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Nur noch schimmlige Erinnerung?

Vorpommern/Greifswald Nur noch schimmlige Erinnerung?

Keine Lösung für die Akten zur Geschichte Pommerns in Sicht / Archivar fordert endlich Taten

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Das Landesarchiv am Greifswalder Nexöplatz: Die Zukunft der hier gelagerten Akten ist ungewiss.

Quelle: Foto: Stefan Sauer/dpa

Vorpommern/Greifswald. Seit mehr als 70 Jahren lagern die Akten zur Geschichte Pommerns in einem für deren Verwahrung ungeeigneten Gebäude, der früheren Kaserne am Greifswalder Nexöplatz. Das schadet ihnen. Zum Teil können sie nicht mehr genutzt werden.

 

OZ-Bild

Es gibt keinen neuen Stand bei der Zusammenarbeit des Landes mit Stralsund für die pommerschen Akten.Peter Koslik, Pressesprecher

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Das ist unstrittig und wurde sogar vom früheren Landesbildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) 2016 bestätigt (die OZ berichtete). Damals schlugen die Wellen hoch, als bekannt wurde, dass Teile des pommerschen Gedächtnisses regelrecht zu vergammeln drohten.

Eine Änderung der Verhältnisse ist in diesem Jahrzehnt nicht in Sicht. Von einer „posttraumatischen Gegenwartskrise des Landesarchivs Greifswald“, spricht darum Matthias Manke in einem Beitrag für die Zeitschrift „Zeitgeschichte regional“. Manke ist ein Insider, er ist stellvertretender Archivleiter im Landeshauptarchiv Schwerin.

Der aktuelle Stand: „Der Betrieb für Bau und Liegenschaften wurde beauftragt, Varianten für die Unterbringung der Akten zu prüfen“, sagt der Sprecher von Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD), Henning Lipski. Christian Hoffmann, Sprecher des landeseigenen Betriebes für Bau und Liegenschaften (BBL) bestätigt dies: „Wir stehen noch ganz am Anfang.“ Termine lässt sich Hoffmann nicht entlocken. Der BBL benötige noch konkrete Vorgaben, was für die Unterbringung der Akten und deren Nutzung nötig sei. Mit anderen Worten: Es kann lange dauern. Zu den Optionen gehört ein gemeinsamer Neubau mit der Nordkirche. Deren pommersche Akten befanden sich bis 2015 ebenfalls in einem ungeeigneten Gebäude, dem Keller der Bischofsvilla in der Petershagenallee. Seither liegt der Großteil in Mesekenhagen. „Vor dem Herbst gibt es keine Entscheidung“, sagt Annette Klinkhardt, Sprecherin der Greifswalder Bischofskanzlei. Ein gemeinsamer Bau, auch die Nutzung eines gemeinsamen Lesesaals, würde Kosten sparen. Die Kirche will jedenfalls mit ihren Akten in Greifswald bleiben.

Variante zwei des Landes ist eine Verlagerung der Pommernakten, eine Kooperation mit Stralsund. „Der Stand ist der gleiche wie im Oktober 2016“, sagt Sprecher Peter Koslik. Damals bot die Sundstadt die Unterbringung des Landesarchivs in einem zusätzlich zum Stadtarchiv zu errichtenden Gebäude an. Den Bau finanzieren und auch Betreuung und andere Kosten decken sollte das Land.

Für OB Stefan Fassbinder (Grüne) war die Stralsund-Variante damals keine Option. Die Stadt erwarte „einen Verbleib der Quellen zur regionalen Geschichte in Greifswald“, reagierte er 2016.

Funktionieren können hätte wohl ein gemeinsamer Archivneubau des Landes und Greifswalds. Doch Schwerin nahm die Offerten aus der Stadt am Ryck über Jahre nicht an. Die Zeit hat diese Kooperation unmöglich gemacht. Greifswald will im Herbst 2017 mit dem Bau eines neuen Archivs beginnen.

Brodkorb hatte 2016 selbst erst kurz vor dem Ende seiner Amtszeit die Stadt-Land-Kooperation öffentlich ins Spiel gebracht. Für Matthias Manke unverständlich. „Warum hat Herr Brodkorb das nicht in seiner Amtszeit von 2011 bis 2016 forciert?“, fragt der Archivar. Er fürchtet, dass der 75. Jahrestag der Greifswalder Archivgründung 2021 „vielleicht nur noch als eine staubige oder was hier treffender erscheint, als eine schimmlige Erinnerung begangen wird“.

Immerhin gibt es Hoffnung für die Akten aus der Zeit nach 1945. Dazu zählen jene des Bezirkes Rostock, die entgegen anderer Verlautbarungen immer noch in Greifswald lagern. Sie kommen in das Zentraldepot in Schwerin, das das Land für etwa 50 Millionen Euro bauen will. „Wir gehen von einer Fertigstellung Ende 2020 aus“, so BBL-Sprecher Hoffmann.

Eckhard Oberdörfer

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