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Ein 24-Jähriger gewinnt

Stolpe Ein 24-Jähriger gewinnt

Im Wahlkreis 16 siegt Philipp Amthor (CDU) vor Enrico Komning (AfD)

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Jugend forsch: Mit Philipp Amthor gewinnt der jüngste CDU-Direktkandidat Deutschlands den Wahlkreis 16. Auf der Wahlparty in Stolpe an der Peene freuen sich mit ihm auch Innenminister Lorenz Caffier (l.) und Amthors Mutter Susanne (r.).

Quelle: Foto: Peter Binder

Stolpe. Jubel auf der CDU-Wahlparty im Gutshaus Stolpe: Der 24-jährige Philipp Amthor hat für die CDU das Direktmandat im Wahlkreis 16 (Vorpommern-Greifswald II, Mecklenburgische Seenplatte I) geholt. „Die Menschen in der Region können sich auf mich verlassen, ich bleibe an ihren Problemen dran und ringe um eine gute Lösung“, sagt Philipp Amthor.

 

OZ-Bild

Leeren eine Wahlurne: Kerstin Jahl und Jörg Behrendt im Wahllokal in Zinnowitz.

Quelle: Foto: Henrik Nitzsche
OZ-Bild

Wird über die Landesliste der AfD in den Bundestag einziehen: Anwalt Enrico Komning.

Quelle: Foto: Frank Söllner
Zweitstimmen im Wahlkreis 16        
Zweitstimmen in Prozent   2017 2013  
CDU   33,4 44,9 -11,5
SPD   12,3 14,8 -2,5
DIE LINKE   17,6 21,6 -4,0
AfD   23,0 6,0 +17,0
FDP   5,6 2,0 +3,6
GRÜNE   2,6 2,7 -0,1
Sonstige   5,5 3.4 +2,1
Wahlbeteiligung:   68,9 63.6 +5,3
Erststimmen der Direktkandidaten Wahlkreis 16    
Erststimmen in Prozent   2017
Philipp Amthor (CDU)   31,2
Heiko Miraß (SPD)   13,9
Toni Jaschinski (Linke)   19,1
Enrico Komning (AFD)   23,5
Christian Bartelt (FDP)   5,7
Timo Elias Pfarr (Grüne)   2,5
371 von 372 Wahlbezirken ausgezählt    

Als kurz vor 21 Uhr mehr als zwei Drittel der Wahlbezirke ausgezählt sind und der Vorsprung von Amthor bei mehr als sieben Prozent stabil bleibt, brechen unter den knapp 100 CDU-Anhängern die Freudenchöre los. „Philipp, Philipp“, rufen sie, während bei seiner Mutter Susanne Amthor die Freudentränen kullern. „Es war ein kräftezehrender Wahlkampf. Aber es hat sich gelohnt“, sagt Amthor.

Das im Vorfeld erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Amthor und dem AfD-Kandidaten Enrico Komning hat der Doktorand an der Universität Greifswald mit deutlichem Vorsprung für sich entschieden. 31,2 Prozent der Wähler stimmten für Amthor (371 von 372 ausgezählten Wahlbezirken). Auf 23,5 Prozent der Stimmen kommt Enrico Komning. Der Wahlkreis umfasst auch die Ämter Lubmin, Züssow, das Amt am Peenestrom und die gesamte Insel Usedom.

Auf der Wahlparty direkt an der Peene feiert auch Innenminister Lorenz Caffier (CDU) mit: „Im Vorfeld gab es viele Bedenken, ob so ein junger Kerl das reißen kann. Um so mehr freue ich mich, dass es geklappt hat. Wir brauchen doch auch Junge im Bundestag, damit wir einen Querschnitt der Bevölkerung abbilden können.“ Dass Amthors Sieg nicht selbstverständlich war, weiß CDU-Kreischef Egbert Liskow: „Die Akzeptanz für die AfD ist in der Region groß. Um so schöner ist, dass Philipp das Direktmandat gewonnen hat.“ Dietger Wille (CDU), Finanzdezernent des Landkreises Vorpommern-Greifswald, ist überzeugt: „Philipp hat einen tollen Wahlkampf gemacht und viele Leute, die vorher blau gewählt haben, zurück zur CDU geholt.“

Komning nimmt die Niederlage gelassen. Immerhin zieht er trotz verlorenem Direktmandat über die Landesliste in den Bundestag ein. „Ich möchte den engen Kontakt zu den Bürgern beibehalten“, so Komning. Im Bundestag wolle er sich als Wirtschaftspolitiker empfehlen. Dafür werde die Arbeit in seiner Anwaltskanzlei weiterhin ruhen.

Der FDP-Direktkandidat Christian Bartelt (5,7 Prozent) zeigt sich erleichtert, dass sich die AfD nicht durchsetzen konnte. „Das wäre ein sehr negatives Schlaglicht auf unsere Region gewesen“, sagt Bartelt, der den Wahlabend gestern zu Hause verfolgte. „Mit diesem großartigen Ergebnis auf Bundesebene war nicht zu rechnen. Schön, dass eine liberale Partei wieder in den Bundestag einzieht.“ Eine Koalition von CDU/CSU, FDP und Grünen hält Bartelt für nicht möglich.

Dass die AfD bundesweit drittstärkste Kraft geworden ist, wertet der Linken-Kandidat Toni Jaschinksi (19,1 Prozent) als „Protestwahl“. Er zeigt sich enttäuscht, dass seine Partei bundesweit einstellig geblieben ist. Mit knapp 80 Anhängern verfolgte er gestern Abend die Wahl im Neubrandenburger Restaurant „Chamäleon“.

Enttäuschung macht sich gestern Abend bei der SPD-Wahlparty im Torgelower Bürgerbüro breit. „Ich hätte mir ein besseres Ergebnis gewünscht“, sagt Heiko Miraß (13,9 Prozent), der im Wahlkreis 16 für die Sozialdemokraten das Direktmandat holen wollte. „Alle großen Parteien haben deutlich verloren. Die Wähler sind zur AfD gegangen“, sagt Miraß, der das schlechte Ergebnis seiner Partei als ein „Aufbruchsignal“ wertet. Zum bundesweiten AfD-Erfolg sagt Miraß: „Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir die Menschen besser in die politische Entwicklung einbinden. Wir müssen als Parteien wieder offener werden.“

Der Grünen-Direktkandidat Timo Pfarr (2,5 Prozent) hat sein persönliches Ziel – drei Prozent – nicht erreicht, freut sich aber über das gute Abschneiden seiner Partei bundesweit. „Ich bin gespannt auf die Koalitionsverhandlungen. Eine grüne Handschrift sollte sich deutlich wiederfinden“, sagt Pfarr.

Die Wahlbeteiligung lag im Wahlkreis 16 mit knapp 70 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Besonders hoch war die Beteiligung in Wolgast mit 79,4 Prozent.

Cornelia Meerkatz und Henrik Nitzsche

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