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Usedom Peenemünde: Neues Forschungsprojekt gestartet
Vorpommern Usedom Peenemünde: Neues Forschungsprojekt gestartet
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00:00 15.02.2017

„Meta-Peenemünde. Das Bild der rüstungstechnischen Versuchsanstalten im kulturellen Gedächtnis“. So lautet der Titel eines kooperativen Forschungsprojektes des Historisch-Technischen Museums (HTM) und der Technischen Universität Braunschweig (VolkswagenStiftung, 2016-2019). Es wurde gestern mit einem Workshop eröffnet.

In Peenemünde, wo 1936 bis 1945 Großraketen und andere Fernwaffen entwickelt und unter Einsatz von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen gefertigt wurden, wird die Verknüpfung von technischem Fortschritt, kriegerischer Gewalt und Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus bis heute zugänglich und erfahrbar. Die Faszinationskraft des Ortes ergibt sich jedoch nicht nur aus der monumentalen Architektur der ehemaligen Heeresversuchsanstalt und der „Aura des Authentischen“, sondern wird auch durch Technik- und Raumfahrtenthusiasmus sowie die Diskussion um dessen technischen Leiter und späteren NASA-Direktor, Wernher von Braun, geprägt. Erinnerungskonflikte reichen von dem Versuch, Peenemünde zur „Wiege der Raumfahrt“ zu stilisieren, bis hin zur Forderung, seine Geschichte rein aus der Perspektive der damaligen Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge aufzuarbeiten.

Das Projekt „Meta-Peenemünde“ zielt auf die Erforschung dieser Spannungen in der Auseinandersetzung mit den Rüstungsinnovationen des Nationalsozialismus und des gesellschaftlichen Umgangs mit Wissenschaft und Technik in der Bundesrepublik und der DDR. Es wird vom Kurator und wissenschaftlichen Leiter des HTM Dr. Philipp Aumann und dem Lehrstuhlinhaber für Wissenschafts- und Technikgeschichte der TU Braunschweig, Prof. Dr. Christian Kehrt, geleitet. Gefördert wird es von der VolkswagenStiftung über drei Jahre und in einem Volumen von 430000 Euro.

Gestern stellte das Projektteam sein Vorhaben einem wissenschaftlichen Projektbeirat vorstellte. Dieser besteht aus Prof. Dr. Helmuth Albrecht (TU Bergakademie Freiberg), Dr. Ulrike Jureit (Hamburger Institut für Sozialforschung), Prof. Dr. Gerhard Paul (Uni Flensburg), Dr. Achim Saupe (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam) und Dr. Leonore Scholze-Irrlitz (Humboldt-Uni Berlin).

Die Historiker Daniel Brandau und Constanze Seifert werden die Erinnerungsdebatten und Technikmythen im Kalten Krieg sowie die heutige Wahrnehmung von Ort und Ausstellungen durch Einheimische und Besucher systematisch aufarbeiten.

Im Rahmen des Projektes sind mehrere öffentliche Veranstaltungen geplant. Die Projektergebnisse werden publiziert und in einer Sammlungsdatenbank zur Verfügung gestellt. Bereits 2018 wird die Erinnerungs- und Faszinationsgeschichte Peenemündes Thema einer Sonderausstellung des HTM sein und zukünftig in die Konzeption einer neuen Dauer-ausstellung sowie die museumsdidaktische Vermittlungsarbeit einfließen.

Kai Hampel

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