. Im Vorschulalter sind wir gut aufgestellt, reagieren aber schon wieder auf Engpässe, indem wir planen, eine neue Einrichtung als Ersatz für die Fröbel-Kita zu bauen. Damit wird auch die Hortkapazität auf 150 Plätze erweitert.

Deutet das darauf hin, dass sich die Bevölkerungszahl von Wolgast wieder stabilisiert?

Weigler: Ja, wenn auch in bescheidenen Größenordnungen. Meine aktuelle Statistik sagt aus, dass wir mit 13200 Einwohnern seit nunmehr vier Jahren eine leicht steigende Tendenz aufweisen.

Dazu zählen natürlich auch die Asylbewerber, zur Zeit sind es etwa 300. Es gibt Zuzüge und eine leicht steigende Geburtenrate.

Wie sieht es aus in Sachen Beschäftigung, Arbeit und Ansiedlung von Unternehmen?

Weigler: Das ist ein sehr schwieriger Bereich. Die Randlage macht die Firmenansiedlung schwierig. Aber die relativ niedrige Arbeitslosenquote von 7,8 % und der Umstand, dass uns auf der Werft sowie in Einrichtungen mehr als 500 Jobs verloren gegangen sind, zwingen zu dem Schluss, dass diese durch viele andere Firmen und in kleinen Größenordnungen wieder abgefangen wurden. Und das ist gut.

Sie deuten damit unter anderem den Verlust des Finanzamtes und des Amtsgerichtes an. Wie tief sitzt der Stachel noch?

Weigler: Sehr tief. Wolgast war bei sämtlichen Strukturreformen der jüngeren Vergangenheit der Verlierer. Das tat und tut weh, zumal die Landesregierung durchaus auch einmal pro Wolgast hätte entscheiden können.

Halten Sie wie andere aus Vorpommern-Sicht die Landespolitik für katastrophal?

Weigler: Ich habe den Eindruck, dass die führenden Köpfe der Schweriner Ministerien in Reformfragen gar nicht miteinander reden. Jeder setzt Seins durch. Und so kommt es, dass Wolgast und Usedom sich immer grauer darstellen, was die staatlichen Einrichtungen betrifft.

Teilen Sie die Forderung gen Schwerin, angesichts der vielen Stimmen für die AfD endlich aufzuwachen?

Weigler: Unbedingt. Die vergangenen fünf Wochen hat kein Landespolitiker mit mir gesprochen. Das ist fatal. Wenn’s so weitergeht, muss sich niemand wundern, wenn nach der nächsten Wahl 2017 der erste AfD-Direktkandidat im Bundestag sitzt. Und der kommt womöglich aus unserer Region. Ich erwarte nicht nur eine Vorpommernkonferenz, sondern auch engagierte Gespräche in kleineren Runden, etwa auf Kreisebene. Zu klären ist, was wir regional wollen, wie wir uns künftig aufstellen, und welche Hilfe wir dazu vom Land brauchen.

Noch ein schlimmes Reizwort: Kreiskrankenhaus ...

Weigler: Da ist noch Einiges im Gespräch. Die Bürgerinitiative bleibt am Ball. Ich finde, eine Basta-Politik, die als alternativlos dargestellt wird, wie das Sozialministerin Hesse in den Monaten vor der Landtagswahl gemacht hat, darf es nicht geben. Es sind immer Alternativen möglich, Kompromisse. So wie praktiziert, werden die Leute jedoch allein gelassen, und am Ende womöglich auch noch für ihre Wahlentscheidung verteufelt. Das hilft niemandem, außer den Leuten am rechten Rand.

Auf Bundesebene steht schon bald eine große Krankenhausreform an. Droht Wolgast da etwa schon wieder neues Ungemach?

Weigler: Nicht auszuschließen, denn sämtliche Kliniken mit weniger als 250 Betten stehen auf der Kippe. Also müssen wir hellwach sein. Und das erfordert, dass alle, die in der Sache bisher stritten, möglichst zueinander finden, die demokratischen Kräfte bündeln.

Interview von Steffen Adler

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